Jugendanwaltschaft Biel

01. November 2017 15:02; Akt: 01.11.2017 15:10 Print

Für Ferien und Kleider 650'000 Fr veruntreut

Die Rechnungsführerin der Jugendanwaltschaft in Biel veruntreute an ihrem Arbeitsplatz weit über einer halbe Million Franken. Nun wurde sie zu einer bedingten Haftstrafe verurteilt.

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Das Wirtschaftsgericht in Bern (Bild: Keystone/Yoshiko Kusano)

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Eine ehemalige Rechnungsführerin der kantonalen Jugendanwaltschaft in Biel, welche rund 650'000 Franken veruntreut hat, muss nicht ins Gefängnis. Das Wirtschaftsstrafgericht des Kantons Bern hat sie am Mittwoch zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt.

Die Frau begann 2010, Geld aus der Kasse des Bieler Jugendgerichts und der Jugendanwaltschaft in Biel zu nehmen. Später ging sie dazu über, von der Vorgesetzten oder deren Stellvertreterin unter Angabe von falschen Begründungen Unterschriften für die Einlösung von Postchecks zu erschleichen.

Am Schluss fälschte die Angeklagte die nötigen Zweitunterschriften einfach, wie Staatsanwältin Simone Steffen am Mittwoch sagte. Das Geld verwendete die Ex-Rechnungsführerin für Luxusartikel, Kleider und Ferien.

Mildes Strafmass

Die ehemalige Rechnungsführerin erhielt eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Das Gericht ordnete eine Probezeit von zwei Jahren an, wie Einzelrichterin Michèle Dupuis am Mittwochmorgen im Berner Amtshaus bekannt gab. Verurteilt wurde die etwas über 40-jährige Frau wegen mehrfacher qualifizierter Veruntreuung und mehrfacher Urkundenfälschung.

Dupuis sagte in ihrer Urteilsbegründung, das vereinbarte Strafmass liege im untersten Bereich des Möglichen. Es sei aber nicht so tief, dass das Wirtschaftsstrafgericht die Genehmigung verweigern müsste.

Einfach zu bestehlen

Steffen sagte vor Gericht, die Frau sei in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen. Auch als Erwachsene sei sie von einer Krise zur anderen geschlittert. Die vielen Dinge habe sie gekauft, um sich von ihren privaten Problemen abzulenken.

Wegen der psychischen Probleme der Frau, eines umfassenden Geständnisses und wegen Reue und Einsicht könne man der Frau den bedingten Strafvollzug gewähren, sagte die Staatsanwältin weiter. Zu berücksichtigen sei auch, dass die Frau «erschreckend wenig» habe tun müssen, um delinquieren zu können. Es hätten nie spontane Kassenkontrollen stattgefunden, nur angekündigte. Die Vorgesetzte habe keine Kontoauszüge angeschaut und es sei kein Checkbuch geführt worden


Abgekürztes Verfahren

Nach nur rund zweieinhalb Stunden fällte das Gericht sein Urteil: Die Frau muss nicht ins Gefängnis. Denn die Angeklagte war vollumfänglich geständig und es kam zum sogenannten abgekürzten Verfahren.

Verteidiger Hans Keller wies darauf hin, dass sich der Kanton Bern vom Verfahren zurückzog, nachdem die Ex-Justizangestellte und der Kanton Bern eine Vereinbarung abgeschlossen hatten. Diese sieht vor, dass die Frau nun das ganze Leben lang dem Kanton Bern Gelder zurückzahlt – sofern das überhaupt möglich ist.

(miw / sda)