2-Millionen-Kredit

20. Oktober 2017 12:12; Akt: 20.10.2017 12:12 Print

Berner Stadtrat gibt grünes Licht für Leihvelos

Das Berner Stadtparlament hat die Einführung eines öffentlichen Veloverleihsystems abgesegnet. Die ersten Velos sollen ab Mai 2018 durch die Stadt kurven.

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Mit 41 Ja zu 17 Nein bei zwei Enthaltungen hat sich der Berner Stadtrat am Donnerstag für die Einführung eines öffentlichen Veloverleihsystems ausgesprochen. Damit ist dem grössten solchen System der Schweiz mit 170 Ausleihstationen und 2400 Velos der Weg geebnet.

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«Das Veloverleihsystem ist eine Erfolgsgeschichte, die einen grossen Mehrwert für Touristen, Pendler und Stadtbewohner bringen wird», sagte Michael Sutter (SP).

Entlastung für den ÖV

Die Mitte-links-Parteien lobten die positiven Auswirkungen auf die Lebensqualität, die Entlastung des öffentlichen Verkehrs und die Flexibilität des Systems. Einen grossen Vorteil sehen sie darin, dass die Leihvelos eine kombinierte Mobilität ermöglichen – eine Fortbewegung per Velo, zu Fuss als auch mit dem ÖV.

Zudem freute sich eine Mehrheit der Stadträte darüber, dass das Projekt Arbeitsplätze schafft und die Wertschöpfung in der Schweiz bleibt.

SVP: «Schlachtschiff gegen Automobilisten»

SVP, BDP, CVP und FDP lehnten das Projekt klar ab. Die Bürgerlichen wollten das von ihnen betitelte «überdimensionierte Prestigeprojekt» und «Monsterprojekt» stark abspecken und Teile des Kredits streichen. «Das System ist ein Schlachtschiff, das auf Kosten der Steuerzahler gegen Automobilisten eingesetzt wird», sagte Alexander Feuz von der SVP.

Im gesprochenen 2-Millionen-Franken-Kredit eingerechnet sind einmalige Investitionskosten von 500'000 Franken. Diese beinhalten etwa Planungs- und Bereitstellungskosten. Der Gemeinderat rechnet zudem in den nächsten fünf Jahren mit wiederkehrenden Kosten von rund 1,4 Millionen Franken für die stadtinterne Koordination und Werbemassnahmen.

Ausserdem wird bis 2023 auf Parkgebühren von 120'000 Franken verzichtet. Fast 100 Parkplätze und rund 300 Veloabstellplätze werden zugunsten der Velostationen umgenutzt.

Ziel: Ausdehnung auf Nachbargemeinden

In einem Ausschreibungsverfahren hatte sich die Postauto-Tochter Publibike für den Aufbau und Betrieb des Veloverleihsystems durchgesetzt. Betriebskosten muss die Stadt Bern keine übernehmen. Der Gemeinderat plant, den Veloverleih im kommenden Mai zu starten. Ziel ist es, das Verleihsystem auch auf die Nachbargemeinden auszudehnen.

Die Miete eines Velos ist für registrierte Nutzer die erste halbe Stunde gratis. Ohne Abo kostet die erste halbe Stunde drei Franken, danach wird pro Minute abgerechnet. Pro Tag schlagen die Kosten pauschal mit 20 Franken zu Buche, für ein E-Bike mit 40 Franken.

Free-Floating-System als Ergänzung

Zu reden gab das sogenannte Free-Floating-System privater Anbieter – ein Konkurrenzsystem zu jenem der Stadt. Deren Velos können per App geortet, abgeholt und an einem beliebigen öffentlichen Velo-Parkplatz wieder abgestellt werden. Schon drei Anbieter aus Singapur, Shanghai und Kalifornien haben Interesse angemeldet, in Bern Fuss zu fassen.

Gemäss SVP könnten solche Anbieter das Projekt der Stadt ersetzen. Die Partei forderte, das Geschäft noch einmal zu überarbeiten. Der Antrag erhielt jedoch keine Mehrheit. «Es ist eine Illusion, zu glauben, dass private Anbieter für Steuerzahler keine Kosten verursachen», sagte Michael Sutter (SP). Auch bei einem solchen System müsse die Stadt mehr Velo-Parkplätze zur Verfügung stellen.

Klare Rahmenbedingungen für private Anbieter

Der Gemeinderat kann sich ein Free-Floating-System als Ergänzung vorstellen. «Es kann jedoch keine Alternative sein», sagte SP-Gemeinderätin Ursula Wyss. Die privaten Anbieter könnten bezüglich Verlässlichkeit, Hochwertigkeit und Dauerhaftigkeit mit dem Angebot der Stadt nicht mithalten. Zudem habe dieses System in zahlreichen Städten zu problematischen Situationen mit einer Flut an Velos geführt.

Der Gemeinderat will deshalb klare Rahmenbedingungen für die privaten Anbieter setzen. Erste Gespräche mit interessierten Anbietern haben bereits stattgefunden. Weitere Informationen für die Free-Floating-Anbieter – beispielsweise über den Bewilligungsprozess und entsprechende Auflagen – hat der Gemeinderat für November in Aussicht gestellt.

Auch der von der Stadt ausgewählte Anbieter Publibike prüft gemäss Gemeinderat zurzeit, ob und wie Kunden Velos ausserhalb der Ausleihstationen zurückgeben können.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas Fuchs am 20.10.2017 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wyss und Kosten

    Viel zu teuer. Bern kann einfach rein gar nichts zu vernünftigen Preisen umsetzen. Besonders Ursula Wyss benötigt dauernd teure Beratungsfirmen, damit sie die Schuld bei Versagen auslagern kann. Nach den 2mio kommt der Nachkredit!

  • Mike Zac am 20.10.2017 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pro Tag 20Fr.?

    macht für 20 Arbeitstage im Monat 400Fr. da ist sogar meine Parkgarage inkl. Benzin günstiger.

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  • Markus am 20.10.2017 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht Aufgabe von Regierung

    Velos anzubieten, sollte die Aufgabe von privaten Firmen sein. 2 Mio sind viel zu viel. Zudem denke ich ist keine Nachfrage vorhanden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Don Höfi am 21.10.2017 10:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grünes Licht für Leihvelos

    Die rot grünen im Berner Rathaus mit ihren Leiendarsteller haben wieder mal mehr gezeigt; Politiker kann man nicht lernen das wird man. Die Steuergeldverschleuderer zeigen einmal mehr wie ihnen das normale Volk so was von gleichgültig ist. Die Autofahrer werden gemolken und die Velofahrer sollen jetzt sicher ihre Velos zu hause lassen und die Mietvelos der Stadt benutzen. Diese halbe Million hätte man besser nutzen können, z.B mit einer obligatorischen Untersuchung für rot grün beim Psychologen. Den sowas kann keinem gesunden Politiker in den Sinn kommen.

    • roro am 21.10.2017 15:37 Report Diesen Beitrag melden

      Bei Regen und im Winter???

      Und dann die Begründung, dass der ÖV entlastet wird. Was machen denn die vielen Velofahrer bei Regen und erst recht im Winter??? Dann bricht wohl der ÖV zusammen wenn diese Kapazität nicht eingerechnet wird.

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  • Berner 3007 am 21.10.2017 09:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    rot, wyss, grün

    Wieder mal die Directrice für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün. Mir fehlen die Worte!

  • Stöff am 21.10.2017 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verschwendung im Bernerstil

    Pure Verschendung von Steuergeldern, rot-grünes Geträume, ohne Gesetzesgrundlage, Diskriminierung anderer Verkehrsteilnehmer und somit verfassungswidrig. Hopp Bärn.

    • Xeno72 am 21.10.2017 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      selber Gränni@Stöff

      Wenn Sie der Meinung sind die Stadtberner Regierung handld gesetzes- oder verfassungswidrig, dann reichen Sie Gemeindebeschwerde beim Statthalter ein statt hier herumzugrännen. Ach ja, welche Gedetzes- oder gar Verfassungsbestimmung sei denn verletzt?

    • Stöff am 21.10.2017 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Xeno72

      Danke für den Tipp. Ist aber schon lange geschehen.

    • Grosschnuri am 21.10.2017 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Stöff

      da lachen ja die Hühner. (was wohl das zugrundeliegende Problem deines Problems ist...)

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  • D.S. am 20.10.2017 22:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reithalle

    Ja vielleicht machen die bewegten Damen und Herren der Berner Reithalle für EINMAL etwas sinnvolles und fackeln diese unnützen Velos ab?

  • Aendu am 20.10.2017 21:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einmalige Investitions Kosten 500000 Franken

    Einmalige Investitionkosten von 500000 Franken 2400velos, was kostet ein Velo? 300.... 2400 mal 300 = 720000 Muss wohl anders rechen 500000/2400= 208Franken pro Velo. Und wie werden die Stationen finanziert. Das sind doch auch einmalige Kosten.........