Mühselige Namensänderung

06. November 2017 05:48; Akt: 06.11.2017 16:52 Print

Transgender sind verärgert über Uni Bern

Die Uni anerkennt Namensänderungen von Transmenschen nur zögerlich. «Das ist demütigend. Mein alter Name geht niemanden etwas an», klagt ein Betroffener.

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An der Universität Bern studieren und arbeiten rund 85 Transmenschen. (Bild: Keystone/Manuel Lopez)

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An der Uni Bern studieren 85 Transgender – und einige beklagen sich darüber, dass sich die Uni-Administration schwer damit tut, Namensanpassungen von Transmenschen zu akzeptieren.Wie die «Bärner Studyzitig» schreibt, tut sich die Uni-Administration schwer damit, Namensanpassungen von Transmenschen zu akzeptieren – was zu unangenehmen Situationen für die Betroffenen führt.

So etwa im Zusammenhang mit der Lernplattform Ilias. «Bei jeder einzelnen Veranstaltung müssen die Dozierenden darüber informiert werden, dass mein alter Name auf der Teilnehmerliste in Ilias erscheint, ich aber trans bin und anders heisse», erzählt Transmensch Sascha* der Studi-Zeitung.

Demütigungen und psychischer Stress

Manchmal lande der alte Name trotzdem auf der Anwesenheitsliste, weil diese häufig direkt von Ilias übernommen werde. «Das ist demütigend. Mein alter Name geht niemanden etwas an und ist irrelevant für meine Kommilitonen», sagt Sascha.

Auch die Uni-Mailadresse mit dem alten Vornamen sei ein grosses Problem. «Sie erscheint in Gruppenmails an ganze Kurse, womit ihn alle Kommilitonen sehen können», so der Transgender. Die Mailadresse sei praktisch unbenutzbar, um Mails zu versenden. «Ist es trotzdem nötig, ist das mit psychischem Stress verbunden.»

Warum ist eine einfache Änderung des Namens auf der Legi für Trans-Studierende an der Uni Bern nicht möglich? Dies erklärt erklärt Alecs Recher, Jurist und Gründer von Transgender Network Switzerland: «Die Uni Bern setzt die amtliche Namensänderung als zwingend voraus für die Anpassung der Dokumente.»

Trans-Studis in Zürich und Luzern habens leichter

Welche Voraussetzungen für die amtliche Namensänderung und die Geschlechtseintrags-Anpassung erfüllt sein müssen, ist kantonal geregelt. «Sie können von einer Hormoneinnahme bis zu einer ärztlichen Bestätigung, dass man trans ist, reichen», sagt Recher. Von der Gesuchstellung bis zum Entscheid vergehen mehrere Monate, die Änderung kostet rund 300 Franken.

Da haben es Transgender an den Universitäten in Zürich und Luzern vergleichsweise einfach. In Luzern etwa kann der neue Name auch ohne amtliche Namensänderung auf den Uni-Dokumenten übernommen werden – und das schon seit fünf Jahren.

Staat darf Transidentität nicht offenlegen

So müsste es auch in Bern sein, findet die StudentInnenschaft der Uni Bern (SUB). Gemeinsam mit anderen Interessengruppen fordert sie daher die Uni-Leitung dazu auf, Leitlinien zu erstellen, wie Transmenschen Vornamen und Personenstand ändern können. Wie die Studi-Zeitung berichtet, klärt die Uni derzeit ab, ob und welche Möglichkeiten bestehen. Wie lange es bis zum Entscheid dauere, sei nicht bekannt.

Rechtsexperte Recher wundert sich über die zögerliche Haltung: «Laut Verfassung muss der Staat Menschen in ihrer Geschlechtsidentität achten und darf die Transidentität nicht offenlegen. Die Uni als staatliche Organisation hat also die Pflicht, Transmenschen durch angepasste Dokumente zu schützen.»

*Name geändert

(sul)