Jedem sein Hanf-Gärtli

13. November 2017 05:52; Akt: 13.11.2017 11:28 Print

Berner Bauer vermietet jetzt CBD-Parzellen

von Simon Ulrich - Landwirt Daniel Berger (48) vermietet Kleinparzellen mit legalem Cannabis. Das kostet pro Gramm viermal weniger als im Hanfgeschäft. CBD-Händler sehens dennoch gelassen.

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Ende Oktober lud Landwirt Daniel Berger (48) per Zeitungsinserat auf seine 2000 Quadratmeter umfassende CBD-Plantage in Uebeschi ein. Im Angebot: Legaler Hanf zum selber Schneiden. Trotz CBD-Boom blieb der Ansturm damals aus. «Der Aufruf war wohl vielen zu kurzfristig», vermutet Berger.

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Weit grössere Hoffnungen setzt der umtriebige Bauer in sein nächstes Projekt: Ab dem kommenden Jahr vermietet er Kleinparzellen mit CBD-haltigen Hanfstauden an Privatpersonen – Indoor, im Treibhaus und auf dem Feld. «Wer selber legales Cannabis anbauen möchte, zuhause aber nicht die Möglichkeit dazu hat, verfügt so dennoch über sein eigenes CBD-Gärtli», erklärt Berger. Der Landwirt besorgt die Stecklinge und kümmert sich um die Pflege der Pflanzen. Auf Wunsch und für einen Aufpreis übernimmt er auch Ernte und Verarbeitung. «Die Idee wäre aber schon, dass die Kunden die Blüten selber ernten», betont er.

Grammpreis zwischen 2.70 und 4 Franken

Für Berger hat die Parzellen-Miete vor allem zwei Vorteile gegenüber dem Kauf von CBD-Fertigprodukten. Zum einen hätten die Kunden einen echten Bezug zu ihrer Pflanze und könnten deren Entwicklung über Monate verfolgen. «Sie wissen, woher ihr Hanf kommt und was sie am Schluss konsumieren», sagt Berger.

Zum anderen seien die Preise weit unter jenen der Hanfläden und Online-Shops. Für einen Quadratmeter Indoor-Fläche verlangt Berger 800 Franken pro Jahr, bei einem Blütenertrag von 200 bis 300 Gramm pro Ernte. Auf das Gramm heruntergerechnet sind das zwischen 2.70 und 4 Franken. Zum Vergleich: Im Shop bezahlt man für getrocknete CBD-Blüten aus Indoor-Anbau zwischen 10 und 15 Franken pro Gramm – fast viermal mehr.

Keine Konkurrenz, sondern Bereicherung

Die tiefen Preise seien einerseits auf die Direktvermarktung respektive die fehlenden Zwischenhändler zurückzuführen, erklärt Berger. «Zudem entfällt die Tabaksteuer, weil ich ja keinen Rohstoff verkaufe, sondern Parzellen vermiete.»

Trotz Dumping-Preisen sehen CBD-Händler in Bergers Konzept keine Gefahr für ihre Shops. «Im Gegenteil: Wir sehen dies als Bereicherung des Marktes, um die grosse Nachfrage nach CBD-Hanf in der Schweiz abdecken zu können», meint etwa Daniele Schibano, Geschäftsführer der Swiss Cannabis SA, die schweizweit mehr als 20 Hanftheken betreibt. Jan Zelisko von cbd.ch verweist zudem auf die unterschiedliche Klientel: «Wer bei uns einkauft will ein fertiges Produkt konsumieren und hat keine Zeit zum selber Gärtnern.»

CBD-Bauern müssen Hanf vor Dieben schützen

Immer mehr Landwirte interessieren sich für den Anbau von THC-armem Cannabis. Das ist auch dem Berner Bauernverband nicht entgangen. «Wir erhalten regelmässig Anfragen, zum Beispiel im Hinblick auf die Rechtssituation», sagt Geschäftsführer Andreas Wyss. Oftmals etwa seien sich die Bauern nicht sicher, ob eine Hanfsorte zugelassen ist oder nicht. Da es keine offizielle Schweizer Liste mit legalen Hanfsorten gebe, müsse man sich an der EU-Sortenliste orientieren.

Wyss weist zudem auf die Sicherheitsproblematik hin. «Es gab bereits mehrere Fälle, bei denen Cannabis-Pflanzen nachts entwendet wurden.» Die Bauern seien daher gut beraten, ihre Hanfstauden zu schützen.

Hohe Margen, einfacher Anbau

Abgesehen davon sei der CBD-Anbau für Landwirte aber ein lukratives Geschäft. «Aufgrund der hohen Margen lässt sich deutlich mehr verdienen als mit herkömmlichen Produkten», sagt Wyss. Zudem sei Hanf an sich einfach anzubauen und insbesondere im Freiland-Anbau sehr pflegeleicht. Wyss: «Hanf ist sehr ertragsreich und daher braucht es keine grossen Flächen, um die Nachfrage zu befriedigen.»


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mia Miau am 13.11.2017 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlauer Bauer

    Wenn das legal ist warum auch nicht. Tolle idee! Wenn du als Bauer überleben willst musst du neue Ideen haben. Ich wünsche ihm volle Auftragsliesten und keinen Ärger mit der Polizei!

  • Thomas am 13.11.2017 06:08 Report Diesen Beitrag melden

    Legalize it

    CBD Hanf ist kein Hanf. Das ist Genmanipulation. Ein Auswuchs dieser verkappten Prohibition. Warum muss man immer alles zerstören, was die Natur bereits abgeschlossen hat. Diese Scheinheiligkeit geht mir je länger je mehr an die Konsitenz...

  • Gärtner am 13.11.2017 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soooo schöööön

    Schönes Bild erinnern mich an meine Teenie-Zeit, wo ich auch mein "Hanfgärtli" hatte ;-))

Die neusten Leser-Kommentare

  • Doitbetter am 13.11.2017 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    Cooldown

    Ganz ehrlich wo ist das Problem für jede Privatperson bis zu 3 Personen zu legalisieren. Der Schwarz Mark schwindet, und man hat keine gestreckten Stoff mehr, was ja auch ein Minuspunkt des "strassenkauf's" ist.

  • Lord of Weed am 13.11.2017 07:23 Report Diesen Beitrag melden

    Gut getarnt....

    Und irgendwo zwischendrin wächst dann das gute Gras?

  • Knecht am 13.11.2017 07:21 Report Diesen Beitrag melden

    ich sage schon immer

    legalisiert Cannabis und viele Bauern sind wieder richtig im Geschäft.

  • hempner am 13.11.2017 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    cbd

    hoffen wir nur das die Bauern gelernt haben,aus dem milch preis.. aber ich denke nicht.. vorallem ist das vorwigend Hand arbeit deshalb glaube ich nicht das die bauern damit anfangen werden ;) und von der Qualität fangen wir erst garnicht an sprechen. last es besser gleich gut sein liebe bauern

  • Alumdria841 am 13.11.2017 07:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dieses Gras wird überbewertet

    Die Preise für CBD Gras sind eh völlig übertrieben. Für das dass dieses Gras nicht immer so viel CBD hat wie es verspricht, und weniger als 1% THC hat, ist es nicht viel wert. Für das Geld hole ich doppelt wenn nicht sogar dreimal soviel vom richtigen Gras. Typisch Schweiz wo alles Fantasie Preise haben muss.