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Energy Challenge

01. Oktober 2018 00:00; Akt: 09.10.2018 10:30 Print

Auch die saubere Schweiz ist mit Plastik verschmutzt

Sponsored - Die Aktivistin Gabriele Kull bringt die Stop-Plastic-Pollution-Bewegung in die Schweiz.

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Mit dem Pick-up-Stick sammelt die Präsidentin von STOPPP herumliegendes Plastik ein. (Bild: Stevan Bukvic)

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Gabriele Kull ärgert sich selten, aber wenn es um Röhrli aus Plastik geht, kennt sie kein Pardon: «Sie sind unnötig. Man braucht sie wenige Minuten und wirft sie dann weg. Ihre Rückstände belasten die Umwelt jedoch bis zu 200 Jahren.»
Kull sitzt im Café Auer am Zürcher Sihlquai, vor ihr ein iPhone und ein Laptop. Die Präsidentin des Vereins STOPPP (Stop Plastic Pollution Switzerland) scheint parat für den grossen Auftritt. Die 47-Jährige kennt die chemische Zusammensetzung aller gängigen Plastiksorten auswendig, und ihre Kleider – ein helles Jackett, eine Jeans und schicke, bestickte Cowboyboots – sind makellos. Dass sie aus dem Secondhandladen stammen, merkt man nicht.

Aushängeschild der STOPPP-Bewegung

Sie kaufe seit zwei Jahren keine neuen Kleider, erklärt Kull. Fürs Foto zieht sie dann einen weissen Hoodie mit dem STOPPP-Logo an, nimmt den Pick-up-Stick zur Hand und begibt sich ans Limmatufer, um Plastik einzusammeln. Kull weiss: Sie ist das Aushängeschild ihrer Bewegung, sie muss selber hinstehen. Der Verein STOPPP hat sich zum Ziel gesetzt, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu mildern.

Das plastikfreie Leben zieht Kull voll durch. Pro Woche hinterlasse sie höchstens ein halbes Säcklein Abfall. Sie hat ihre eigene Wohnung aufgegeben und lebt vorübergehend bei ihrem Freund, um den ökologischen Fussabdruck noch mehr zu minimieren. Es gehe ihr um Information und Erfahrungsaustausch und nicht um Erziehung, betont Kull. «Es ist nämlich überhaupt nicht so, dass die Schweiz kein Plastikproblem hat.»

Sattelüberzüge aus PVC: Zurück an den Absender

So sammelte sie kürzlich massenhaft Sattelüberzüge ein, die ein Umweltverband verteilt hatte. Diese lagen nachher überall herum. schickte sie an die Organisation zurück – mit einem freundlichen Brief: «An diesem Beispiel sieht man, wie viel es noch braucht. Einer Umweltschutzorganisation fehlte offenbar das Bewusstsein dafür, dass sie mit Sattelüberzügen aus PVC nur billige Ressourcen verschwendet.»

Plastikberge im Inselparadies

Gabriele Kull wurde als Kind in Brasilien mit Umweltthemen konfrontiert. «Wir hatten ein Haus an einem Strand. Der Strand wurde immer bekannter, und immer mehr Leute brachten immer mehr Müll dorthin», erinnert sie sich. Nach der Matura an der Schweizer Schule in São Paulo zog sie in die Schweiz, wollte «rasch studieren» und zurückkehren. Doch sie lernte ihren späteren Mann kennen und gründete eine Familie. Mit 23 und 25 bekam sie ihre Töchter, arbeitete als freie Journalistin. Nachdem sie ihr Studium in Germanistik und Anglistik abgeschlossen hatte, landete sie beim Fernsehen und beim Online-Kultursender art-tv.ch. 2008 gründete sie ihre Filmproduktionsfirma.

Auf den Kokos-Inseln, dem vermeintlichen Paradies im Indischen Ozean, Hunderte Kilometer von den Küsten Australiens und Indonesiens entfernt, drehte Kull 2014 eine Doku über Plastikverschmutzung. «Die Mengen, die dort jeden Tag angeschwemmt werden, sind unvorstellbar», sagt sie. Der Entscheid, ihre Arbeit ganz dem Kampf gegen den Plastik zu widmen, war gefallen. Und Kull merkte bald, dass auch die vermeintlich so saubere Schweiz ein Problem mit Plastikabfall hat – vor allem in Gewässern. Das dokumentiert heute der Swiss Litter Report, den Kull mit STOPPP initiiert hat.

Die Schweiz traut sich zu wenig

In ein paar Wochen reist Kull in ihre alte Heimat Brasilien, wo sie ein Camp organisiert, in dem Menschen lernen, mit wenig Müll und kleinem ökologischem Fussabdruck auszukommen. Finanzieren kann sie sich über Stiftungen und Sponsoren. Natürlich gebe es, wie in jedem Job, frustrierende Momente, sagt Kull. Dass zum Beispiel das Plastiksäckliverbot in der Schweiz nicht umgesetzt wurde, findet sie typisch.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • seppu am 01.10.2018 06:26 Report Diesen Beitrag melden

    Umweltsünder

    Auch sonst ist die Schweiz zur Müllhalde geworden. Wenn ich so den Abfall am Strassenrand sehe. Frage mich ob die leute zu Hause ihren Müll auch einfach in der Wohnung auf den Boden Werfen. Ich gehe mal davon aus.

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  • Pasqualina Blanc am 01.10.2018 06:56 Report Diesen Beitrag melden

    mit Plastikröhrliverzicht fängt es an

    @Frau Kull meint es ernst und lebt vor, wie es gehen müsste. Hut ab vor ihrem Engagement. Durch Verzicht von unnützer Ware und gut überlegtem Einkauf, leiste ich so gut wie möglich meinen Beitrag in unserer Familie. Durch Vorbildfunktion kann man viel erreichen.

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  • Ver Brenner am 01.10.2018 06:49 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz

    Nicht Plastik ist das Problem sondern dessen Entsorgung. Im Gegensatz zu Brasilien landen in der Schweiz Plastiksbfälle nicht auf der Müllhalde sondern in der Verbrennungsanlage, wo sie Heizenergie liefern

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Julia am 07.10.2018 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Veggie Bag

    Bitte kauft alle ein Veggie Bag im Migros, um unnötige Plastiksäckli für Früchte und Gemüse zu vermeiden.!!

  • Vonahma am 06.10.2018 19:43 Report Diesen Beitrag melden

    Industrie

    Das sagt es doch der Industrie.

  • Bergamasco am 05.10.2018 20:49 Report Diesen Beitrag melden

    Fragezeichen

    Auch die saubere Schweiz ist verschmutzt. Was heisst das denn nun? Ist die Schweiz nun sauber oder ist sie verschmutzt?

  • Don Logan am 05.10.2018 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Müll

    Jede Pet-Flasche braucht zig tausend Jahren bis sie sich abgebaut hat. Also sollte jeder der eine Flasche einfach liegen lässt oder gar auf den Boden wirft, viel härter bestraft werden.

  • Lääser am 05.10.2018 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    Praktisch

    Wenn man vorübergehend beim Freund wohnt, muss man weniger oder keine Miete zahlen und kommt mit noch weniger geregelter Erwerbsarbeit durch. Im Alter zahlen dann die fleissigen dummen Vollzeitarbeitnehmer die Erhänzungsleistungen. Fair finde ich das nicht.