Krankenkassen-Schock

28. September 2017 13:09; Akt: 28.09.2017 14:20 Print

Prämien für Kinder steigen überdurchschnittlich

Die Krankenkassenprämien steigen 2018 um durchschnittlich 4,0 Prozent. Besonders hart trifft es Kinder und Jugendliche sowie Versicherte aus der Romandie.

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Die Krankenkassenprämien für Erwachsene steigen 2018 um durchschnittlich 4,0 Prozent. Noch stärker ist der Anstieg bei den Prämien für Kinder und junge Erwachsene. Besonders hart trifft die Prämienerhöhung nächstes Jahr die Bewohner von vier Westschweizer Kantonen.

Die durchschnittliche Erhöhung von 4,0 Prozent gilt für die Standardprämie, das heisst für die obligatorische Krankenpflegeversicherung einer erwachsenen Person mit 300 Franken Franchise und Unfalldeckung. Der Prämienanstieg betrug im Durchschnitt der letzten zehn Jahre 3,7 Prozent, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Donnerstag mitteilte.

Seit der Einführung des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) im Jahr 1996 musste durchschnittlich jedes Jahr ein Anstieg 4,6 Prozent in Kauf genommen werden. Für das laufende Jahr verteuerten sich die Prämien um 4,5 Prozent. Bei den Prämien 2015 und 2016 hatte der Anstieg wie für nächstes Jahr 4,0 Prozent betragen.

Prämien für Kinder steigen überdurchschnittlich

Mit 5,0 Prozent steigen die Prämien für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren überdurchschnittlich. Schon letztes Jahr waren die Kinderprämien stärker angehoben worden, als jene der Erwachsenen.

Die stärkere Erhöhung der Kinderprämien ist eine Folge davon, dass die Prämien in den letzten Jahren die Kosten nicht mehr zu decken vermochten. Junge Erwachsene im Alter zwischen 19 und 25 Jahren müssen 2018 mit einer durchschnittlich um 4,4 Prozent höheren Prämie rechnen.

Vier Romandie-Kantone stark betroffen

Die Erhöhung der Erwachsenen-Prämien variiert je nach Kanton zwischen 1,6 und 6,4 Prozent. Besonders hart trifft es die Prämienzahler in der Romandie. Die Westschweizer Kantone Waadt (6,4), Wallis (5,9), Neuenburg (5,4) und Genf (5,4) sind Spitzenreiter, was die Erhöhung betrifft.

Am geringsten ist der durchschnittliche Prämienanstieg in den Kantonen Schwyz (1,6), Uri (1,8), Appenzell Innerrhoden, Glarus und Nidwalden (je 1,9).

Reserven auffüllen

Die Standardprämie steigt gemäss BAG-Angaben etwas stärker als der erwartete Kostenanstieg für das kommende Jahr. Dies hat zwei Gründe. Bei einigen Versicherern waren die Reserven unter das vorgeschriebene Minimum gesunken. Mit einem Teil der diesjährigen Prämienerhöhung werden die Reserven wieder aufgebaut.

Bei anderen Versicherern besteht ein Aufholbedarf bei den Prämien, damit diese wieder kostendeckend sind. Die Auswirkungen dieser beiden Effekte auf die Prämien sind je nach Krankenversicherer und Kanton unterschiedlich und betragen durchschnittlich rund ein Prozent.

Massnahmen gegen Kostenentwicklung

Die Kosten im Gesundheitswesen nehmen aufgrund der demographischen Entwicklung, des medizinisch-technischen Fortschritts sowie des Mengenwachstums zu. Das zuständige Eidgenössische Departement des Innern (EDI) habe Massnahmen eingeleitet, um den Anstieg der Gesundheitskosten um mehrere hundert Millionen Franken pro Jahr zu reduzieren, teilte das BAG weiter mit.

Eine dieser Massnahmen betrifft die vom Bundesrat per 1. Januar 2018 beschlossene Anpassung des Ärztetarifs Tarmed, die Einsparungen von 470 Millionen Franken bringen soll. Die Versicherer haben diese Tarifanpassungen bei der Berechnung der Prämien 2018 berücksichtigt.

Damit die Sparmassnahmen nicht mit einer Mengenausweitung kompensiert werden, will das BAG die Wirkung der Anpassungen gemeinsam mit den Leistungserbringern und den Krankenversicherern in einem Monitoring beobachten.

Umsetzung laut Kommission nicht möglich

Die für die Umsetzung von Versicherern gebildete Medizinaltarif-Kommission (MTK) zweifelt allerdings daran, dass die neue Tarifstruktur auf Anfang 2018 in Kraft gesetzt werden kann. Der Bund habe konsequent alle Leistungspositionen aus der Tarifstruktur gestrichen, die andere Versicherungszweige als das KVG betreffen.

Deshalb müsse die MTK die nun fehlenden Leistungspositionen mit den Leistungserbringer-Verbänden neu und umfassend regeln. Diese Verhandlungen und die technische Umsetzung dauern gemäss MTK voraussichtlich bis Ende März 2018. Tritt diese Situation ein, fiele ein Teil des Sparpotenzials weg. Damit würden auch die festgelegten Krankenkassenprämien nicht mehr kostendeckend.

Bundesrat lässt weitere Sparmassnahmen abklären

Im Auftrag des EDI analysierte eine Expertengruppe mit internationaler Beteiligung, welche Instrumente zur Steuerung des Mengenwachstums in anderen europäischen Ländern eingesetzt werden. Das EDI wird dem Bundesrat die Vorschläge der Expertengruppe bis Ende Jahr vorlegen. Gestützt auf diese Vorschläge wird der Bundesrat über weitere Massnahmen zur Kosteneindämmung befinden.

Rund 80 Prozent der Kosten in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung fallen in vier Bereichen Behandlungen bei Ärztinnen und Ärzten mit eigener Praxis, Behandlungen im stationären Bereich, Behandlungen im spital-ambulanten Bereich und kassenpflichtige Arzneimittel an.

(kfi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maercu am 28.09.2017 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Langsam ist dann doch genug

    jetzt ist es dann mal gut. Bald gehen wir nur noch zur Arbeit damit man die Steuern und KK zahlen kann. Ich gehe vielleicht alle 2 Jahre zum Arzt wenn ich etwas schlimmers habe. Nehmt den Leuten das Geld wo wägen jedem Husten und kleinigkeiten zum Arzt gehen. Frächheit sowas....

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  • Schweizer Flüchtling am 28.09.2017 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    Flüchten mit dem Schweizerpass

    Bravo Herr Berset, Müssen wir Schweizer flüchten? Warum wollen Sie uns aus dem Land vertreiben?

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  • Daniel S. am 28.09.2017 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    so eine schwache Performance!Klar, das kann natürlich nicht so kommuniziert werden. Die Prämien steigen unterdurchschnittlich Stark!So wird das dann an den Bürger verkauft, es ist unglaublich.Es tut mir leid, aber das ist so peinlich und unglaubwürdig. Sagen sie es doch uns einfach Herr Berset, der Druck der Krankenkassen/Lobbyisten ist so gross, dass sie diesem nicht standhalten können.Das wäre mal ein Analyse/Grundlage auf die man aufbauen könnte.Ich wünsche ihnen eine schönen Tag, ich hoffe sie können sich heute Abend im Spiegel anschauen und haben ein guten Gefühl.Gute Nacht Krankenkasse

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Barbara W. am 01.10.2017 21:14 Report Diesen Beitrag melden

    Teure Therapien und Operationen

    Innert einem Jahr bekam ich vom Hausarzt und Spezialisten insgesamt drei teure Anwendungen (u.a. eine Psychopharma-Therapie) und eine kleine Operation verschrieben, die ich allesamt nicht nötig fand und deshalb nicht in Anspruch nahm. Ich bin heute durch eigene Aktivitäten - mehr raus in die Natur, gesund essen und Freunde - wieder richtig gesund. Und von psychischen Problemen keine Spur mehr. Aber die Ärzte wollen verdienen und das können sie nur bei Patienten mit teuren Anwendungen.

  • Tom am 01.10.2017 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle jammern!

    Gehen aber jährlich mehrmals in die Ferien, kaufen ihren Kindern Handys, Tablets und Computers, haben selber solche um damit ihr Jammern in die Welt zu schreiben, finanzieren ihren Kindern Zahnspangen und, und, und... jammern auf höchstem Niveau!

  • Realist am 29.09.2017 21:28 Report Diesen Beitrag melden

    ÄRZTE + PHARMA + KK VERDIENEN ZU VIEL

    Das Gesund- + Kranken - Wesen ist nicht mehr zahlbar - und nur KK-Prämienzahlen und keinen Arzt-/Zahnarzt sich leisten können kann nicht Sinn machen. Die Gesundheits-Löhne müssen von A-Z herunter gestuft werden, ansonsten müssen Entlassungen das Rezept sein, so wie bei nicht rendierenen Firmen.

  • Verfasser am 29.09.2017 13:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Entweder zahlen wir Steuern oder KK Beiträge

    Zieht alle aber wirklich alle 50% der KK Prämien und Kosten direkt bei den Steuern ab. Mal sehen was unsere oberschlauen Politiker und Vollzugsbeamte dazu sagen.

  • Ein Stein am 29.09.2017 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einkommensabhängige Prämien!

    Warum hat dies früher besser geklappt? Was hat sich verändert? Kann es sein, dass immer mehr Menschen Bezüger sind und vorher nie was einbezahlt haben? Dass diejenigen, welche einzahlen immer für mehr Einzahlen, welche sich in das System Schweiz "retten"? Dass diese Rechnung zu Lasten der hart arbeitenden Bevölkerungsschicht geht scheint klar. Bevor nicht eine "Einkommensabhängige Krankenkassenlösung" gemacht wird (ähnlich wie bei der AHV) wird dieses Problem nie gelöst. Denn "die da oben" wollen "den da unten" die gesamten Lasten ihrer Fehlentscheidungen aufbürden...

    • roger am 29.09.2017 20:39 Report Diesen Beitrag melden

      @Einstein

      Du hast das Prinzip einer Versicherung nicht verstanden. Die Prämie versichert Dich gegen das Eintreten eines Ereignisses für eine definierte Dauer. Ob Du vorher etwas einbezahlt hast oder nicht, ist völlig irrelevant.

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