Bluttransfusion im Notfall

06. Juli 2017 16:16; Akt: 06.07.2017 16:16 Print

Spital verweigert OP – Zeuge Jehovas klagt

Ein Berner Spital hat einen Zeugen Jehovas nicht operiert, weil er eine Bluttransfusion in einem Notfall abgelehnt hatte. Nun muss das Bundesgericht entscheiden.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein Mitglied der Zeugen Jehovas zieht ein Berner Spital vors Bundesgericht. Es hatte sich geweigert, an ihm eine Bandscheiben-Operation durchzuführen. Das Spital verlangte vom Mann eine Erlaubnis, im Notfall eine Bluttransfusion durchführen zu dürfen. Weil die Zeugen Jehovas die Massnahme aus religiösen Gründen ablehnen, unterschrieb der Patient diese Erklärung nicht. Das Spital lehnte die Operation daraufhin ab.

Danach zeigte der Mann das Spital an. Er warf den Medizinern unter anderem versuchte Nötigung, Widerhandlung gegen das Spitalversorgungsgesetz und Rassendiskriminierung vor. Die Berner Staatsanwaltschaft sah das anders – und bekam vom Berner Obergericht recht. Dieses entschied, dass die Staatsanwaltschaft die Anzeige des Zeugen Jehovas nicht weiter verfolgen müsse. Insbesondere den Vorwurf der Diskriminierung verneinten die Richter.

«Unverständliches Urteil»

Nun müssen sich die obersten Richter mit dem Fall beschäftigen. Wie die «Berner Zeitung» heute berichtet, hat Haykaz Zoryan, der Anwalt des Betroffenen, Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts eingereicht. Es sei unverständlich, sagte er der Zeitung.

Im vorliegenden Fall gebe es das Dilemma, auf das sich das Spital beziehe, gar nicht. Denn der Routineoperation, die ohne Transfusionen auskommt, habe sein Klient zugestimmt. Die Möglichkeit einer Transfusion im Notfall habe nicht einmal in Erwägung gezogen werden müssen, sagte der Zeuge Jehovas vor dem Berner Obergericht. Schliesslich gehe es um einen kleinen, routinemässigen Eingriff.

Das Obergericht hingegen urteilte, ein solches Risiko sei nicht einfach vernachlässigbar. Auch dürfe unter Umständen auch die Spitalleitung eine Behandlung verweigern. Das sei nicht nur Sache des ausführenden Arztes. Eine Operation sei immer auch eine Mannschaftsleistung.

(ehs)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tobias am 06.07.2017 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    richtig so

    richtiger entscheid des spitals und des gerichts. würde doch etwas passieren wärend der op dürten die ärzte garnicht anders als ihn zu retten und dann wäre das geschrei bestimmt riesig und es würde geklagt werden.

  • Peter Vogel am 06.07.2017 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Richtiger Entscheid

    Da gibt es nichts zu diskutieren. Wenn er sich nicht helfen lassen will ist er selber Schuld.

    einklappen einklappen
  • Heiri am 06.07.2017 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut so.

    Jede OP beinhaltet gewisse, unvorsehbare Risiken.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Venus vom Mittelland am 06.07.2017 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist ein Gstürm

    Ich finde dieses Gstürm wirft ein schlechtes Licht auf diese Religionsgemeinschaft. Als OP-Arzt, würde keinen Finger rühren, bei so komplizierten und sturen Patienten. Es geht doch nur darum: Will ich gesund werden, oder nicht. Wenn ich die Konsequenzen der Religionsgemeinschaft fürchte, dann muss ich halt die eine oder andere Therapie nicht in Betracht ziehen. Basta. Wir gewöhnlich Sterblichen habe kein Verständnis für sowas

  • Gonzo am 06.07.2017 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht richtig

    Es sollte jedem selbst überlassen sein, was mit seinem Körper geschieht. Wenn es sein Gewissen nicht zulässt und er Blut erhält, so käme das in meinen Augen einer Vergewaltigung gleich. Wenn der Patient es nicht wünscht und er passiert etwas, so ist der Arzt Frei zu sprechen. Für irgendwas gibt es schliesslich Willenserklärungen

  • Phil Weiler am 06.07.2017 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig und doch Falsch

    Richtige und doch Falsche Entscheidung vom Gericht. Das Spital hätte in der Einwilligungserklärung die Bluttransfusion ausschliessen sollen mit dem Hinweis das der Patient im Notfall auf dem Op Tisch verblutet und Stirbt aufgrund der weigerung zu Bluttransfusion. Dies ist der Wille des Patienten. Man stelle sich vor, jemand verzichtet per Patientenverfügung auf lebenserhaltene Massnahmen und der Artzt hängt dich trotzdem an die "rettenden" Maschinen und darfst danach 20 jahre lang mit körperlichen schweren schäden weiterleben. Nach diesem Urteil nach ist der Wille des Patient nicht wichtig ! Der Artzt muss dich retten egal was der Patient will und egal in welchem zustand du weiterlebst oder vor dich hin Vegetierst.

  • irina am 06.07.2017 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötige Disskusion

    Die OP ist lange vorher geplant kein Notfall! Da gibt es verschiedene Gespräche unteranderem auch die Blutfrage. wenn der Arzt oder das Spital nicht OP möchte , dann haben ZJ ein Spitalkomitee das weiter sucht bis es je,anden findet der so OP. Die Ärzte oder das Spital wird durch eine Patienten verfügung entlastet! Die Diskussion ist so unnötig. Informiert euch doch zuerst bevor ihr solche Kommentare schreibt.

  • Stefan am 06.07.2017 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem?

    Drei Möglichkeiten: 1. Der Patient akzeptiert die Bedingung. 2. Er akzeptiert sie nicht und verzichtet im Ernstfall auf Klage aufgrund Folgeschäden. 3. Er akzeptiert keines von beidem und verzichtet auf die Operation. Danke, Adie, merci.