Medikamente

02. November 2017 13:44; Akt: 02.11.2017 15:12 Print

In der Schweiz kosten Generika doppelt so viel

Generika sind in der Schweiz doppelt so teuer wie in anderen europäischen Ländern. Der Preisüberwacher fordert Massnahmen, um die Preise zu senken.

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In der Schweiz sind die Preise für Generika doppelt so teuer wie im Ausland. Der Preisüberwacher hat die Preise von 20 umsatzstarken Wirkstoffen, bei welchen der Patentschutz abgelaufen ist, mit jenen in 15 europäischen Ländern verglichen. Die Differenz ist riesig: In den Niederlanden zum Beispiel kostet das günstigste Generikum nur 15 Prozent dessen, was die Patienten in der Schweiz bezahlen.

In Schweden sind es 19 Prozent, in Grossbritannien 20 Prozent. Im Durchschnitt aller Länder liegt der Preis für das Medikament bei 41 Prozent des Schweizer Preises, wie es im am Donnerstag veröffentlichten Newsletter des Preisüberwachers heisst.

Etwas kleiner ist die Differenz bei Originalmedikamenten ohne Patentschutz. Diese sind in Deutschland und Dänemark sogar teurer. Im Durchschnitt liegt der Preis aber immer noch gut ein Drittel unter dem Schweizer Niveau.

Günstigster Preis als Massstab

Angesichts dieser Preisunterschiede fordert der Preisüberwacher, dass rasch ein Referenzpreissystem eingeführt wird. Ziel ist es, dass die Krankenkasse für jedes Medikament mit dem gleichen Wirkstoff den gleichen Preis vergütet. Dieser würde auf Basis des günstigsten Generikums berechnet.

Zudem müssten alle Medikamentenpreise jährlich überprüft werden, schreibt der Preisüberwacher. Eine weitere Massnahme zur Kostendämpfung wäre die Vergrösserung des Länderkorbs. Bei den Originalmedikamenten gehören die Länder, die der Bund in den Preisvergleich einbezieht, zu den teuersten in Europa.

Mit Anpassungen beim Preisvergleich, einem Antrags- und Beschwerderecht für Krankenversicherer und Patientenorganisationen, der Vergütung von im Ausland gekauften Medikamenten und Massnahmen bei den patentgeschützten Medikamenten könnten die Kosten laut Preisüberwacher weiter gesenkt werden.

Grosses Sparpotenzial

Schützenhilfe erhält er von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Solch massive Preisunterschiede bei identischen Medikamenten seien nicht akzeptabel, schreibt die Organisation in einer Stellungnahme. Dadurch würden die Prämien der Grundversicherung weiter in die Höhe getrieben.

Die SKS macht das Bundesamt für Gesundheit, den Bundesrat und das Parlament für die aktuelle Situation verantwortlich. Mit den vorgeschlagenen Massnahmen könnten bei gleicher Qualität Hunderte Millionen Franken gespart werden, heisst es in der Stellungnahme.

(fur/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dave74 am 02.11.2017 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Aber

    Lasst mich raten - die Prämien werden dann aber immer noch jährlich steigen, oder!?

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  • Ruedi am 02.11.2017 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist eigentlich die SP?

    ich frage mich schon seit Jahren, was genau macht eigentlich die SP in diesem Lande.....sich darum kümmern, ob man nun Mohrenkopf noch sagen darf oder nicht? Nein liebe Genossen, macht eine Initiative die lautet, Medikamentenpreise dürfen in der Schweiz höchstens 30% teurer sein als im europäischen Durschschnitt...Problem gelöst.

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  • CH D Hopper am 02.11.2017 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Schon klar

    Aber immer schön lästern über die ach so kurzsichtigen Einkaufstouristen. Wenn man nebst den viel billigeren Medis auch gleich noch Obst, Gemüse und Kosmetika einkauft, wird man schon zum Landesverräter. Aber so kompensiere ich einfach zum x-ten Male die KK Prämienexplosion und den seit 10 Jahren unveränderten Tieflohn.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Teure CH am 03.11.2017 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medikamente

    10 Packungen Aspirin Kardio kosten in der Türkei 9 In der Schweiz kostet eine Schachtel Fr. 15.70 Gleiche Menge und gleiche Schachtel.

  • Peter Dung am 03.11.2017 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    Lohn-/Preisniveau

    Irgendwo müssen die hohen Löhne ja hin. Oder die Illusion vom starken Franken. Der Franken ist eben nur nach aussen stark.

  • Dr. G. R. Ippe am 03.11.2017 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Tipp

    Jetzt die rezeptfreien Medis einkaufen, bevor es mit der Schnudernasen-Saison losgeht. Und zwar in deutschen oder holländischen Versandapotheken (Mit DE-Lieferadresse). Mit den Jahren weiss man ja, was man voraussichtlich braucht. Ob Paracetamol, Nasenspray, Resistenztropfen, Sinusitis-Tabletten oder was auch immer: Einsparungen von 30 bis 50 oder mehr Prozent pro Medikament sind garantiert! Kluger Rat Notvorrat. :-)

  • Stöff am 03.11.2017 09:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Generika ist leider nur ein kleiner Teil

    Bsp. Monuril in der Schweiz = CHF 15.80. Das Gleiche auf den kanarischen Inseln = 3.00. Solche Unterschiede sind definitiv nicht begründbar.

  • Pitpit am 03.11.2017 08:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gedankenfehler

    Mensch Leute..., wenn Ihr wollt das eure Löhne nicht sinken, dann ist das so. Fahrt mit euren Autos nach D und macht die Rechnung mit 0,80 Fr/km ...und immer noch günstiger?

    • P. Love am 03.11.2017 09:35 Report Diesen Beitrag melden

      Genau so ist es.

      Hohe Löhne = Hohe Preise.

    • Stöff am 03.11.2017 09:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pitpit

      Ebenfalls Gedankenfehler. Verdienst du 6-8 Mal mehr für den gleichen Job in der Schweiz als zum Bsp. in Deutschland?! 20-25% höhere Preise in der CH für identische Produkte sind begründbar und akzeptabel. Mehr definitiv nicht.

    • Belze Bub am 03.11.2017 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pitpit

      ganz klar "JA"

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