Fall Adeline

13. Januar 2017 12:38; Akt: 13.01.2017 16:17 Print

Anthamatten-Prozess beginnt nochmals neu

Ein Gericht hat einem Rekurs von Fabrice Anthamatten stattgegeben. Die Richter wurden wegen Befangenheit abgesetzt.

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Die Schlüsse von Experten im Prozess: Der Angeklagte Fabrice Anthamatten hat eine gespaltene Persönlichkeit. (3. Oktober 2016) Fabrice Anthamatten muss sich ab Montag, 3.Oktober 2016, in Genf vor Gericht verantworten. Er soll die 34-jährige Adeline M. im September 2013 getötet haben. Der Prozess soll rund zwei Wochen dauern. Am Montag, 3.Oktober 2016, wird Fabrice Anthamatten zum Gerichtsgebäude in Genf gefahren. Die Tat erschütterte damals die ganze Schweiz. Auch Adelines Eltern werden am Prozess teilnehmen. Sie kamen in Begleitung des Anwalts Simon Ntah. Die beiden können niemals akzeptieren, auf welche Art ihre Tochter umgebracht wurde, sagen sie der Tribune de Genève. Dutzende Menschen kamen zum Prozessauftakt. Der Genfer Staatsanwalt Olivier Jornot wird ebenfalls anwesend sein. Laut ihm hängt die Tat mit Anthamattens Ex-Freundin zusammen. Verteidigt wird Anthamatten von Anwalt Yann Arnold... ...und Leonardo Castro (links). Am 15. September 2013 wurde Fabrice Anthamatten an der deutsch-polnischen Grenze verhaftet. Diese Bilder zeigen, wie der mutmassliche Killer von Adeline M. am 16. September der Staatsanwaltschaft im polnischen Stettin vorgeführt wird. Mit einem Citroën Berlingo war Anthamatten bis an die Grenze zu Polen geflohen. Am 16. Dezember wurde Fabrice Anthamatten in ein Waadtländer Gefängnis überführt. Zuvor hatte Polen den mutmasslichen Mörder an die Schweiz ausgeliefert. Der verurteilte Vergewaltiger war am 12. September 2013 auf Freigang - gemeinsam mit seiner Therapeutin Adeline M. Noch am gleichen Tag wurde ihre Leiche in einem Wald in Versoix GE gefunden. Adeline M. (34) hinterliess eine damals acht Monate alte Tochter.

Die Richter des Strafgerichts wurden auf Antrag der Verteidigung des Angeklagten in Ausstand gesetzt: Der Prozess um Fabrice Anthamatten beginnt von vorne.

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Nach nur vier Tagen ist Anfang Oktober der Prozess um das Tötungsdelikt Adeline unterbrochen worden. Nun dürften die Gerichtsverhandlungen von vorne beginnen. Die Richter wurden auf Antrag der Verteidigung des Angeklagten Fabrice Anthamatten in Ausstand gesetzt.

Die Berufungskammer des Genfer Strafgerichtes hiess ein Ausstands-Begehren gegen das Gericht gut, wie eine Quelle aus der Genfer Justiz, die anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur sda angab. Damit wurde ein Bericht des Internetportals der Zeitung «Le Temps» bestätigt.

Verhandlung endete mit Eklat

Die Berufungskammer hob zudem sämtliche vorgenommenen Handlungen des Gerichts im Strafprozess auf. Als Folge müsse der Prozess erneut bei Null anfangen, wird Yann Arnold, Verteidiger des Angeklagten Fabrice Anthamatten, im Bericht der «Le Temps» zitiert.

Der Prozess hatte Anfang Oktober nach nur vier Tagen in einem Eklat geendet. Die Gerichtspräsidentin setzte die Verhandlungen aus, bis ein drittes psychiatrisches Gutachten zum Angeklagten vorliegt.

Lebenslange Verwahrung?

Grund dafür war ein umstrittenes psychiatrisches Gutachten zweier französischer Experten, die keine Prognose auf lange Sicht zum Angeklagten gemacht hatten. Die Verteidiger bezeichneten darauf das Gericht als befangen und reichten ein Ausstandsbegehren ein.

Die psychiatrischen Gutachten spielen eine wichtige Rolle bei der Beurteilung der Frage einer lebenslangen Verwahrung. Die Sozialtherapeutin Adeline war am 12. September 2013 während eines Freigangs getötet worden. Beim Täter handelt es sich um Fabrice Anthamatten, einen Häftling des auf Resozialisierung spezialisierten Zentrums «La Pâquerette». Nach der Tat flüchtete er und wurde drei Tage später an der deutsch-polnischen Grenze verhaftet.

(ij/sda)