Kanton St. Gallen

31. August 2017 09:34; Akt: 31.08.2017 14:32 Print

«Beunruhigender Fall» von Masern an Schule

In der Schweiz haben sich seit Sonntag sechs Menschen mit dem Masernvirus infiziert – darunter eine St. Galler Lehrerin.

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In den letzten vier Tagen sind in der Schweiz sechs bestätigte Masernfälle aufgetreten. Drei Infektionen habe es im Unterwallis geben, zwei im Kanton Neuenburg und einen im Kanton St. Gallen, berichtet das «SRF». Zudem würden in mehreren Kantonen weitere Verdachtsfälle abgeklärt.

Brisant ist dabei, dass unter den Erkrankten auch zwei Erwachsene sind, die mit Kinder arbeiten – eine Tagesmutter und eine weitere Betreuungsperson. In ihrer Umgebung könnten auch weitere Kinder angesteckt worden sein, befürchtet der Leiter der Abteilung «Übertragbare Krankheiten» beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), Daniel Koch. In solchen Umfeldern «sollten Berufsfachleute eigentlich darauf schauen, dass der Impfstatus vollständig ist», so Koch.

«Beunruhigende» Impflücke bei jungen Erwachsenen

Bereits in der ersten Jahreshälfte 2017 ist es in der Schweiz zu mehr Masernfällen gekommen als im gesamten Vorjahr. Seit Jahresbeginn wurden insgesamt 72 Fälle registriert – in der gleichen Zeitspanne waren es 2016 noch 41 Fälle, im Jahr zuvor 25 Fälle. Gegenüber 2015 hat sich die Zahl der Fälle also fast verdreifacht.

Dieser scheinbare Aufwärtstrend der letzten Jahre sei hauptsächlich durch zwei Faktoren zu erklären, erklärt Koch auf Anfrage: Erstens gebe es im europäischen Umfeld viele Masernfälle – allein in Italien seien rund 4000 Menschen infiziert –, die dann «importiert» würden. Zweitens infizierten einzelne Ausbrüche jeweils gleich mehrere Personen, was eine gewisse Unregelmässigkeit mit sich bringe.

Die monatliche Inzidenz pro 100'000 Personen seit 2000 – die aktuellen Fälle sind hier noch nicht erfasst. (22. August 2017) Bild: BAG

Die Impungsraten der Schweiz stimmen Koch grundsätzlich optimistisch. 94 Prozent aller 2-Jährigen seien mindestens mit einer Einerdosis geimpft. Bei den Schulabgängern seien es 96 Prozent. «Beunruhigend» sei aber, dass bei den jungen Erwachsenen eine schwer zu beziffernde Impflücke bestehe.

Gemeinsam gegen Masern

Ziel des Bundes ist, dass mindestens 95 Prozent der Bevölkerung gegen Masern geimpft und damit vor Masern geschützt ist. Denn damit hätte das Virus keine Chance mehr, sich in der Schweiz auszubreiten.

Bei einer Durchimpfungsrate von mindestens 95 Prozent würde jener Teil der Bevölkerung, der gegen Masern immun ist, jene schützen, die unwissentlich keinen Schutz haben oder sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen dürfen, liess das BAG im März verlauten.

Fortschritte in der Schweiz

Im Februar hatte der Bundesrat Zwischenbilanz zu seiner Strategie gegen Masern gezogen. Das Ziel, die Masern bis Ende 2015 zu besiegen, konnte nicht erreicht werden. Doch die Durchimpfungsrate steigt in der ganzen Schweiz. «Besonders ermutigend» seien die Fortschritte in Kantonen wie Appenzell Innerrhoden, Obwalden oder Zug, die lange Zeit unterdurchschnittliche Impfraten hatten, hiess es damals.

Weil insgesamt die Durchimpfungsrate in der Schweiz gestiegen sei, dürfte es nicht erneut zu einer Masernepidemie wie in den Jahren 2006 bis 2009 kommen, teilte das BAG im März mit. Auf lokale Ausbrüche seien die Gesundheitsbehörden gut vorbereitet.

Erstes Todesopfer seit langem

Im Februar starb in der Schweiz erstmals seit 2009 ein Mensch an Masern. Ein junger Erwachsener verstarb auf einer Intensivstation schliesslich an Lungenversagen. Das Opfer litt an Leukämie und unterzog sich einer Therapie, bei der sein Immunsystem stark unterdrückt wurde. Deshalb schützte ihn die Masernimpfung auch nicht.

Der Fall zeigte laut dem Bund, wie wichtig es ist, das Masernvirus auch in der Schweiz zu eliminieren. Durch Studien belegt ist folgende Formel: 95 Prozent der einmal gegen das Virus Geimpften sind gegen Masern geschützt. Bei einer Person, die sich zwei Mal impfen lässt, steigt der Masernschutz auf 98 Prozent.

(mch/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • soo weh tuts auch nicht... am 31.08.2017 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    pieks!!

    impfungen sind eine der grössten errungenschaften der medizin... aber solange diese (leider nicht) besserwissenden möchtegern-verschwörungs-theoretiker-impfgegner lieber über diese ach so bösartige pharmaindustrie wettern anstatt ihre eigenen kinder (und leider auch deren kollegen/erzieher/elternersätze/...) vor einer möglicherweise tödlichen vireninfektion bewahren... gibts das halt!!

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  • R.K. am 31.08.2017 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeiten mit Kindern als Impfgegner?

    Schön wenn man sich als Tagesmutter resp. Kinderbetreuer/in nicht gegen Masern impfen lässt. Professioneller und vernünftiger Umgang mit Gesundheit scheint für solche Berufsgruppen nie ein Thema zu sein.

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  • Hetzerei am 31.08.2017 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Sachliche Berichterstattung?

    Wie viele von den 72 Maserninfizierten waren geimpft bzw. nicht geimpft. Wie viele davon sind mit bzw. ohne Komplikationen verlaufen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ronny am 31.08.2017 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    Besserwisseritis

    Für die Impffans die ja alles ganz genau wissen und die ImpfTHEORIE (nach über 100 Jahren!) zu gesichertem Wissen erklären, empfehle ich eine Impfung gegen die oben genannte Krankheit. Ich finde es unerträglich, mit welcher Panikmache der selbstverständliche souveräne Entscheid über die Anwendung einer Theorie diskutiert wird!

  • Karli am 31.08.2017 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Menschliche Lebenserwartung

    Ich soll Nervenschödigung und andere Nebenwirklungen riskieren, nur damit sich ein minimaler Prozentsatz der Bevölkerung besser fühlt und ich nicht als Egoist betitelt werde?! Nein, denn für mich sind diejnigen die Egoisten, die so stur am Leben festhalten und die Lebenserwartung des Menschen durch Medizin künstlich verlängern wollen und so auch die natürliche Selektion umgehen. Warum? Weltbevölkerungswachstum, Lebensmittelknappheit, Leben auf engstem Raum (Siehe div. Drittweltländer, wie bsp. Kambodscha)... DAS will ich meinen Nachkommen nicht antun. Wer also ist der Egoist?

  • Bastor am 31.08.2017 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was ein Glück auch

    na dann zum Glück sind ja all unseren neuen Fachkräfte auch geimpft.

  • Fragende am 31.08.2017 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    sind die Krankheiten schon wesentlich vor den Einführungen nachweislich zurück gegangen und warum sind andere Krankheiten, wie z.B. Scharlach, ebenfalls zurück gegangen, ob wohl nicht dagegen geimpft wurde?

  • Dani am 31.08.2017 16:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egoistisches Denken

    Leider kann man ein Baby bis zum 1. Altersjahr nicht impfen! Falls es sich dann mit Masern ansteckt, kann das tödlich oder mit schweren Missbildungen enden! Also....wer nicht geimpft ist, ist ein totaler Egoist!!!

    • Karl am 31.08.2017 17:50 Report Diesen Beitrag melden

      Wer ist da der Egoist?

      Ich finde, wer den Wahn der "unsterblichkeit" nachhängt, ist ein Egiost. Wieso? Na, meint ihr, unsere Nachkommen werden es uns danken, wenn in einigen Jahrzehnten Zustände wie in Kambodscha bei uns herrschen und wir wie Batteriehühner zu 20igst in einer 1-2 Zimmer Wohnung hausen müssen? Zudemm können ja jetzt schon bei langem nicht alle Menschen mit NATUERLICHEN Lebensmittel versorgt werden. Sollen unsere Kinder und Enkel etwa wirklich dann nur noch Gen- und Labornahrungsmittel zu sich nehmen?! und das nur, weil einige von euch nicht loslassen wollen, wenn für jemanden die Uhr abgelaufen ist!

    • Mami am 31.08.2017 17:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dani

      Dass der Nestschutz nicht mehr greift bei Säuglingen ist der Impferei zu verdanken, weil eine geimpfte Mama nicht die Immunität an ihr Baby weitergibt wie es eine Mama tut, welche die Krankheit durchgemacht hat! Erst Hausaufgqaben machen und recherchieren bevor man mit dem Finger zeigt!!!!!

    • Betty 0711 am 31.08.2017 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mami

      Dies gilt aber ausschliesslich gegen Masern!Gegen Diphtherie und Tetanus sind Babys fünf bis sieben Monate geschützt - wenn die Mutter geimpft wurde. Eine durchgemachte Erkrankung der Mutter. Es gibt keinen nachweisbaren Nestschutz gegen Keuchhusten, Scharlach, Tuberkulose und den Meningitis-Erreger HIB. Auch der Nestschutz gegen Kinderlähmung ist nicht zuverlässig.

    • Bill am 31.08.2017 20:08 Report Diesen Beitrag melden

      @Mami

      So ein Unsinn. Wenn es diesen magischen Nestschutz gäbe wären sämtliche Infektionskrankheiten längst ausgerottet. Nein, eine durchgemachte Infektion schützt nicht besser als eine Impfung. Weder die Mutter noch den Säugling.

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