Bankauszüge, Passkopien

12. Oktober 2018 05:51; Akt: 12.10.2018 11:23 Print

Heikle Kundendaten offen auf dem Trottoir entsorgt

Bei einem Versicherungsberater in Bern landeten hochsensible Daten im Altpapier auf dem Trottoir. Einige der heiklen Schriftstücke wurden sogar vom Wind weggeweht.

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F.M.* aus einem Emmentaler Dorf leidet unter Bluthochdruck, sein Pass ist noch bis April 2019 gültig und seine Handynummer endet mit der Ziffer 5: Dies geht aus hochsensiblen persönlichen Daten hervor, die am Mittwoch für jedermann einsehbar am Boden lagen. «Ich dachte ich traute meinen Augen nicht», sagt eine Leser-Reporterin, welche 20 Minuten auf die Situation aufmerksam machte.

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Ein Augenschein vor Ort zeigte: Ein Berg voller Formulare und Arbeitspapiere wartete am Strassenrand auf dem Stadtgebiet Berns darauf, entsorgt zu werden. Der Wind wehte vereinzelt gar Blätter auf das Trottoir.

Vorwürfe zurückgewiesen

Immer wieder taucht das Logo eines namhaften Versicherungsberatungs-Unternehmens auf. Wurden hier heikle Dokumente unsachgemäss entsorgt?

Das betroffene Unternehmen nimmt lediglich schriftlich Stellung: «Der von Ihnen angesprochene Vorfall ist uns nicht bekannt und den Vorwurf, der doch schwer wiegt, bestreiten wir und weisen diesen zurück», heisst es in der Mail an 20 Minuten. Dennoch bittet der Dienstleister ihm allfällige Beweismittel zu senden und will die Angelegenheit abklären.

Sollte es sich um ein Fehlverhalten handeln, sei dies eine Ausnahme. Einen ähnlichen Fall habe es nie gegeben, versichert der Absender: «Wir haben ein betriebsinternes System, welches sicherstellt, dass vertrauchliche Daten nicht abhanden kommen oder sonst wie an die Öffentlichkeit geraten.»

Und trotzdem lagen die Daten am Mittwoch offen auf der Strasse. «Das ist ein hochgradig unprofessioneller Umgang mit solchen Papieren», sagt Anwalt Tobias Herren.

Das Unternehmen habe damit gegen das Datenschutzgesetz verstossen und die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen verletzt. «Wenn Betroffene Anzeige erstatten, drohen dem Unternehmen eine Verurteilung und Bussen», so Herren. In jedem Fall sei dies eine Verletzung der Kundenverträge durch das Unternehmen.

Kommen strengere Gesetzte?

Seitens des eidgenössischen Datenschutzbeauftragten muss der fehlbare Versicherungsberater keine Konsequenzen befürchten. «Auf Einzelfälle gehen wir nicht ein», heisst es bei der Behörde. Ohnehin sind die gesetzlichen Bestimmungen in Sachen Datenschutz weder besonders streng noch aktuell.

Dies könnte sich jedoch bald ändern: Das eidgenössische Datenschutzgesetz befindet sich derzeit in Revision. Denkbar ist, dass es dem Niveau der strengeren Datenschutzgrundverordnung der EU angepasst wird. Demnach müsste der Versicherungsberater sämtliche Kunden über den Vorfall informieren.

Nach heutigen Stand sind Unternehmen in der Schweiz nicht einmal verpflichtet, solche Vorfälle dem eidgenössischen Datenschutzbeauftragten zu melden. Das Geschäft ist derzeit im Parlament hängig.

Anmerkung der Redaktion: Die in der Bildstrecke gezeigten Fotos lassen keinen Rückschluss auf den Versicherungsberater zu.

* Name der Redaktion bekannt.

(cho)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sam Müller am 12.10.2018 07:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schreibt den Namen

    Bei Banken wird immer geschrieben um welche Bank es sich handelt, weshalb bei diesem Bericht nicht? Wäre schön zu erfahren!

    einklappen einklappen
  • Mary am 12.10.2018 07:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopien

    Möchte gerne wissen ( namentlich) was dasfür eine firma ist, damit ich meine konsequenten ziehen kann.habe ich als klient keine rechte. Ich möcht auch geschützt werden.

    einklappen einklappen
  • norm alo am 12.10.2018 07:26 Report Diesen Beitrag melden

    Lizenz entziehen

    Dem Verursacher sollte die Lizenz entzogen werden.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Trigs am 12.10.2018 15:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufhören

    Aufhören mit diesem Datenschutz-Hype. Getraue mich fast nicht mehr, jemanden mit Namen anzusprechen

  • KK am 12.10.2018 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmm...

    Ich sehe Helsana, Groupe Mutuel und Sympany auf den Papieren...

  • Naira am 12.10.2018 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Das muss wohl eine Broker Agentur oder ähnliches sein, man sieht die Namen Verschiedener Versicherungen auf den Papieren (Helsana, Sympany, Group Mutuel)

  • cannizzaro am 12.10.2018 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Cumulus und Supercard Punkte

    Hört doch auf hysterisch tun. Sobald etwas gratis gibt, gebt ihr die Daten selber raus. Das Verhalten der Firma war natürlich nicht korrekt, aber wir selber tun genau dasselbe.

  • Peter am 12.10.2018 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abfall Schnüffler

    Persönliche Daten können auch im Kehricht von Nachteil sein.