Reisebüro pleite

15. Oktober 2017 19:50; Akt: 16.10.2017 08:56 Print

«Ich weiss nicht, ob wir die Reise je machen können»

Ein Belper Reisebüro ist pleite gegangen, was für einige der Kunden heisst, dass sowohl Geld auch als die Reise futsch sind. Zu den Geschädigten gehören Rentner und auch der Gemeindepräsi.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wenn ein Reisebüro pleite geht, können die Kunden ihre bereits beim Veranstalter bezahlten Reisen in der Regel trotzdem antreten. Die meisten Reisebüros gehören dem Schweizer Reise-Verband an, der eine Kundengeldabsicherung garantiert.

Umfrage
Wurden Sie schon einmal von einem Reiseveranstalter gelinkt?

Doch beim Konkurs des Belper Reisebüros Holiday Maker lief es anders. Der Inhaber ist nämlich verduftet, die Kunden werden ihre bereits bezahlten Reisen nicht antreten können – obwohl sie dem Reisebüro das Geld längst überwiesen hatten.

Auch Gemeindepräsident betroffen

Der Reisebüro-Chef ging offenbar mit System vor: Er verlangte, dass ihm das Geld überwiesen werde anstatt dem Reiseveranstalter – dann erhielten die Kunden zwar eine Bestätigung, nicht aber die Reiseunterlagen. Wie die «Berner Zeitung» berichtet, geschah das auch dem Belper Gemeindepräsidenten Benjamin Marti (48). Für einen hohen vierstelligen Betrag hatte er eine Reise mit seiner Frau und seiner 20-jährigen Tochter nach New York geplant. Sie wollten Ende Oktober abreisen – doch daraus wird nun nichts.

Im Reisebüro sei ihm zwar die Unordnung aufgefallen, ansonsten sei alles ganz normal gewesen. Der Gemeindepräsi kannte den Reisebüro-Inhaber zwar nicht, aber andere Kunden des Geschäfts, sagte er zur «Berner Zeitung». «Eine typische Situation bei einem örtlichen Gewerbler. Warum sollte ich Zweifel haben?»

Zuerst gebucht, dann wieder annulliert

Auch bei 20 Minuten haben sich mehrere geprellte Kunden gemeldet. M.P.* aus Toffen wollte am 22. Oktober mit der Familie nach Dubai in die Ferien fliegen. Für die Reise hat sie 8200 Franken bezahlt. «Leider wurden unsere Ferien zuerst gebucht und drei Tage später wieder annulliert», berichtet sie. Sie hat keine Reiseunterlagen erhalten und keinen Kontakt mehr zum Pleitier. Wenn sie die Reise nicht noch ein zweites Mal bezahlt, wird die Familie sie nicht antreten können.

Ähnlich erging es einem Rentnerpaar aus Belp. D. Z.* (65) berichtet, er habe Anfang November für 3200 Franken eine Reise nach El Gouna in Ägypten gebucht. «Wir haben eine Reisesendung über den Ort gesehen und uns gesagt, da wollen wir unbedingt einmal hin. Wir sparten über ein Jahr lang für diese eine Woche Ferien, doch ich weiss nicht, ob wir die Reise je machen werden.»

Enttäuschung sei «sehr sehr gross»

Auch bei ihm ging der Reisebüro-Chef genau gleich vor. Nach der Buchung im Reisebüro erhielt D.Z. eine Bestätigung mit der Bitte, das Geld so schnell wie möglich aufs Konto des Reisebüros zu überweisen, weil es die letzten Plätze seien. Tatsächlich gebucht beim Reiseveranstalter wurden die Ferien nie, nur reserviert. «Wenn wir noch fahren möchten, müssten wir das Geld nochmals bezahlen – aber soviel haben wir jetzt nicht mehr. Wir müssen wohl nochmals ein bis zwei Jahre sparen, bis wir es uns wieder leisten könnten.» Die Enttäuschung sei «sehr, sehr gross». «Wir werden dieses und nächstes Jahr keine Ferien machen können.»

D.Z. hat bei der Polizei Anzeige erstattet, genauso wie weitere Kunden auch. Irgendwie, so hoffe er, «bekommen wir das Geld vielleicht ja doch noch zurück».

* Namen der Redaktion bekannt

Die Redaktion weist darauf hin, dass der Fall von Holiday Maker in Belp nicht mit dem Zürcher Reiseveranstalter Holiday Maker Tours zusammenhängt.

(ct)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Timi am 15.10.2017 20:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterschied zu Nachbarländer

    Der Täter wird verpixelt und geschützt. Gibts nur in der Schweiz. Ein Wunder, dass der Name des Reisebüros erwähnt wird.

    einklappen einklappen
  • Cavi33 am 15.10.2017 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reisebüro, na ja

    Ein solches Reisebüro für teure Reisen zu benutzen grenzt an Dummheit zumal aus früheren Zeiten diese Masche ja bekannt ist. Dieser Typ kommt bei unseren Gesetzen ja wieder ungeschoren davon und macht in ein zwei Jahren an einem anderen Ort weiter. Konkurs am Vormittag und neue Firma am Nachmittag.

    einklappen einklappen
  • valentin moser am 15.10.2017 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    skandal

    skandal... 1 woche el gouna für 3200 chf? ich war im frühling für 700 chf eine woche da....

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Reisefüdli am 16.10.2017 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Erst mal Garantiefonds checken!

    Es scheint immer noch nicht wirklich hinlänglich bekannt zu sein, dass man online nachsehen kann, ob ein Reisebüro dem Garantiefonds angehört oder nicht. Ohne diese Rückversicherung würde ich einen Anbieter gar nicht erst berücksichtigen!

  • Barbara W. am 16.10.2017 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Vernunft planen

    ... und wie wärs mit einer Reisekosten-Annullations-Versicherung? So blauäugig verteilt man doch nicht sein Geld!

  • AndyZüri am 16.10.2017 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selber Schuld!

    sorry jeder sollte es wissen, wer keine Reisegarantie besitzt, bei dem trägt man selber das Risiko... sogar damals zu Teletext Zeiten, wurden Anbieter ohne Reisegarantie gekennzeichnet. Man muss selber nur 3 Reisegarantien in der Schweiz überprüfen, ob bei einer dieser 3 sein Reisebüro des Vertrauens registriert ist. Schweizer Reisegarantie, TPA oder Star. Wenn man direkt im Internet unbekannterweise irgendwo im Ausland bucht, hat man keine Sicherheit. Wenn man Glück hat, und das Geld durch die Crédit Card zurück bekommt, hat man aber immernoch keine Unterkunft (passiert laufend bei Buchungen in Hochsaison oder Festtage). Daher beste Sicherheit, hat man bei einem Reisebüro welches in einer der 3 Schweizer Kundengeld Absicherung Mitglied ist. Wer wo anders bucht ist selber schuld und soll dann nicht rumjammern.

  • Toni Siedler am 16.10.2017 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Ferien

    Der Einzige, der jetzt Ferien macht, ist der Reisebüroinhaber

  • Zäziwiler am 16.10.2017 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Zwielichtige Gestalt

    Dieser Zwilichtigi Ruedi ist in unserem ganzen Dorf "bekannt" legt ihm endlich das Handwerk!!