Fast 1200 Fälle

03. Dezember 2017 19:39; Akt: 03.12.2017 20:08 Print

Anzeigen wegen sexueller Belästigung nehmen zu

Um über zehn Prozent hat die Anzahl von Anzeigen wegen sexueller Belästigung in den letzten zwei Jahren zugenommen. Die Dunkelziffer dürfte aber um einiges höher liegen.

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Der US-Filmproduzent Harvey Weinstein wird von Dutzenden Frauen beschuldigt, sie belästigt, sexuell genötigt oder vergewaltigt zu haben. Nachdem der Fall öffentlich wurde, traten immer mehr Frauen mit ähnlichen Geschichten an die Öffentlichkeit und erzählten diese — unter anderem mit dem Hashtag #metoo.

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Weinstein sollte nicht der einzig Mann aus Hollywood bleiben, dem ähnliche Anschuldigungen nachgesagt werden. Gleich mehrere Filmstars stehen im Verdacht, Frauen oder Männer sexuell belästigt zu haben.

Mehr registrierte Sexualdelikte

Auch in der Schweizer Politik wurde nun ein Fall publik: CVP-Nationalrat Yannick Buttet soll seine Ex-Geliebte belästigt haben. Nachdem der 40-Jährige in einer Samstagnacht Mitte November gegen zwei Uhr in der Früh bei dieser Sturm geklingelt hatte, rückte die Polizei aus. Das Opfer, ebenfalls Mitglied der CVP, zeigte Buttet daraufhin an.

Mit solchen und ähnlichen Fällen muss sich die Polizei vermehrt auseinandersetzen. Ein Blick auf die Kriminalstatistik zeigt, dass die Anzahl Anzeigen wegen sexueller Belästigung um rund zehn Prozent zunahmen. Das berichtet die «Ostschweiz am Sonntag». 2015 waren es 1058 Fälle, 2016 bereits 1190.

Aus Angst oder Scham keine Anzeige

Auch die Anzahl der registrierten Sexualdelikte insgesamt hat laut der Zeitung zugenommen. Darunter fallen neben sexueller Belästigung unter anderem auch Vergewaltigung, Nötigung, Pornografie und unzulässige Prostitution. 2016 gelangten 7330 Fälle an die Polizei, 2015 waren es rund 6760.

Diese Zahlen dürften nur die Spitze des Eisberges sein. Denn nicht alle Betroffenen melden sich nach einem solchen Delikt bei der Polizei. Annette Uebelhart von der Berner Stiftung gegen Gewalt an Frauen und Kindern sagt zur «Ostschweiz am Sonntag»: «Oft verzichten Opfer aus Angst oder Scham darauf, den Täter anzuzeigen.»

Ob der Skandal rund um Harvey Weinstein dazu führt, dass sich mehr Opfer beraten lassen, kann Uebelhart nicht sagen. Brigitte Huber, Co-Geschäftsleiterin der Opferhilfe St. Gallen und der beiden Appenzell, hingegen sagt zur Zeitung: «Bei uns melden sich mehr Betroffene, der Anstieg ist aber nicht eklatant.»

(jen)