Sion 2026

07. November 2017 05:57; Akt: 07.11.2017 16:54 Print

«Olympia ist eine Nummer zu gross für die Schweiz»

von D. Krähenbühl - Der Walliser Sicherheitsdirektor fordert für die Olympischen Spiele 2500 Gratis-Polizisten. Fehlen in den anderen Kantonen dann die Sicherheitskräfte?

Bildstrecke im Grossformat »
2500 Polizisten und Polizistinnen, die kostenlos oder zumindest zu einem stark reduzierten Tarif die Sicherheit an den Olympischen Spielen 2026 garantieren sollen: Das verlangt der Walliser Sicherheitsdirektor Frédéric Favre. Er erwartet Gratisleistungen im Wert von maximal 100 Millionen Franken. «Wir können nicht alles allein machen und allein zahlen», begründet er seine Forderung gegenüber Radio SRF. «Falls wir alles zahlen müssten, ist das Projekt fertig. Das wäre unmöglich», führt er weiter aus. Die geplanten Sicherheitskosten für Bund und Kantone betragen momentan 303 Millionen Franken. Im Oktober wurde bekannt, dass sich VBS-Chef Guy Parmelin mit zusätzlich rund einer Milliarde an Steuergeldern direkt an «Sion 2026» beteiligen will, worauf eine Welle der Empörung folgte. Dass jetzt der Walliser Sicherheitsdirektor von den Kantonen gratis zur Verfügung gestellte Polizeileistungen verlangt, ist für SVP-Nationalrat Sebastian Frehner unverständlich. «Diese Forderungsmentalität ist völlig daneben.» Die Schweiz solle lieber dringend benötigte Investitionen im Grenzwachtkorps vornehmen, als Millionen in ein nicht ausgereiftes Olympia-Konzept reinzubuttern. Auch Grünen-Nationalrat Bastien Girod ist konsterniert. Zwar sei es nichts Neues, dass die Sicherheitskosten hoch ausfielen. Die Forderung von Favre sei aber «ein weiterer Hinweis, dass das ganze Projekt eine Nummer zu gross für die Schweiz ist.» Die Entwicklungen in den letzten Jahren hätten gezeigt, dass die olympischen Spiele weder ökonomisch, noch ökologisch nachhaltig durchgeführt werden können. Darum sei es auch wichtig, dass das Volk schlussendlich entscheide, wie man seine Steuergelder einsetze. Andere Politiker dagegen haben Verständnis. SP-Ständerat Hans Stöckli: «Schon bei der Euro 2008 haben alle Kantone mitgemacht, als es darum ging in in Zürich, Bern, Basel und Genf die Sicherheit zu gewährleisten», sagt Hans Stöckli, SP-Nationalrat und Vizepräsident des Bewerbungskomitees für die Olympischen Winterspiele 2026. «Ich bin überzeugt, dass die interkantonale Solidarität auch spielt, wenn die Westschweiz diese nun fordert.» «Die Schweiz sollte 2026 den Fokus auf das Jahrhundertereignis Olympia legen. Das WEF könnte in einem kleineren Rahmen, zu einer anderen Zeit oder in einem anderen Land stattfinden.» Auch FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen versteht die Forderung nach den enormen Sicherheitsleistungen. «Ich bin der Meinung, dass man einen reduzierten Tarif für Polizeieinsätze aushandeln könnte», schlägt er jedoch vor. Schliesslich sei dies auch bei anderen Grossanlässen Gang und Gäbe.

Zum Thema
Fehler gesehen?

2500 Polizisten und Polizistinnen, die kostenlos oder zumindest zu einem stark reduzierten Tarif die Sicherheit an den Olympischen Spielen 2026 garantieren sollen: Das verlangt der Walliser Sicherheitsdirektor Frédéric Favre. Er erwartet Gratisleistungen im Wert von maximal 100 Millionen Franken. «Wir können nicht alles allein machen und allein zahlen», begründet er seine Forderung gegenüber Radio SRF. «Falls wir alles zahlen müssten, ist das Projekt fertig. Das wäre unmöglich», führt er weiter aus.

Umfrage
Sollten die Olympischen Spiele 2026 in der Schweiz stattfinden?

Die geplanten Sicherheitskosten für Bund und Kantone betragen momentan 303 Millionen Franken. Im Oktober wurde bekannt, dass sich VBS-Chef Guy Parmelin mit zusätzlich rund einer Milliarde an Steuergeldern direkt an «Sion 2026» beteiligen will, worauf eine Welle der Empörung folgte. So wehrten sich auch in einer 20-Minuten-Umfrage mit über 17’000 Teilnehmern mehr als 80 Prozent gegen das gesprochene Geld. Mit den geforderten Polizeileistungen des Walliser Sicherheitsdirektors sorgen die umstrittenen Spiele für zusätzlichen Zündstoff.

«Forderungsmentalität ist völlig daneben»

Dass jetzt der Walliser Sicherheitsdirektor von den Kantonen gratis zur Verfügung gestellte Polizeileistungen verlangt, ist für SVP-Nationalrat Sebastian Frehner unverständlich. «Diese Forderungsmentalität ist völlig daneben.» Die Schweiz solle lieber dringend benötigte Investitionen im Grenzwachtkorps vornehmen, als Millionen in ein nicht ausgereiftes Olympia-Konzept reinzubuttern, sagt Frehner.

Dass auch der Bundesrat seine Bedenken bezüglich «Sion 2026» hat, beweist eine Machbarkeitsstudie des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Darin schreibt das VBS, dass die kantonalen Polizeikräfte durch eine Versetzung in die Austragungskantone an ihre Kapazitätsgrenzen stossen würden. Mit dem kurz davor stattfindenden World Economic Forum (WEF) käme es deshalb zu einer «Ausdünnung von Sicherheitskräften», die zu höheren Risiken in verschiedenen Gebieten führen werde.

«Ganzes Projekt eine Nummer zu gross für die Schweiz»

Frehner ist über die widersprüchliche Haltung des Bundes irritiert. «Einerseits scheint er die Olympischen Spiele in der Schweiz pushen zu wollen, andererseits warnt er vor einer Durchführung.» Auch Grünen-Nationalrat Bastien Girod ist konsterniert. Zwar sei es nichts Neues, dass die Sicherheitskosten hoch ausfielen. Die Forderung von Favre sei aber «ein weiterer Hinweis, dass das ganze Projekt eine Nummer zu gross für die Schweiz ist.»

Die Entwicklungen in den letzten Jahren hätten gezeigt, dass die Olympischen Spiele weder ökonomisch, noch ökologisch nachhaltig durchgeführt werden können. Darum sei es auch wichtig, dass das Volk schlussendlich entscheide, wie man seine Steuergelder einsetze. «Wenn Sion tatsächlich anders und nachhaltig organisiert werden kann, sollte das Organisationskomitee keine Angst haben, dies dem Volk zu beweisen», sagt Girod. Bisher seien ähnliche Vorstösse allerdings stets abgelehnt worden.

«Interkantonale Solidarität gefordert»

Andere Politiker dagegen haben Verständnis. SP-Ständerat Hans Stöckli: «Schon bei der Euro 2008 haben alle Kantone mitgemacht, als es darum ging in in Zürich, Bern, Basel und Genf die Sicherheit zu gewährleisten», sagt Hans Stöckli, SP-Nationalrat und Vizepräsident des Bewerbungskomitees für die Olympischen Winterspiele 2026. «Ich bin überzeugt, dass die interkantonale Solidarität auch spielt, wenn die Westschweiz diese nun fordert.» Es sei nun einfach mal so, dass der Bund und die Kantone für die Sicherheit auf öffentlichem Grund und Boden zuständig ist, nicht das Bewerbungskomitee. Die Sorgen des Bundesrates bezüglich einer Ausdünnung von Sicherheitskräften für die Olympischen Spiele teilt Stöckli aber nicht. «Die Schweiz sollte 2026 den Fokus auf das Jahrhundertereignis Olympia legen, ohne aber das WEF zu vernachlässigen.»

Auch FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen versteht die Forderung nach den Sicherheitsleistungen. «Ich bin der Meinung, dass man einen reduzierten Tarif für Polizeieinsätze unter den Kantonen aushandeln könnte», schlägt er vor. Schliesslich sei dies auch bei anderen Grossanlässen gang und gäbe. «Sion 2026» könne ausserdem dazu genutzt werden, um auf die fehlenden Polizeibestände der Kantone aufmerksam zu machen. Bei der Rekrutierung von neuen Polizisten müsse man sowieso jetzt Gas geben. «Die Olympischen Spiele sind ausserdem ein nationales Projekt und die Effekte auf den Tourismus würden noch jahrelang spürbar bleiben», sagt Wasserfallen. Die Schweiz würde mit den verschiedenen Ski-Weltcups, dem Spengler-Cup, der Eishockey-Weltmeisterschaft und den Olympischen Jugend-Winterspielen 2020 und der Winter-Universiade 2021 zeigen, dass man einem solchen Grossprojekt gewachsen sei. «Wir können das», sagt Wasserfallen überzeugt.


Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steff am 07.11.2017 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein zu Olympia

    Dieses Geld sollte besser in die AHV fließen! Da wäre es am richtigen Ort!

    einklappen einklappen
  • Ruth am 07.11.2017 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnuetz

    Wir haben andere Probleme als Moechtgerns zu spielen. Wenn wir ja so viel zu viel Geld haben dann sifirt in die AHV pumpen.

    einklappen einklappen
  • DavidLU am 07.11.2017 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    olympia JA bezahlen NEIN und dann versuch ich meinen Kinder beizubringen das man erst etwas kauft wenn man das Geld hat

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ueli am 08.11.2017 13:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur ruhig Blut

    Das Olympische Komitee dürfte das mit der zu grossen Nummer genauso sehen und deswegen sich gar nicht für die Schweiz als Austragungsort entscheiden. Bei dieser Veranstaltung soll sich ja die Jugend der Welt treffen.

  • Aamm. Pp am 08.11.2017 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Geld wãchst ja auf den bäumen.

    Ja, ich komme aufs geld zurück. Es interessiert mich kein kleines bisschen. Man muss über gelder für bildung, vaterschaftsurlaub etc. Alles streiten. Die steuern werden höher und höher bla bla bla. Aber ja, ein neues stadion! Unbedingt! Profitieren wird ja dan auch nur der eine ort. Und wie die bauten ablaufen wissen wir auch. Es wird wieder auslandsherstellung benötigt bei aimpelsten arbeiten. Wow.. Was für eine wertschöpfung.

  • notes713 am 08.11.2017 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wer braucht heute noch eine Olympia?

    nemand! schon gar nicht die CH

  • Adrio am 08.11.2017 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    Zusammenfassung

    Zusammengefasst: Schweizer Steuerzahler finanzieren Olympia mit allen Funktionären eine tolle, lukrative Zeit, den internationalen Sportlern saftige Preisgelder, pumpen viel Geld in eine übertriebeneund Infrastruktur und sollen es auch noch gut finden. Und nach NoBillag kann das SRF nicht mal mehr darüber berichten. Schauen wirs halt im ORF. Ein wiedermal bescheideneres Olympia hätte mehr Zuspruch.

  • Adrio am 08.11.2017 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    Kostenlose Sicherheit?

    Polizisten stellen Sicherheit kostenlos oder zu reduziertem Preis sicher? Am Schluss zahlt es eh immer der Steuerzahler. Von kostenlos kann keine Rede sein.