Austausch im Ausland

05. Oktober 2017 19:40; Akt: 05.10.2017 19:40 Print

«Wichtig ist, dass die Lehrlinge motiviert sind»

von T. Mathis - Mit Austausch-Projekten sollen Lehrlinge international Berufserfahrung sammeln. Darüber wissen viele jedoch nicht Bescheid. Vorreiter sind Grossfirmen.

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Lehrlingen ist oft nicht bewusst, dass sie einen Austausch machen können. Das beklagt Intermundo, der Dachverband zur Förderung von Jugendaustausch. Laut einer Umfrage wird mehr als die Hälfte der Jungen erst von der Berufsschule auf die Angebote aufmerksam gemacht.

Umfrage
Austauschprojekt für Lehrlinge – sinnvoll oder unnötig?

Etabliert hat sich der Lehrlingsaustausch bereits bei international tätigen Unternehmen. Einer der Pioniere in diesem Bereich ist die Waadtländer Firma Bobst SA. Die Lehrlinge arbeiten zu zweit bis zu acht Monate bei einem Tochterunternehmen in Deutschland, England oder Italien. Der Aufenthalt wird von der nationalen Agentur Movetia und vom Betrieb finanziert.

Für internationale Arbeitswelt fit machen

«Das Ziel dieses Auslandspraktikums ist die Ausbildung von Monteuren, die international eingesetzt werden können, sowie die persönliche Weiterentwicklung der Lernenden», sagt Markus Mosimann, Leiter Berufsbildung bei Bobst SA. Zudem könne die Firma bei der Rekrutierung mit diesem Angebot werben.

Die Herausforderung bei der Planung sei, dass die Lehrlinge während des Austauschs gut betreut werden. «Wir arbeiten mit Berufsschulen und unseren Betrieben zusammen», so Mosimann. So könnten Lernende auch in Länder geschickt werden, die das duale System nicht kennen.

Lehrlinge gehen nach China und Brasilien

Bei der Ostschweizer Bühler-Gruppe sind seit 2008 bereits 136 Lernende zwei bis sechs Monate lang beispielsweise nach China, Brasilien oder Südafrika gegangen. «Mitarbeiter müssen heute über interkulturelle Kompetenzen verfügen», sagt Andreas Bischof, Leiter Berufsbildung. Zwei Drittel der Lehrlinge würden sich jeweils für die offenen Plätze bewerben.

Bund spricht finanzielle Mittel

Das Interesse an Austauschprojekten von Betrieben und Schulen zeigt sich auch bei Movetia, die für die Vergabe der Bundesgelder zuständig ist. «Wir konnten das Budget dieses Jahr mit qualitativ guten Projekten praktisch ausschöpfen», sagt Sprecherin Kathrin Müller.

Für den Bund ist die Förderung der Mobilität der Lernenden ein wichtiges Anliegen. «Der Zugang zu solchen Angeboten soll erleichtert werden», sagt Gaétan Lagger vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation. Ein Austausch fördere nicht nur den Spracherwerb, sondern sei auch für den beruflichen Erfolg in einer international ausgerichteten Arbeitswelt wesentlich.

«Es gibt genügend Angebote»

Der Schweizerische Gewerbeverband hingegen sieht bei einem Austausch während der Lehre auch Probleme. Er spricht sich dafür aus, dass dieser erst nach Abschluss der Grundbildung stattfindet. «Während der Berufslehre handeln sich die Lernenden mit einem Austausch bloss einen Rückstand und Lücken in der Ausbildung ein», sagt Sprecher Bernhard Salzmann. Der Aufenthalt in einem Land, das die duale Berufslehre nicht kenne, sei es besonders anspruchsvoll zu organisieren.

Beim Dachverband Intermundo heisst es, dass derzeit genügend Angebote für Lehrlinge vorhanden seien. «Lernende finden je nach beabsichtigter Dauer zahlreiche Möglichkeiten, einen Austausch zu machen», sagt Geschäftsleiter Guido Frey. Die wichtigste Voraussetzung für einen Austausch sei, dass die Lernenden motiviert sind.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Arbeitgeber am 05.10.2017 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    erhöht die Chancen eines Lehrlings

    Wenn ich 2 Bewerber habe, beides Lehrabgänger, beide ähnlich gute Qualitäten, jedoch der eine hat während der Ausbildung einen Auslandseinsatz absolviert während der andere eine normale Lehrausbildung genoss, ist es doch klar welcher die Stelle bekommt. Als Arbeitgeber kann ich das nur unterstützen. die Bildungsämter, Berufschulen und Dachverbände sollten sich hier nicht querstellen und ein bisschen zurückhalten mit negativen Äusserungen.

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  • Celine am 05.10.2017 20:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenige gehen wirklich

    Bobst SA hat ueber 200 Lehrlinge. Aber viele davon gehen nie in die Filialen arbeiten. Nur ganz wenige mit Top Noten gehen vielleicht mal nach Deutschland oder in eine andere Filiale und nehmen per Skype an den Kursen der Berufsschulen teil. Und dass seit nicht so langer Zeit. Man darf auch nicht vergessen, dass Unternehmen wie Bobst SA die 98% der Produkte exportieren auch grosse Muehe haben KV Lehrlinge zu finden die 2 sprachig (Franzoesisch und Schweizerdeutsch) sind.

  • Martial2 am 05.10.2017 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuhause bleiben nutzt nichts...

    Reisen bildet, es ist unbedingt ein Asset im Berufsleben. Wer kann sollte es unbedingt tun. Ich habs gemacht, es war sehr interessant, vielseitig, mit fremden Leute die seiner Sprache nicht reden in Kontakt zu kommen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Scientist am 06.10.2017 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    do it

    Im Ausland arbeiten ist eine spannende Erfahrung, kann es nur weiterempfehlen.

  • Max Keller am 06.10.2017 08:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lehrlingsausbildung auf dem Prüfstand

    Viel wichtiger als das alles ist es, wenn die Lehrlinge erst mal anständig Hochdeutsch sprechen und vor allem auch schreiben lernten! Es ist eine Katastrophe, was da bisweilen "daherkommt"! Das muss sich ändern, lies stark verbessern! Ansonsten werden wir ab 2020 keine Lehrlingsausbildungen mehr vornehmen!

    • Dr. Jobst am 06.10.2017 23:15 Report Diesen Beitrag melden

      Mit Dialekt keine Chance

      Korrekt, Herr Keller. Doch wenn man ausschließlich Dialekt spricht und alle Medien - ausser in Kultursendungungen - das auch praktizieren, wie soll man da ein gutes Hochdeutsch sprechen und schreiben können. Für mich ist das Dialektsprechen die Geisel der Schweiz. Und ich prognostizieren, dass sie es in Zukunft mehr und mehr wird. Ein dem Hochdeutschen nicht Mächtiger hat im Ausland vom Selbstwertgefühl und von der Akzeptanz ganz schlechte Karten.

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  • Fritz Maurer am 06.10.2017 08:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erst Lehre erfolgreich abschliessen

    In unserer Firma gibt es keinen "Lehrlingsaustausch". Erst soll die Lehre abgeschlossen werden, anschliessend unterstützen wir den Austausch der jungen Berufsleute, auch mit dem Ausland. Das Interesse indessen ist beileibe nicht so gross, wie Sie uns glauben machen wollen!

  • giorgio1954 am 06.10.2017 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitskräfte

    Lehrlinge bei grossen Firmen geniessen eine hervorragende und gut strukturierte Ausbildung. Bei KMUs wie zB. Restaurants, Hotels etc. sind sie meistens nur billige Arbeitskräfte, die den Job tun wie ihre erwachsenen Kollegen. Zum Beispiel servieren, Betten machen etc.

    • AberÄhm am 06.10.2017 10:16 Report Diesen Beitrag melden

      @giorgio1954

      Was für aufgaben soll ein lehrling in einem restaurant sonst übernehmen als servieren? Klar steckt noch mehr dahinter, aber das gehört nunmal zu den grundaufgaben und muss auch gelernt sein. Wems nicht zusagt, der sollte einen anderen beruf wählen.

    • Marlies am 06.10.2017 12:44 Report Diesen Beitrag melden

      @AberÄhm

      Ein Lehrling soll vor allem Lernen. Sprich zuerst eine gute, solide, fundierte Einschulung in die Materie von einem erfahrenen Mitarbeiter oder dem Lehrmeister erhalten, mit allen Tricks und Kniffen der Tätigkeit. Danach soll er die Tätigkeiten ausführen. Habe zu oft erlebt dass Lehrlinge ab Tag 1 ins kalte Wasser geworfen werden und sich dann blamieren resp. versagen und dadurch unmotiviert sind. Der Ansatz "schau wie die Kollegen es machen und mach es nach" funktioniert nicht. Es braucht jemand der Schritt für Schritt, Handgriff für Handgriff lehrt.

    • giorgio1954 am 06.10.2017 15:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marlies

      Voll und ganz einverstanden. Aber eben .. gerade Hotels und Beizen nutzen sie aus und sehen in ihnen Gratsarbeitskräfte.

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  • martin am 06.10.2017 07:25 Report Diesen Beitrag melden

    Erhalt der Rassenvielfalt

    Die Leser haben es noch nicht Bemerkt. Hier geht es bei weitem nicht nur um Lehrlinge, sondern nur um reine Polit-Werbung " eine Welt ohne Grenzen "

    • Jaja am 06.10.2017 07:55 Report Diesen Beitrag melden

      @ Martin

      Und der arme Trump wird auch nur gebasht. So gemein...

    • M.G. am 06.10.2017 11:09 Report Diesen Beitrag melden

      Da starten Sie doch eine Initiative

      zur Wiedereinführung der Nürnberger Rassegesetze.

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