Kontroverse Ausstellung

10. Oktober 2018 12:45; Akt: 10.10.2018 15:51 Print

«Besucher berührten die Genitalien der Leichen»

von Raphael Casablanca - «Bodies Exhibition – echte Körper» stellt in Bern bis zum 14. Oktober plastinierte Leichen aus. Trotz hoher Besucherzahlen kommt die Ausstellung beim Publikum nicht gut an.

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Negative Kommentare auf Facebook, enttäuschte Besucher nach der Ausstellung und Aktivisten, die sich vor dem alten Tramdepot versammeln: Die Ausstellung «Bodies Exhibition – echte Körper» mit echten Leichen sorgt in Bern für Aufregung.

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Auf der Facebook-Seite des holländischen Ausstellers häufen sich Kommentare von enttäuschten Besuchern. Einige klagen über überteuerte Eintrittspreise, andere über falsch angeschriebene Objekte. Wiederum andere kritisieren, dass die Herkunft der Körper nicht klar kommuniziert werde.

Lieblos hingestellte, verstaubte Leichenteile

Laut Experten könnte es sich bei den in Bern ausgestellten plastinierten Leichen um hingerichtete Chinesen handeln, die ohne ihr Einverständnis ausgestellt würden, wie 20 Minuten bereits berichtete.

So fordern Besucher vom Veranstalter Klarheit: «Ich erwarte von einem Veranstalter einer solch kontroversen Ausstellung eine professionelle Stellungnahme, welche sich den Bedenken annimmt und diese bestenfalls mit Fakten und Beweisen aus dem Weg räumt», schreibt eine Facebook-Userin, die vorhatte, die Ausstellung zu besuchen.

Viele beklagen sich auch über die Aufbereitung der Leichen: «Die Objekte scheinen lieblos hingestellt», schreibt eine Besucherin auf Facebook. Diverse Objekte seien defekt, andere wiederum falsch oder nur auf Englisch angeschrieben: «Bei manchen liegt einfach nur ein A4-Papier mit einigen Infos lieblos am Boden», so ein Besucher der Ausstellung.

Fotos mit den Toten

Viele Besucher können es nicht verstehen, dass die Körper nicht in Glasvitrinen oder abgesperrt ausgestellt würden: «Man kann sie einfach anfassen. Es ist auch keine Aufsicht vor Ort. Ich habe Leute gesehen, die Selfies mit den Leichen gemacht haben», erzählt ein Leser-Reporter. Andere berichten, wie Besucher die Exponate angefasst hätten: «Besucher berührten sogar die Genitalien der Leichen. Ich finde, das geht schon fast in Richtung Leichenschändung», sagt ein Besucher zu 20 Minuten.

Handelt es sich um hingerichtete Chinesen?

Vor der Ausstellung standen am Montag zwei Aktivistinnen, die Besucher auf die mögliche Herkunft der plastinierten Leichen aufmerksam machten. Beide sind Anhänger der Falun Gong, einer Bewegung, die seit 1999 von der chinesischen Regierung verfolgt wird.

Die Aktivistinnen befürchten, dass es sich bei den ausgestellten Leichen um getötete Falun-Gong-Anhänger handeln könnte, deren Organe von China weiterverkauft wurden.

Laut Wikipedia wurden in China bis 2017 mindestens 3700 Falun-Gong-Anhänger getötet. Lokale Beobachter berichteten sogar, dass Ermittlungen zufolge über 100'000 Praktizierende getötet wurden, um Chinas Organtransplantations-Industrie zu versorgen.

Organisator schweigt

Am 4. Oktober schrieb der Aussteller auf Facebook, dass diverse Vorwürfe in Zeitungsberichten aus der Luft gegriffen seien und der Veranstalter bereits einen Gerichtsprozess in Holland dazu gewonnen habe. Zudem versprach er auf Facebook ein Communiqué zu den Vorwürfen, welches jedoch bis heute nicht publiziert wurde.

Die Ausstellung «Bodies Exhibition – echte Körper» kommt vielen Bernern bekannt vor. Jedoch wird die Ausstellung oft mit der weltbekannten «Körperwelten»-Ausstellung verwechselt, die seit 1995 an vielen Orten der Welt zu bestaunen war.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R.Carlos am 10.10.2018 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Wen überraschts?

    Selfies mit Leichen.. das wiederspiegelt die heutige Gesellschaft mehr als passend

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  • Dr. am 10.10.2018 13:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach lösbar

    Leute, ganz einfach. Geht einfach nicht zu dieser Ausstellung hin. Dann wird sich das Problem von alleine lösen.

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  • teddy1993 am 10.10.2018 13:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwürdig

    Sieht wie ein billiger Abklatsch der Körperwelten aus. Erspart euch das Leute.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Thinker am 11.10.2018 03:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einfach nicht hingehen

    ich verstehe nicht, warum so viele hingehen und sich nachher beklagen über zu hohe Eintrittspreise z.B

  • V. Guggisberg am 10.10.2018 19:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte: Parlamentariern an den

    Pi...el fassen? Wie...? Achso, das war gar nicht im Parlament, sondern eine Ausstellung im Alten Tramdepot - ja, dann...

  • TV Abstinenzler am 10.10.2018 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mich erstaunt nichts mehr

    Lässt mal den TV am Abend über 4h laufen und zapt mal durch. Da wird viel Werbung für Mord und Totschlag gemacht.. es werden Leute massenweise hingerichtet, gemodet, gelüncht, erschossen, erstochen und keiner motzt! Verrohung pur! Braucht dann einer mal echte Hilfe, rennen 99,999999 davon!

    • Vielseher: am 10.10.2018 19:06 Report Diesen Beitrag melden

      Verrate dir ein Geheimnis:

      Das sind alles Schauspielerinnen und Schauspieler. Das Ganze ist nur gespielt, niemand kam wirklich zu Schaden. Falls Leichen zu sehen sind, das sind nur alles Puppen aus Plastik.

    • Undertaker am 11.10.2018 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Vielseher:

      Puppen aus Plastik. ja klar. Schon mal davon gehört das Schauspieler auch Leichen Spielen wenn es das Skrippt verlangt!

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  • Häsch Täg am 10.10.2018 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Tja, passt doch iwie

    zur heutigen Instagram-Youtube-Selfie-Community. Logan Paul hat's vorgemacht - andere folgen.

  • Andwer am 10.10.2018 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    Verständnis Objekte

    Vielleicht sollte der Besucher vom üblichen Verständnis 'Leiche' weggehen um eine andere und neue Sicht auf den Körper als Objekt zur Bildung und Forschung anerkennen. Unethisch gewonne Objekte ist klar ein no go. In modernen Gesellschaften ist der Tod und der leblose Körper teilweise noch ein tabu Thema. Solche Ausstellungen regen zum reflektieren an und geben uns ein neues Verständnis für uns und unseren Körper. Letztendlich essen wir Leichenteile von Tieren in Form von Muskulatur. Das gerade solche Themen auf sensible oder unsensible Leute trifft zeigt mir dass wir noch zu lernen haben.

    • Besucherin am 10.10.2018 21:01 Report Diesen Beitrag melden

      Bildung

      Leider kann man bei dieser Ausstellung nicht von Bildung sprechen. Durch falsche Beschriftungen der Anatomie, hat das mehr zur Verwirrung geführt als etwas anderes. Für Fachpersonal klar erkennbar, für Laien, welche sich für die Anatomie interessieren, überhaupt nicht hilfreich!

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