Segen oder Strafe?

14. November 2017 05:48; Akt: 14.11.2017 11:21 Print

SVP-Politiker will Chip-Pflicht für Velos einführen

Ein SVP-Stadtrat will die Stadt Bern mit Chips velosicher machen: Sie sollen Ampeln für Velos auf grün schalten – und Rotlichtsünder entlarven.

Deshalb will Beuchat die Chip-Pflicht für Velos. (Video: AHA)
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Die Stadt Bern soll in einem Pilotversuch Berner Velos mit RFID-Chips ausstatten. Die Motion, welche in Kürze eingereicht werden soll, fordert den Stadtrat zu «einem Beitrag zu mehr Sicherheit beim Velofahren» auf. Initiant Henri-Charles Beuchat (SVP) fordert, dass der Stadtrat ein Konzept für einen Pilotversuch mit obligatorische RFID-Chips für jedes neue gekaufte Velo in der Stadt Bern ausarbeitet.

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Rotlichtsünder erwischen

Mit der RFID-Pflicht für Fahrräder könnte man gleich mehrere Probleme aufs Mal lösen, ist der SVP-Politiker überzeugt: «Damit kann man Velo-Littering bekämpfen, Rotlichtsünder verfolgen und die Velofahrer müssen nicht mehr lange an roten Ampeln warten.»

Schneller grünes Licht für Velofahrer? Wie das funktionieren soll, erklärt Beuchat: «Vor den Ampeln werden am Strassenrand in Steuerungskästen RFID-Lesegeräte installiert, die das Velo im Vorbeirollen registrieren. So wird eine rechtzeitige Grünschaltung eingeleitet, bevor das Velo die Kreuzung erreicht hat.» Ein weiterer Nutzen: «Falls ein Velo bei Rot über die Kreuzung fährt, wird das Velo mit seiner ID als Rotlichtsünder registriert», so Beuchat weiter.

Velos können als geklaut identifiziert werden

Mit diesem Chipping werden die Velos identifizierbar, da, wie auf dem GA, das die selbe Technologie verwendet, Name und Adresse des Besitzers gespeichert werden. Somit kann auch der Diebstahl von Velos erschwert werden. «Das ist aber nicht das Hauptziel meiner Motion. Ich will, dass das Velo fahren in der Stadt sicherer wird», sagt Beuchat. Exakte Positionsbestimmung in Echtzeit wie bei GPS ist mit RFID nicht möglich.

Anstatt Millionen von Franken in eine neue Velobrücke oder Velo-Verleihsysteme zu stecken, brauche es eine neue Technologie, ist Beuchat überzeugt. Diese sei auch nicht so teuer: «So ein Chip kostet ein paar wenige Franken, und im Rahmen eines Pilotprojekts werden diese sicher auch gratis abgegeben.»

Nicht umsetzbar

Bei Pro Velo Bern steht man dem SVP-Vorstoss sehr kritisch gegenüber. Michael Sutter, Präsident des Vereins, sagt gegenüber 20 Minuten, dass die Forderung, alle in der Stadt Bern verkauften Fahrräder mit Überwachungssoftware auszustatten, nicht umsetzbar sei. «Eine solche Regelung müsste, wenn überhaupt, auf nationaler Ebene eingeführt werden. Sonst kaufen die Berner und Bernerinnen ihre Velos zukünftig halt in Köniz oder Ostermundigen.»

Aus seiner Sicht gehe es bei der Motion nicht um Sicherheit, sondern um einseitige Repression gegen Velofahrer. «Das Sicherheitsargument ist nur vorgeschoben. Das eigentliche Ziel der RFID-Chips ist eine flächendeckende Überwachung der Velofahrenden», ist Sutter überzeugt. «Ich rechne dem Vorstoss auch keine Chancen im Stadtrat ein», so Sutter, der selbst für die SP im Stadtrat sitzt.

(aha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D. Müller am 14.11.2017 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Pro Velo

    Vielleicht ist es in der Zwischenzeit nötig die Velofahrer zu überwachen da sie das Gefühl haben die Könige der Strasse zu sein.

  • Claude am 14.11.2017 06:58 Report Diesen Beitrag melden

    Velonummer

    Es gehört, wie bei den schnellen E-Bikes, einfach eine gut lesbare Nummer an das Velo. Es wird mittlerweile sehr viel für die Radfahrer getan (was ja auch gut ist), somit wäre es da doch angebracht, wenn diese auch einen finanziellen Anteil zur Strassennutzung beitragen.

  • J.M.F am 14.11.2017 06:17 Report Diesen Beitrag melden

    Verdutzt

    Wiso sollten Velofahrer einen CHIP haben das die Ampel auf Grün stellt!?!? Für die Rotlichtsünder finde ich dies eine super Lösung aber doch nicht um die Ampel für die Velofahrer auf Grün zu stellen!? Man könnte für die Velofahrer eine Nummernschildpflicht einführen dann bräuchte man keine Teure kosten um ein Solchen CHIP zu entwickeln.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • wasp am 14.11.2017 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Velofahren sicher machen

    Da gibt es einfache Rezepte: Breitere Velostreifen und gründliche Schneeräumung im Winter. Und zwar so, dass Schnee und Eis nicht auf die Radwege geschoben werden.

  • olev am 14.11.2017 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    keine Privilegien mehr für Velo-Chaoten

    und endlich auch Nummernschilder, Fahrzeugabgaben und regelmässige Fahrzeugkontrollen für diese unsicheren Fahrzeuge einführen, und einen Velo-Führerausweis! Ebenso kostenpflichtige Veloparkplätze. Damit kann dem Chaos und der Gefährdung entlich Einhalt geboten werden

  • LeoLU am 14.11.2017 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viele, viele Fragen...

    Ein RFID-Chip kostet nicht, was aber kostet sind Receiver und vor Allem die Sofware und Systemanpassung. Wollt ihr effektiv die Ganze Fahrbreite als lesebereich umbauen? Und die Velo ohne ID, Beschlagnahmung? Dann es wird eh nicht funktionieren. Immer grün? und wer soll rot bekommen? na klar auf die andere Seite kommen nur Autos, die man einfach stoppen kann. Schon gedacht, dass eine anhaltete Auto Energie verbraucht, das Velo aber nicht? Also ökologisch ist es auch nicht. Es wäre also Sinnvoller einen Grünkonzept für Auto zu entwickeln. Wenn es um Diebstahl geht, das RFID kann man auch entfernen oder zerstören, ganz einfach. Das ganze ist also utopisch, keine funktionierende Idee.

  • D. H. am 14.11.2017 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja, 'Sicherheit'

    Solche Ideen werde immer als sicherheitsfördernde Massnahmem dargestellt, schlussendlich dienen sie der Überwachung.

  • mgo am 14.11.2017 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klappt leider nicht

    ... und was wenn ich mit dem Velo laufend auf dem Trottoir an einer Ampel vorbei LAUFE?