Blasphemie?

03. November 2017 20:15; Akt: 03.11.2017 20:15 Print

«Die ‹Mohammed›-Aufführung birgt Risiken»

Ein Regisseur führt in Zürich Voltaires «Mohammed» auf, in dem der Prophet eine unrühmliche Rolle spielt. Aus Angst vor den Reaktionen suchte er «mutige Schauspieler».

Am Samstag kommt es im Zürcher Volkshaus nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Aktion zur Aufführung des umstrittenen Stücks.
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«Ich mache seit vierzig Jahren Theater. Aber noch nie war es so schwierig, das nötige Geld zusammenzubringen», sagt Regisseur Andrej Togni. Staatliche Institutionen und Stiftungen hätten ihm die kalte Schulter gezeigt, als er sich um Unterstützung seines Theaterprojekts «Prophet 3.0» bemüht habe – «oft mit fadenscheinigen Begründungen».

Am Samstag kommt es im Zürcher Volkshaus nach einer Crowdfunding-Aktion dennoch zur Uraufführung des Stücks. Es basiert auf Voltaires Verstragödie «Der Fanatismus oder Mohammed» (1741). Der Aufklärer wandte sich darin gegen jeglichen religiösen Fanatismus und stellte den Propheten Mohammed als Demagogen dar, der sich von weltlichen Gelüsten leiten lässt.


Weil die Mittel knapp waren, ist die Ausstattung simpel.

«Kein Islam-Bashing»

Togni ist sich bewusst, mit Mohammed ein heisses Eisen anzufassen: Vor einigen Jahren hatten dänische Mohammed-Karikaturen in der islamischen Welt gewaltsame Proteste hervorgerufen. «Das Ganze ist nicht frei von Risiken, weil man nie weiss, wie Extremisten reagieren», sagt Togni. Er habe explizit «mutige» Schauspieler gesucht, hoffe aber, dass Anfeindungen ausbleiben. «Das Stück betreibt kein Islam-Bashing, sondern kritisiert exemplarisch, wie religiöser Fundamentalismus den Menschen einengt.» Es müsse im Jahr 2017 möglich sein, ein solches Thema auf die Bühne zu bringen.

Angeregt haben die Aufführung Freidenker. Marko Kovic vom Verein Skeptiker Schweiz bereitet es Sorge, dass kaum ein Raum für weitere Aufführungen gefunden wurde. «In der heutigen politischen Realität haben wir die Situation, dass vor allem linksliberale Kreise praktisch jede Kritik am Islam als rassistisch erachten.» Gleichzeitig versuchten religiöse Extremisten, Kritik an Religionen zu unterbinden.

«Wir haben also eine unheillige Allianz zwischen religiösen Extremisten und der linksliberalen kulturellen Elite. Das ist eine Gefahr für die freie Meinungsäusserung», so Kovic. Beispielsweise sei es falsch, dass AfD-Philosoph Marc Jongen im März nach Protesten nicht im Theaterhaus Gessnerallee habe auftreten können.

«Veranstaltung von fanatischen Kampfatheisten»

Gelassen auf die Aufführung reagiert der radikale Islamische Zentralrat der Schweiz. «Wütende Reaktionen sind wenig wahrscheinlich, weil Muslime ihre Zeit besser zu nutzen und ihr Geld besser auszugeben wissen als auf Veranstaltungen von fanatischen Kampfatheisten», sagt Sprecher Qaasim Illi.

Ob das Stück die religiösen Gefühle der Muslime verletze, hänge davon ab, wie der Prophet im konkreten Setting dargestellt werde. «Wird es lediglich im privaten Rahmen unter bezahlenden Besuchern aufgeführt, wird es schwer möglich sein, religiöse Gefühle zu verletzen.»

In den 90er-Jahren hatte die Aufführung des Stücks in Genf schon im Vorfeld für Polemik gesorgt: Nach heftigen Protesten aus dem Umfeld von Islamwissenschaftlers Tariq Ramadan strich die Stadt die Subventionen für die Aufführung.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fabio am 04.11.2017 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem??

    Das Problem ist aktuell. Also warum nicht?! Über Jesus darf man ja auch Witze reissen,oder hinterfragen. ohne das man gleich mit Gewalt rechnen muss.Also warum nicht über Mohammed?

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  • Danny am 04.11.2017 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Life of.....

    The Life of Brian war möglich, bereits vor fast 40 Jahren und unter grossen Gezeter der Kirche. Es gab Diskussionen, ob man sowas dürfe. Gewalt gab es keine, obwohl sehr kontrovers diskutiert wurde und die Macher (Monty Python), angefeindet und mit Klagen bedroht wurden. Aber, es brannten keine Fahnen, niemand schrie Christus ist gross und schwenkte dabei einen Knüppel. Es gab keine Polizeiaufgebote. Es wurde geredet. Hoffe, das wird auch hier und jetzt so sein.

  • Meet am 04.11.2017 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor wem mehr Angst?

    Sehr mutig, weiter so. Die Aufklärung gegenüber dieser Religion muss unbedingt weitergehen um späteren Rassismus ihrer Anhänger zu verhindern. Wenn der Islam sich dank Angst der Bevölkerung und Hilfe der linken in seiner immer wir armen diskriminierten weiter so rasant ausbreitet habe ich davor mehr Angst als vor jedem Theaterstück.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kadi am 06.11.2017 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    Provokant

    Also wenn man weiss, dass Muslime agressiv darauf reagieren, warum muss man das dann machen? Das ist nicht mutig, sondern provokant. Wenn es dann zu Unruhen, Schlägereien oder gar Anschlägen kommt, dann wird gefragt, warum denn was ist der Grund? Lasst doch diese Spielechen, wann lernen die Menschen was miteinander statt gegeneinander bedeutet?

  • Claude am 04.11.2017 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Geheime Umfrage?

    Ist das hier eine geheime Umfrage? Mich dünkt hier wird ausgelotet, ob das Stück aufgeführt werden soll oder nicht. Da bin ich dagegen. Ich bin für Meinungsfreiheit. Jedoch sollte nicht noch Öl ins Feuer geschüttet werden. Denkende Menschen wissen, wann es sinn macht und wann nicht. Wir provozieren doch schon genug mit unserem Sein (Wohlstand) und den kleinen Freiheiten, die wir haben. Reicht das nicht aus?

  • Andy am 04.11.2017 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Problem im Grunde

    Es ist unerhöhrt , das Menschen dies als Aufruf oder zumindest rechtfertigung für Gewalt sehen . Für mich zeigt das bloss , wie intolerant gewisse Menschen sind . Das Theaterstück muss sich niemand antun der nicht will.Hiermit spreche ich vorallem linke Kreise an , welche Wasser predigen und Wein trinken. Sie spielen die Weltverbesserer , aber im Grunde geht es ihnen doch bloss um anerkennung. Ansonsten hätten sie keine Angst vor dem "heissen Eisen."

  • Rolf Sulliger am 04.11.2017 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... nicht weiss ...

    "... weil man nicht weiss, wie Extremisten reagieren?!" Also, ich weiss es.

  • Luzifer am 04.11.2017 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Macht doch was euch gefällt

    Man kann unter dem Vorwand der künstlerischen- und Meinungsfreiheit alles und jeden verspotten (ich bin NICHT Charlie) muss dann aber auch mit Konsequenzen rechnen!

    • Max am 04.11.2017 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Luzifer

      Das ist genau das Problem. Viele vergessen oder wissen es nicht, dass Meinungsfreiheit seine Grenzen hat! Sie hört dort auf wo ich jemand verunglimpfe , verletze oder schlechtrede! Mit Kunst hat daa alles nichts zu tun!

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