Verbot gefordert

20. März 2017 20:58; Akt: 20.03.2017 20:58 Print

«Ein Waffen-Roboter kennt kein Erbarmen»

von D. Pomper - Für den Einsatz von Militär-Robotern existiert kein internationaler Gesetzesrahmen. GLP-Nationalrat Beat Flach will das ändern.

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Stellen Sie sich einen Roboter vor, der die Landesgrenze überwacht und dank seinen Hochleistungskameras und Sensoren bewegliche Ziele in bis zu vier Kilometer Entfernung aufspüren kann. Der Roboter kann Stimmen und Passwörter erkennen und Menschen von Tieren unterscheiden. Er ruft «Hände hoch», wenn eine Person die Demarkationslinie überschreitet. Ergibt sich der Verdächtige nicht, dann kann der Robocop sein Daewoo-K3-Maschinengewehr oder seinen Granatwerfer einsetzen.

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Sollen autonome Militär-Roboter verboten werden?
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Dieser Roboter existiert nicht im Film «Terminator». Er ist seit 2013 rund um die Uhr im Einsatz und überwacht die innerkoreanische Grenze. Der SGR-A1 des südkoreanischen Konzerns Samsung besitzt einen Automatikmodus. Noch aber erteilen Menschen in einer Kommandozentrale den Schiessbefehl, wie «Le Monde diplomatique» berichtet.

«Keine Abfindung für Roboter-Witwe»

«Die Entwicklungen im Bereich der Robotik, Sensorik und der künstlichen Intelligenz gehen rasant voran», sagt GLP-Nationalrat Beat Flach. Deshalb fordert der Aargauer in einem Vorstoss den Bundesrat dazu auf, sich dafür einzusetzen, dass autonom handelnde Roboter-Waffen in einem Zusatzprotokoll der Genfer Konventionen verboten werden. Roboter-Waffen sollten laut Flach wie Tretminen oder Giftgas geächtete Waffen sein. Auch Human Rights Watch und andere NGOs haben eine weltweite Kampagne zum Verbot von Killer-Robotern gestartet.

Experten sprechen bereits von einer «dritten Revolution in der Kriegsführung» – nach der Erfindung des Schiesspulvers und der Entwicklung von Atomwaffen. «Ohne Kontrollmechanismen könnte dieser technologische Fortschritt bald zur Entwicklung tödlicher autonomer Waffensysteme führen», schreibt Edouard Pflimlin vom Institut für internationale Beziehungen Iris in Paris.

Bereits seien erste Systeme in Erprobung, die als autonome Waffensysteme auf den Kriegsschauplätzen dieser Welt im Einsatz stehen könnten, sagt Flach. Tatsächlich arbeiten chinesische Staatsunternehmen an der Entwicklung teilautonomer Roboter. In Israel produzieren Privatunternehmen diverse Militärroboter für den Einsatz am Boden. Es handle sich um ein Milliardengeschäft, denn die Roboterwaffen seien attraktiv: «Der Staat muss der Roboter-Witwe keine Abfindung bezahlen und der Bevölkerung nicht erklären, warum wieder Tausende Roboter-Soldaten im Krieg ihr Leben verloren haben», so der Jurist.

«Ein autonomer Roboter, der Kinder erschiesst»

Aber: Ein Roboter könne nicht wegen Verletzung des Völkerrechts angeklagt werden. Auch existiert für den Einsatz von Militär-Robotern noch kein internationaler Gesetzesrahmen. «Am meisten Sorgen bereitet mir, dass ein autonomer Roboter durch Aleppo fährt und auf Menschen schiesst – ohne zu wissen, ob die Person von ihrer Waffe überhaupt Gebrauch machen würde oder ob es sich gar um ein Kind handelt. Ein Roboter kennt kein Erbarmen. Er wird weder Mitleid empfinden noch in der Lage sein, ein milderes Mittel als den programmierten Einsatz seiner Waffen anzuwenden.» Doch bei der vorsätzlichen Verletzung oder Tötung eines Menschen müsse im Kriegsvölkerrecht immer ein Mensch die Entscheidung treffen und damit die Verantwortung übernehmen.

«Nicht länger Soldatenleben aufs Spiel setzen»

CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann dagegen will von einem Verbot von Roboter-Waffen nichts wissen. «Wir dürfen die positiven Aspekte der autonomen Waffensysteme nicht vergessen», sagt sie. Dank Roboter-Waffen müsste man nicht mehr Menschen an die vorderste Front schicken und nicht länger ihr Leben aufs Spiel setzen.

Befürworter von Militär-Robotern betonen, dass diese die «Drecksarbeit» erledigen, die sogenannten Missions 3 D («dull»,«dirty», «dangerous»). So können Roboter das Räumen von Minen und andere Aufgaben in radioaktiv oder chemisch verseuchtem Gelände übernehmen, aber auch monotone Patrouillen und Wachdienste oder körperlich anstrengende Arbeiten wie den Transport schwerer Lasten, wie «Le Monde diplomatique» schreibt.

Auch Schweizer Firmen betroffen?

Laut Nationalrat Flach könnten von einem Militär-Roboter-Verbot auch Schweizer Firmen betroffen sein: «Wir haben in der Schweiz verschiedene Firmen, die in der Sensorik und Zieloptik tätig sind und somit mögliche Zulieferer wären.» Auch die Ruag könnte betroffen sein, auch wenn sie in der Robotik nicht zuvorderst mit dabei sei. Mit wirtschaftlichen Einschränkungen sei aber nicht zu rechnen: «Diese Firmen haben in der zivilen Welt genügend Abnehmer.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Backfisch am 20.03.2017 21:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll mit der Erde geschehen?

    Traurig, dass es so etwas gibt :/

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  • Kevin am 20.03.2017 21:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schämt euch, in Bern

    Macht zuerst mal die wichtigen Sachen fertig, z.B. AHV, KK und Arbeitslosigkeit, es wird Jahrzehnte diskutiert und es kommt NICHTS raus, einfach ein Trauerspiel was die Politiker in Bern sich leisten. Dachte die Schweiz hat genug Geld für die Schweiz, dem ist aber scheinbar nicht so. Von wegen reiche Schweiz, einfach armselig was da geboten wird. Es wird nur noch Angst verbreitet, schade.

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  • Reptil am 20.03.2017 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das Ende steht bevor

    die Befürworter, glaubt ihr echt dass solche Roboter nur in "gute" Hände kommen!? Ich wusste schon immer dass wir uns eines Tages selbst eliminieren werden...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • R2D2 am 21.03.2017 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Mini-Roboter gefährlicher

    Vielleicht müssen wir uns vor den Terminator-Kampfrobotern weniger fürchten als vor zukünftigen Mikro-Robotern und Mini-Drohnen in der Grösse von Ratten, denn auf die kann man nicht mal schiessen.

  • C3PO am 21.03.2017 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Menschenleben riskieren: JA

    Das Gute an einem Verbot von Kampfrobotern wäre ja genau, dass man weiterhin Soldatenleben aufs Spiel setzen müsste, wenn man Krieg haben will. Wenn es nur noch Roboter gibt, werden einige Staaten keine Skrupel mehr haben, Kriege zu führen, denn sie riskieren ja keine Soldatenleben. Und wenn beide Krieg führenden Parteien nur noch Roboter in die Schlacht schicken, wird es ein Gemetzel ohne Ende geben, denn es wird ja auch keine Gesetze geben, wie gross diese Kampfroboter sein dürfen. Darum werden die grösser und grösser werden und unglaubliche Schäden an Land und Natur anrichten.

  • Querdenker am 21.03.2017 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    total krank...

    Für mich ist dies ein Horrorszenario, dass bereits zur Realität wird!! Roboter im Krieg einzusetzen, bedeutet automatisch, dass der Krieg verharmlost wird im Heimatland...es gibt kaum gefallene Soldaten und somit wird die Hemmschwelle für das Starten eines Krieges nochmals gesenkt! Und anyway, ich finde, wenn jemand einen Krieg will, dann sollte diese Partei auch bereit sein ihr Leben für die Sache zu riskieren!! Nur wer dazu bereit ist, sollte einen Krieg starten dürfen...

  • Tribal-Cat am 21.03.2017 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Tier....

    Kein Tier käme auf die Idee, eine Maschine zu erfinden, welche ihre eigenen Artgenossen tötet... Das kann nur der Mensch...

  • asdf am 21.03.2017 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Gar nicht so schlecht...

    Krieg mit Roboter hat vielleicht auch gute Seiten... Ein Roboter kennt keine Wut, keine Vergewaltigung, keine Gräueltaten...