800 Franken

06. Juli 2017 22:10; Akt: 06.07.2017 22:10 Print

Asylbewerber bringt verlorenes Portemonnaie

Michael Preikschat hat am Sonntag im Bus sein Portemonnaie verloren – mit über 800 Franken. Der Asyl suchende Afghane Reza Rezai war Preikschats Retter.

Besitzer und Finder freuten sich bei der Übergabe des Portemonnaies beide. (Video: vro)
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Michael Preikschat (53) aus Niederwil AG arbeitet in einem Pflegeheim. Dort wohnt er auch, doch nun hat er endlich eine eigene Wohnung gefunden. Dafür brauchte er jedoch Geld. In seiner Aufregung bezog er am Wochenende beim Bancomaten aus Versehen Euro, weshalb er den gleichen Betrag nochmals in Franken beziehen musste – insgesamt trug er schliesslich über 800 Franken in seinem Portemonnaie herum.

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Ausgerechnet dann geschah es: Im Bus verlor er unbemerkt das Portemonnaie. «Es ist mir wohl aus der Tasche gerutscht», sagt er. Als er ausstieg, bemerkte er den Verlust. Da war es aber bereits zu spät, der Bus fuhr schon weiter. Die Nachfrage bei Polizei und ÖV-Betrieben brachte nichts, das Portemonnaie blieb verschwunden.

«Etwas so Kostbares und Wertvolles»

Doch womit Preikschat nicht gerechnet hatte: Reza Rezai, ein 21-jähriger vorläufig aufgenommener Asylsuchender aus Afghanistan, hatte das Portemonnaie im Bus gefunden und mitgenommen. Er wollte es zur Polizei bringen. Die hatte am Sonntag jedoch zu. Also begann Rezai mithilfe von Freunden zu recherchieren und fand schliesslich anhand der Hinweise aus dem Portemonnaie Besitzer Preikschat. «Ich dachte, es sei ein Traum. Ich habe mich unglaublich gefreut, dass es noch ehrliche Menschen gibt», sagt dieser.

Am Donnerstag verabredeten sich die beiden für die Übergabe in Niederwil. Rezai kam vor zwei Jahren aus Afghanistan in die Schweiz, wohnt seither in einem Asylheim und ist zurzeit auf der Suche nach einer Lehrstelle als Gipser. Pro Tag hat er bloss 10 Franken zur Verfügung. Der junge Mann gab Preikschat das Portemonnaie samt Inhalt zurück. Dieser war den Tränen nahe: «Das ist für mich etwas ganz Kostbares und Wertvolles.» Am meisten vermisst habe er ein Familienfoto, das er im Portemonnaie mit sich trägt.

Besitzer und Finder bleiben in Kontakt

Bei der Übergabe drückt Preikschat dem jungen Retter einen Finderlohn in die Hand. Sich selbst zu bedienen wäre für Rezai nicht in Frage gekommen. «Ich denke, wir sind alle Menschen. Ich dachte, wenn ich etwas verloren hätte, wie wäre es dann bei mir?» Umso grösser ist die Freude bei Preikschat. «Der junge Mann hat ja selbst nichts», sagt er bei der Übergabe. Die Ehrlichkeit des Afghanen beeindruckt den 53-Jährigen. In Zukunft will er mit ihm in Kontakt bleiben.

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Finder am 06.07.2017 23:52 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Habe auch schon ein Portemonnaie gefunden und dem Besitzer zurückgegeben. Es stellt sich die Frage, ob das eine Schlagzeile wert ist, eigentlich sollte das selbstverständlich sein. Es ist traurig, dass es Leute gibt, welche nicht so handeln.

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  • René B. am 06.07.2017 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow

    Macht eigentlich jeder anständige und ehrliche Mensch so. Die Medien hätten wohl alle Tage so etwas zu berichten. Was soll dieser Rummel?

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  • Sanz am 07.07.2017 01:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles normal oder?

    Was ist jetzt die Botschaft von diesem Artikel? Oder kommt man demnächst auch in die zeitung wenn man nicht zu schnell fährt?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nb am 08.07.2017 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Positiv

    Jetzt sollten die meisten mal der Presse danken. 90 % der Artikel sind meist negativ. Es sollte viel mehr Positives und über Schönes berichtet werden. Super macht weiter so. Positive Presse ist besser.

  • Antheya am 08.07.2017 07:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hatte Glück!

    Ich habe vor paar Wochen mein Portemonnaie im Bahnhof verloren und bin dem Finder unglaublich dankbar das er es bei der Polizei abgegeben hat. Kurz darauf erhielt ich einen Anruf von der Bahnhofspolizei. Habe mich beim Finder gemeldet und bedankt. Ehrlich gesagt habe ich nicht damit gerechnet, umso grösser ist meine Freude. Grossen Dank an alle ehrliche Menschen.

  • Carola am 07.07.2017 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Fremdes Eigentum zurückgeben

    Ja, da können sich einige eine Scheibe abschneiden. Andererseits sollte es absolut "normal" sein, dass man fremdes Eigentum zurück gibt, egal was es ist. So haben wir es noch gelernt. Auch das ist eine Form von Stolz, die man kultivieren sollte.

  • Sepp Hitz am 07.07.2017 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ehrlicher finder

    Gebt Ihm jetzt als Dankbarkeit ohne wenn und aber den roten Pass? In Klingnau AG haben zwei Gemeindeangestellt Gold im Wert von 100'000Fr. gefunden und Die haben das Gold auch nicht behalten. Jetzt bitte aber eine Woche darüber schreiben.

  • Urw am 07.07.2017 16:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer auf dem pfad bleiben

    Ich hab schon sicher 5 mal das portemonnaie zurück an den besitzer gegeben. Wenn ich was verloren habe war es weg. Ich mache trotzdem weiter auf dem ehrlichen pfad.