Gefährlicher Trend?

12. Dezember 2016 10:23; Akt: 12.12.2016 15:02 Print

Schwule schützen sich mit Pille statt Gummi vor HIV

Bei Schwulen boomt eine Pille, die vor HIV schützt. Experte Daniel Seiler erklärt, wie das Medikament funktioniert.

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Gemäss Daniel Seiler, Geschäftsführer der Aidshilfe Schweiz, verwenden derzeit rund 150 bis 200 Menschen die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) zur HIV-Prävention. Trotzdem sei die Ablehnungsrate von Kondomen in Schwulenkreisen laut dem regelmässig durchgeführten «Gay-Survey» stabil bei etwas über 30 Prozent. Dank moderner Medikamente sei das HI-Virus heute nicht mehr das Schreckgespenst, das es noch in den 80er- und 90er-Jahren gewesen sei. «Darum ist es schon möglich, dass in Zukunft mehr schwule Männer auf Kondome verzichten werden», sagt Seiler. Grundsätzlich käme eine PrEP-Behandlung für jeden infrage, der sexuell aktiv ist, regelmässig den Partner wechselt und Risikosituationen eingeht. «Egal, ob die Person homo- oder heterosexuell, Mann oder Frau ist.» Bild: Plakate der neuen «Love Life»-Kampagne des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Seiler stört es nicht, wenn Menschen auf PrEP zugreifen, statt Kondome zu verwenden. «Ich sehe PrEP einfach als einen zusätzlichen Baustein in der HIV-Prävention.» «Wir wollen den Menschen nicht vorschreiben, wie sie ihre Sexualität zu leben haben. Aber man kann sie möglichst gut über die verschiedenen Präventionsmöglichkeiten aufklären», so Seiler. (Bild) Dass die Pille nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten schützt, ist für Seiler kein allzu grosses Minus: «Diese Krankheiten kann man sich auch auf anderem Wege einfangen und sie sind meist leicht zu behandeln», sagt Seiler. Da die Wirksamkeit der PrEP bei täglicher Einnahme wissenschaftlich belegt sei, darf laut Seiler jeder Arzt das Medikament sogenannt «off-label» verschreiben. Auch wenn diese Therapieform in der Schweiz noch nicht zugelassen ist. Bild: Das Medikament Truvada, das für die PrEP Behandlung verwendet wird. Das Medikament hindert das HI-Virus daran, sich in den weissen Blutzellen einzunisten. «Damit der Schutz gewährleistet ist, muss die PrEP aber weiterhin kontinuierlich jeden Tag eingenommen werden», sagt Seiler. Die möglichen Nebenwirkungen von Truvada sind Leber- und Nierenschäden sowie eine Verringerung der Knochendichte. Darum sollte man PrEP nie ohne Voruntersuchung und Begleitung durch den Arzt einnehmen, sagt Seiler. Auch solle man sich während der Behandlung alle drei Monate untersuchen lassen. «Das Medikament ist jedoch allgemein gut verträglich», sagt Seiler. Es sei aber wichtig, Patienten unter anderem auch ausführlich über die möglichen Nebenwirkungen aufzuklären.

Zum Thema
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Herr Seiler*, laut dem «Magazin» sorgt die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) in der Schwulenszene für Furore. Wie verbreitet ist die Verwendung der Anti-HIV-Pille in der Schweiz
Genaue Statistiken haben wir nicht. Ich schätze, dass hierzulande derzeit rund 150 bis 200 Menschen PrEP zur HIV-Prävention verwenden.

Umfrage
Würden Sie eine Pille schlucken statt Kondome zu verwenden?
24 %
24 %
45 %
7 %
Insgesamt 2662 Teilnehmer

Warum? Steigt die Abneigung gegenüber Kondomen?
Nein, die Zahl der homosexuellen Männer, die beim Sex mit wechselnden Partnern auf Kondome verzichtet, ist gemäss dem regelmässig durchgeführten «Gay-Survey» seit den 90er-Jahren stabil bei etwas über 30 Prozent. Bei Heterosexuellen liegt diese Rate laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage von Love Life bei rund 50 Prozent. Das HI-Virus ist heute nicht mehr das Schreckgespenst, das es noch in den 80ziger und 90er Jahren war. Dank moderner Medikamente mutierte das Virus zu einer chronischen Krankheit. Ebenso ist es wissenschaftlich erwiesen, dass HIV-positive Menschen, die unter wirksamer Behandlung stehen, nicht ansteckend sind. Darum ist es schon möglich, dass in Zukunft mehr schwule Männer auf Kondome verzichten werden.

Wird PrEP auch von Heterosexuellen vermehrt verwendet?
Auch hier weiss man nichts Genaues. Man kann aber grundsätzlich sagen, dass eine PrEP-Behandlung für jeden in Frage kommt, der sexuell aktiv ist, regelmässig den Partner wechselt und Risikosituationen eingeht. Da ist es völlig wurst, ob die Person homo- oder heterosexuell, Mann oder Frau ist.

Stört es Sie nicht wenn Menschen auf PrEP zugreifen, statt ein Kondom zu verwenden?
Nein, ich sehe PrEP einfach als einen zusätzlichen Baustein in der HIV-Prävention. Wir wollen den Menschen nicht vorschreiben, wie sie ihre Sexualität zu leben haben. Aber man kann sie möglichst gut über die verschiedenen Präventionsmöglichkeiten und ihre jeweiligen Vor- und Nachteile aufklären.

Aber PrEP schützt ja nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wie Syphilis oder Gonorrhoe.
Das stimmt, aber diese kann man sich auf auf anderem Wege einfangen und sie sind meist leicht zu behandeln. Zudem gibt es Belege, dass die Korrelation zwischen ungeschütztem Sex und diesen anderen Krankheiten nicht so hoch ist, wie einst angenommen.

Wie kommt man denn in der Schweiz an PrEP?
Die Wirksamkeit der PrEP bei täglicher Einnahme ist wissenschaftlich belegt. Deshalb kann die PrEP – auch wenn diese Therapieform in der Schweiz noch nicht zugelassen ist – von jedem Arzt sogenannt off-label verschrieben werden. Die Kosten der PrEP werden von der Krankenkasse nicht übernommen.

Wie funktioniert das Medikament?
Es hindert den HI-Virus daran, sich in den weissen Blutzellen einzunisten. Man muss jeden Tag eine Pille einnehmen und dann ist man drei bis sieben Tage nach der Ersteinnahme geschützt. Damit der Schutz gewährleistet ist, muss die PrEP aber weiterhin kontinuerlich jeden Tag eingenommen werden.

Die möglichen Nebenwirkungen sind Leber- und Nierenschäden sowie eine Verringerung der Knochendichte. Sollte man das Medikament zur Prävention wirklich zulassen, wenn Kondome genausogut schützen?
Natürlich ist PrEP nicht wie Aspirin, darum sollte man PrEP nie ohne Voruntersuchung und Begleitung durch den Arzt einnehmen. Auch soll man sich während der Behandlung alle drei Monate untersuchen lassen. Das Medikament ist jedoch allgemein gut verträglich. Es ist aber wichtig, Patienten unter anderem auch ausführlich über die möglichen Nebenwirkungen aufzuklären.

* Daniel Seiler ist Geschäftsführer der Aidshilfe Schweiz

(lz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Arzt am 12.12.2016 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung?

    Dass der Geschäftsführer der AIDS Hilfe Schweiz ausgiebig Werbung macht für Sex ohne Kondom und dafür mit Medikament mit erheblichen Nebenwirkungen und im selben Atemzug sagt, Syphilis und Gonorrhoe seien ja harmlos und leicht zu behandeln, finde ich schockierend. Ein bisschen Verantwortungsbewusstsein wäre wünschenswert. Oder bezahlt er die ganzen zusätzlichen Behandlungen von vermeidbaren Gechlechtskrankheiten?

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  • rolf am 12.12.2016 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre mir zu heikel

    Mit einer frau zu schlafen die hiv hat ohne kondom und nur mit pille. Würde wohl beides verwenden. Hiv ist immer noch sehr unangenehm und teuer für den betroffenen.

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  • Adi Celent am 12.12.2016 11:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer zahlt das??

    Truvada kostet pro Monat Fr. 900.-!!! das Medikament gibt es nur mit Rezept...folglich bezahlt das dann wer? der Patient selbst oder die Krankenkasse? wenn jemand die Pille nimmt anstelle des Kondoms, also nicht weil er krank ist, sondern weil ihm ein Kondom lästig ist, dann soll er diesen Luxus selber bezahlen. die Krankenkasse soll das nur bei kranken Personen übernehmen! würde Truvada 50 Franken pro Monat kosten und es würde keine Nebenwirkungen haben..dann ok...aber sicher nicht so wie es momentan ist...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Diddlina am 12.12.2016 19:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortungslos

    Diese Aussage "Krankheiten seien leicht zu behandeln".. stellt euch vor, ein Mann schläft mit einem anderen Mann und holt sich Clamydien. Dann schläft er mit einer Frau, die vielleicht schwanger ist und es noch nicht weiss.. was dann? Solche Leute gehören in pychische Behandlung!

  • marko 31 am 12.12.2016 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unbesorgt Sex

    Ich und meine Partnerin haben Sex ohne Gummi den wir sind 5 Jahren zusammen und haben HIV Test gemacht und ist negativ Ich rate denen die ihre Partner Wechseln mit Gummi zu verhüten! Dan steht dem Sex nichts im Weg

  • Boo69 am 12.12.2016 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Super und wir bezahlen mit der Krankenkasse alle 3 Monate die Kontrolle beim Arzt

  • G.Nervt am 12.12.2016 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unbegreiflich

    In der heutige Zeit bei wechselnden Partner auf die Lümmeltüte zu verzichten ist völlig unverständlich, ebenso wie die Aussage vom AIDS Hilfemann. Als wäre das Hiv die einzige Seuche die man auflesen könnte.

  • strubeli1 am 12.12.2016 14:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nie ohne Gummi

    Ja nur unverantwortlich.Bei wechselndem Partner gehört nun mal ein Kondom drüber Also ich hätte Angst einfach sex zu haben wenn ich die andere Person nicht kenne.Gibt ja noch andere Krankheiten.Also nur mit der Pille ist es für mich nicht getan