Unfälle bei Zebrastreifen

09. November 2017 05:42; Akt: 09.11.2017 07:24 Print

So gefährlich ist die Dunkelheit für Fussgänger

In den vergangenen Wochen sind an verschiedenen Orten in der Schweiz Fussgänger von Autos angefahren worden. Schuld daran könnte die frühe Dämmerung sein.

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Eine 19-Jährige wurde am Montagabend beim Überqueren eines Fussgängerstreifens in Lenzburg AG von einem Auto angefahren und so schwer verletzt, dass sie im Spital starb.

Solche Fälle scheinen sich derzeit zu häufen: Am Mittwochmorgen fand ein Rollerfahrer in Zürich-Seebach eine schwer verletzte Fussgängerin. Die 27-Jährige wurde laut Polizei vermutlich von einem Fahrzeug angefahren, der Lenker hat sich vom Unfallort entfernt.

Fussgängerinnen übersehen

Am Dienstag meldete die Baselbieter Polizei einen Unfall in Münchenstein, bei dem eine Fussgängerin angefahren worden war. Der 90-jährige Fahrer hatte die Frau übersehen, die gerade den Fussgängerstreifen überqueren wollte. Und in Näfels GL übersah ein Autolenker eine Fussgängerin auf einem Trottoir und fuhr sie an.

Am Freitag zuvor ist in Buchs SG ein siebenjähriger Bub angefahren worden, als er auf die Strasse trat. Er wurde verletzt ins Spital gebracht. In Arbon TG ist am Mittwoch, 1. November, ein 15-Jähriger auf dem Fussgängerstreifen von einem Kleinwagen angefahren worden. Er wurde dabei leicht verletzt. Gleichentags touchierte ein Auto in Arch BE bei einem Überholmanöver zwei Mädchen, die hintereinander am Strassenrand entlanggingen. Eines wurde leicht verletzt.

Zahl verunfallter Fussgänger ist im letzten Jahr gestiegen

Die meisten Vorfälle passierten bei Dunkelheit. Die Fussgänger waren überwiegend in Bereichen unterwegs, in denen sie Vortritt hatten. Ob die Häufung zufällig auftritt oder konkrete Ursachen hat, lässt sich nicht mit Sicherheit beurteilen. Möglich ist allerdings, dass die Zeitumstellung eine Rolle spielt: Seit dem 29. Oktober wird es abends früher dunkel, und die innere Uhr muss sich an die neue Zeit anpassen. Die Suva hat deshalb bereits vor der letzten Umstellung in einer Mitteilung darauf hingewiesen, dass die Schlafqualität beeinträchtigt werden könnte. So könne es etwa zu Konzentrationsschwierigkeiten, Schwindel oder Gereiztheit kommen.

Die frühe Dämmerung führe dazu, dass Fussgänger am Abend weniger gut erkannt werden, sagt Marc Bächler, Sprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU). «Im Gegensatz zum Auto- und Töfffahren sind beim Langsamverkehr die Unfälle in den letzten Jahren nicht zurückgegangen.» In den letzten zehn Jahren ist die Anzahl schwerer Unfälle von Velofahrern gar leicht gestiegen. Und 2016 verunfallten 2,1 Prozent mehr Fussgänger schwer als noch im Vorjahr. Das zeigen die Zahlen des diesjährigen Sinus-Reports der BfU.

Richtig angezogen macht sichtbar

Wichtig ist, dass sich Fussgänger richtig anziehen: Dunkle Kleidung ist laut der BfU für Autofahrer erst ab einer Distanz von 25 Metern erkennbar. Mit heller Kleidung werden Fussgänger schon aus 40 Metern Entfernung wahrgenommen. Tragen sie Reflektoren, sind sie schon aus einer Distanz von 140 Metern zu sehen. Diese Lichtreflektoren sollten an allen Seiten des Körpers vorhanden sein, möglichst an Stellen, die man beim Gehen bewegt.

Laut Statistik kann man bei Unfällen auf Fussgängerstreifen nicht von einer Zunahme der Fälle sprechen, besonders wenn man die Schwerverletzten und Getöteten anschaut, wie Bächler sagt. Hier sind die Fälle konstant und leicht abnehmend. Im vergangenen Jahr wurden beispielsweise 259 Fussgänger auf Zebrastreifen schwer verletzt, 15 wurden getötet. Am sichersten sind laut Bächler jene Fussgängerstreifen, die oft genutzt, gut beleuchtet, gut erkennbar und mit einer Insel ausgestattet sind sowie nur einen Fahrstreifen pro Fahrtrichtung führen.

(vro)