Privatklinik Linde Biel

13. Oktober 2017 05:48; Akt: 13.10.2017 08:44 Print

Arzt erhält Parkbusse – trotz Patientin in Narkose

Gynäkologe und Geburtshelfer Janusz Boinski muss eine Busse für falsches Parkieren auf dem Trottoir zahlen, obwohl seine Patientin schon unter Narkose lag.

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Mit fünf bevorstehenden Operationen und einer Patientin in der Narkose ist man wohl ziemlich gestresst, wenn man keinen Parkplatz findet. So erging es Janusz Boinski, Gynäkologe und Geburtshelfer. Wegen Umbauarbeiten in der Klinik Linde fand er keinen Platz auf der Strasse oder in der Tiefgarage, in der er für einen Parkplatz bezahlt hat. Er parkierte deshalb auf einem Trottoir. Als er zu seinem Fahrzeug zurückkehrte, war eine Parkbusse von 40 Franken unter dem Scheibenwischer. Boinski war nicht bereit, diesen Betrag zu zahlen, und reklamierte bei der Securitas.

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Gang vor Gericht wegen Busse

Er habe nach längerem Suchen sein Fahrzeug notgedrungen auf dem breiten Trottoir stehen lassen müssen. «Für die Fussgänger blieben mindestens 2,40 Meter Abstand», beteuert Boinski in einem Brief an 20 Minuten. Dies habe er sogar noch sichergestellt, indem er den freien Platz gemessen habe. Die Verkehrsordnung der Schweiz fordere, dass für Fussgänger ein Raum von 1,5 Meter frei bleibt. Ausserdem habe eine operationsbereite und in der Narkose liegende Patientin auf ihn gewartet, schreibt der Arzt weiter.

Der Belegarzt ist bereit, mit dem Fall vor Gericht zu gehen. «Es geht mir keineswegs um diese 40 Franken Bussgeld, sondern um den gesunden Menschenverstand und um das soziale Mitdenken, das in der heutigen Gesellschaft nicht fehlen darf.»

Striktes Verbot bei Parkieren auf Trottoir

Die Gemeinde Biel, der Auftraggeber von Securitas, nimmt zu konkreten Fällen wie diesen gestützt auf die Bestimmungen der Strafprozessordnung keine Stellung. «Das Parkieren auf dem Trottoir ist verboten, auch wenn genügend Abstand für die Fussgänger vorhanden ist», sagt André Glauser, Leiter der Abteilung Öffentliche Sicherheit.

Die Busse könne nur von der Person, die sie ausgestellt hat, annulliert werden – dies geschehe aber nicht, wenn die zuständige Person «zur Überzeugung kommt, dass die Busse rechtmässig ausgestellt worden ist und keine Gründe bekannt sind, die eine Annullierung der Busse rechtfertigen», so Glauser.

Erfolglose Diskussionen

Die Securitas-Angestellte scheint ihre Meinung jedoch nicht ändern zu wollen, denn Boinski berichtete: «Jegliche Diskussionen mit ihr waren erfolglos. Für sie war das parkierte, jedoch niemand störende Auto auf dem breiten Trottoir viel wichtiger als das menschliche Leben und die Gesundheit.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Typhoeus am 13.10.2017 06:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesunder Menschenverstand

    sollte vorgehen und das Gericht in diesem Sinne entscheiden, denn sonst versagt auch das Gericht.

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  • Tonataju am 13.10.2017 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Spital soll die Busse zahlen

    Das die Securitas die Busse nicht zurück nimmt verstehe ich (rein rechtlich) und vor Gericht wird wohl auch nur die Sachlage (Parkverbot auf dem Trottoir) beurteilt werden. Ich finde die Klinik Linde sollte die Busse übernehmen wenn der Arzt keinen Parkplatz im Parkhaus gefunden hat, den er ja schließlich bezahlt hat.

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  • Realist am 13.10.2017 06:57 Report Diesen Beitrag melden

    Logisches Denken

    Leute, denkt ihr wirklich er hätte den Platz vor der Busse vermessen? Macht mehr Sinn nach Erhalt der Busse.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Graupe am 13.10.2017 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was kommt vor, Patient oder Parkplatz

    Ich hoffe das alle Personen die, die Parkbusse in Ordnung finden. Sollten Sie auch in einem Medizinischen Notfall kommen, zuerst das Auto richtig parkiert wird und dann geholfen wird. Der Mensch kommt vor dem Blechhaufen Punkt.

  • heinz am 13.10.2017 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    Es Büro ufmache

    Finde es übertrieben, dass er deswegen grad' ein Büro aufmacht. Wir waren alle schon in einer Stressituation und haben (risiko-)bewusst falsch gehandelt. Haben den Fehler aber eingesehen. Ev. hätte eine Notiz geholfen (Arzt auf Notfallbesuch), da drücken sie oft ein Auge zu.

  • Swissgirl am 13.10.2017 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Busse ist unangebracht

    Die Baustelle schafft eine andere Situation, an die auch das Parkplatzangebot angepasst werden muss. Die Busse finde ich muss zurückgezogen werden. Spital und Stadtverwaltung müssen eine Lösung finden.

    • kaytra am 13.10.2017 16:17 Report Diesen Beitrag melden

      Machen sie nie

      Leider werden in Biel strassenweise Parkplätze von Baumaschinen besetzt ohne sie zu ersetzen. Biel will ja die Autos aus der Stadt verdammen.

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  • Valnes am 13.10.2017 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    Zu spät

    Ja...wenn ich zu spät zur Arbeit komme, dann darf ich auch auf dem Trottoir parkieren, weil meine Arbeit wichtig ist? Was mir aber wirklich Sorge bereitet, ist der Umstand, dass in diesem Spital (angeblich) ein Menschenleben gefährdet sein kann, wenn ein Arzt im Stau steht. Da läuft etwas massiv falsch in der Organisation.

  • Alexander Eijsten am 13.10.2017 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Sind wirklich alle vor dem Gesetz gleich?

    Ich kenne dieses Problem, da ich selber Arzt bin. Ich hatte einst einen bedrohlichen Notfall bei einem postoperativen Patienten morgens ca. 05:30 Uhr. Ich fuhr los und kam in eine soeben erstellte menschenleere "Begegnungszone", die mir noch nicht bekannt war. Ich fuhr 35 anstatt 20 km/h und wurde von einem superfleissigen Polizist fotografiert, was zu einer Recht saftigen Busse führte. Trotz Anwalt und eidesstattlicher Bestätigung durch das Spital wurde ich nicht verschont. - Wenn aber ein gestresster Vater seine gebährende Frau mit 100 Sachen in die Klinik fährt, kann er auf Gnade hoffen!