Europa-Barometer

14. November 2017 08:32; Akt: 14.11.2017 12:39 Print

Drei von vier wollen Zuwanderung begrenzen

Die bilateralen Verträge verlieren laut Umfrage an Unterstützung. Gleichzeitig ist die Kontrolle der Zuwanderung für eine klare Mehrheit ein wichtiges politisches Ziel.

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Der bilaterale Weg ist laut einer Studie des Forschungsinstituts gfs.bern noch immer der «Königsweg» im Verhältnis Schweiz-EU. Gemäss dem Europa-Barometer im Auftrag der Credit Suisse verliert der bilaterale Weg aber etwas an Rückhalt in der Bevölkerung: Deren Fortführung hat noch für 60 Prozent der Stimmberechtigten grosse Priorität – das ist ein Rückgang von 21 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Eine Kündigung der bilateralen Verträge ziehen 28 Prozent in Betracht, im Vorjahr waren es noch 19 Prozent gewesen.

Die Befragten mussten im Rahmen der Studie angeben, wie die Schweiz das Verhältnis zur EU künftig gestalten soll. Folgende Optionen standen zur Auswahl: die Fortsetzung der bilateralen Verträge, ein EWR-Beitritt, die Kündigung der bilateralen oder der EU-Beitritt. Dabei war eine erste und zweite Priorität zu wählen.

EU-Beitritt wieder eher eine Option

Ein EU-Beitritt ist für 21 Prozent der Befragten eine valable Option. Vor Jahresfrist waren es noch lediglich zehn Prozent gewesen. Erstaunlich populär ist auch ein Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR): Er hat für 51 Prozent erste oder zweite Priorität. Höchste Priorität hat er allerdings nur für rund 10 Prozent, was darauf hindeutet, dass die Befragten die Option eher als zweitbeste Alternative zum bilateralen Weg sehen.

Wie die Studienautoren schreiben, seien die Wünsche im Umgang mit der EU teilweise widersprüchlich: So befürwortet eine klare Mehrheit von 79 Prozent die Kontrolle der Zuwanderung mittels Kontingenten. Sie schätzen die Erreichung des Ziels als wichtig oder sehr wichtig ein.

Gleichzeitig hat die Weiterführung des bilateralen Weges für eine Mehrheit grosse Priorität. «Die Personenfreizügigkeit als integraler Bestandteil der bilateralen Verträge ist bei der Schweizer Bevölkerung nur wenig beliebt», schreibt die Credit Suisse in einer Medienmitteilung.

«Swissness-Trend»

Generell fühlen sich gemäss der Umfrage geographisch nur gerade elf Prozent in erster oder zweiter Linie zur EU zugehörig. «Man hat das Gefühl, dass der eigenständige Weg, der neutrale Weg, der Erfolgsweg der Schweiz ist, und dass diese EU, wie sie sich heute präsentiert, keine Lösung für die Schweiz ist», sagte Lukas Golder, Co-Leiter von gfs.bern, der «Tagesschau».

Laut seinen Angaben werden die Schweizer immer patriotischer. «Wir beobachten einen eigentlichen Swissness-Trend», so Golder. Der Stolz auf das Land nehme zu.

Die Umfrage wurde vom Instituts gfs.bern im Auftrag der Credit Suisse und in Zusammenarbeit mit dem Europa Forum Luzern durchgeführt. Die Ergebnisse basieren auf den Daten des Sorgenbarometers 2017, den die Credit Suisse Anfang Dezember veröffentlichen wird. Für die Umfrage wurden zwischen dem 26. Juni und dem 15. Juli 2017 1000 repräsentativ ausgewählte Menschen interviewt. Der statistische Fehler wird bei plus/minus 3,2 Prozentpunkten angegeben.

* Hinweis: In einer früheren Version haben wir auf Basis der Meldung der Nachrichtenagentur SDA geschrieben, eine Mehrheit der Stimmberechtigten unterstütze den EWR-Beitritt. Der EWR-Beitritt wurde auch in der Medienmitteilung der Credit Suisse und des Europa Forums Luzern als «erstmals mehrheitsfähige Alternative» zu den Bilateralen bezeichnet. Diesen Schluss lässt die Studie aber aufgrund der oben beschrieben Fragestellung nicht zu.

(daw/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mani Motz am 14.11.2017 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    irreführender Titel

    Nicht der Gewinn von einem Prozent für einen EWR-Beitritt, sondern die Zunahme von 19 auf 28% für die Kündigung der Bilateralen sind bemerkenswert.

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  • Johnny Schmidt am 14.11.2017 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    Absolut unmöglich

    Glaube ich nicht.

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  • Bayer am 14.11.2017 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein danke

    Wenn die Schweiz der EU Beitritt wandere ich aus war schön mit Deutschland so ihr habt nur Nachteile sieht man jetzt was in diesem Zusammenschluss schiefgeht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat Bachmann am 14.11.2017 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ach so 3 von 4?? hopp bern, handeln!!!

    aha. 3 von 4!!! deutlicher kanns eigentlich immer noch nicht sein. also bern, sofort die "lightversion" rückgängig machen und endlich die abstimmung respektieren und jetzt umsetzen!!!

  • Mike Zac am 14.11.2017 16:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jeder Ausländer ist für KonTrolle 

    macht mal eine Umfrage mit den bereits hier lebenden Ausländern. Gefühlte 90% sind für die Begrenzung der ZuwanDerung. Die linken behaupten das sei Rassismus und Diskriminierung dabei sind die Ausländer selber für Begrenzung statt dass sie mit 500 Mio. neuen Ausländern aus EU konkurrieren. All die älteren MA aus Ex-Jugoslawien, die mit 50ig ihre Stelle verlieren weil ein Akademiker aus DE ihre Stelle für weniger Lohn übernimmt. Fragt die Leute beim RAV. Ich kenne all die Geschichten, aber die Politik interessiert das nicht.

  • EU am 14.11.2017 14:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mawa

    Wir müssen nicht nach der EU-Pfeiffe tanzen. Vor 20 Jahren wurde uns schon prohezeit das die Schweiz ohne die EU nicht nicht überleben kann! Wir leben noch ... und immer noch besser als im manchen EU-Staat! Warum möchten jetzt viele aus EU Abkommen am liebsten wieder raus!? Dieser Moloch kann einfach nicht funktionieren.

    • Marie-Jeanne Herger-Nicolin am 14.11.2017 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @EU

      Ja genau Sie schreiben es richtig

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  • pedrouno am 14.11.2017 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    EU sehr gerne nein

    die schweiz ist schon mehr EU als die meisten EU länder, nur denken die meisten leser hier dass die schweiz immer noch unabhängig ist und die direkte demokratie ist auch nur noch ein scheingebilde

  • roll2go am 14.11.2017 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer ...

    ... wird hier eigentlich jeweils befragt? Ich jedenfalls nicht! - Ach ja, komisch, dass der Titel von "Mehrheit will die EU" (oder so ähnlich) plötzlich auf "Drei von vier wollen Zuwanderung begrenzen" geändert wurde.

    • Marie-Jeanne Herger-Nicolin am 14.11.2017 17:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @roll2go

      Geändert wurde nichts, nur zahlen können wir

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