Reinach BL

09. Oktober 2018 18:04; Akt: 09.10.2018 18:54 Print

Velofahrer von Tram erfasst und tödlich verletzt

In Reinach ist am Dienstagmorgen ein 92-Jähriger von einem Tram erfasst und getötet worden. Er übersah das einfahrende Tram, als er mit seinem Velo abbog, um die Schienen zu queren.

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Bei der Haltestelle Lochacker in Reinach kam es am Dienstagmorgen gegen 9.15 Uhr zu einem tödlichen Unfall, bei dem ein Velofahrer starb. Die Baselbieter Polizei bestätigte entsprechende Angaben eines Leser-Reporters. Der Unfall ereignete sich bei der Station Lochacker. Der 92-Jährige bog auf seinem Fahrrad, ohne abzusteigen, nach links über den Tramübergang und übersah dabei das einfahrende Tram, das frontal mit ihm kollidierte. Das Opfer wurde unter dem Tram eingeklemmt und verstarb noch an der Unfallstelle.

Ein Leser war gerade auf dem Weg zur Arbeit, als er zum Unfallort kam. «Es kamen immer mehr Einsatzfahrzeuge von der Polizei, Feuerwehr, der BLT, auch die Staatsanwaltschaft war da, aber ich habe keine Ambulanz gesehen», erzählt der 20-Jährige. Da sei ihm klar geworden, dass der Unfall tödlich gewesen sei.

Während der Bergungsarbeiten war der Tramverkehr in beide Richtungen fast drei Stunden unterbrochen. Die Feuerwehr musste den Tramzug hydraulisch anheben, um die tote Person unter dem Tram bergen zu können. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft und die Polizei haben eine Untersuchung eingeleitet.

«Nicht jeder nimmt psychologische Hilfe an»

«Ich bin sehr traurig über das, was passiert ist, und spreche den Angehörigen des Opfers mein herzliches Beileid aus. Meine Gedanken sind bei ihnen», erklärt Andreas Büttiker, Direktor der BLT. Der Betriebschef habe ihn über den tödlichen Unfall informiert. Selber vor Ort gehen konnte er nicht, da er sich auf Geschäftsreise in China befindet. Auch denkt er an den Wagenführer und wie es ihm nun ergeht.

«Dem Wagenführer wird selbstverständlich entsprechende psychologische Hilfe von einem Spezialisten angeboten, das ist Standard», erklärt Büttiker. Allerdings nehme nicht jeder diese Hilfe an, weil jede Person individuell reagiere. Manche bekämen auch optimale Unterstützung von Familie, Freunden oder Kollegen, denen sie sich anvertrauen können. «Die erste Fahrt nach einem Unfall, die frühestens zwei Tage später stattfindet, wird dann immer in Begleitung des Fahrdienstleiters durchgeführt», so der Direktor.

Fast täglich brenzlige Situationen

«Insbesondere unaufmerksame Fussgänger» lassen Tramführern regelmässig das Herz in die Hose rutschen. «Unsere Fahrdienstmitarbeitenden berichten fast täglich von gefährlichen Situationen», sagt Sonja Körkel, Sprecherin der Basler Verkehrs-Betriebe. Durch defensives Fahren und den Einsatz von Warnsignalen könne Schlimmeres meist verhindert werden: «Zu Unfällen kommt es glücklicherweise nur selten.» Bei den BVB seien es einer bis drei Fälle pro Jahr. Die brenzligen Situationen häuften sich aber. «Solche Zwischenfälle haben in den letzten Jahren zugenommen», so Körkel.

«Ich und meine Kollegen erleben heute mehr Schreckensmomente», berichtet auch ein langjähriger BVB-Wagenführer. Er beobachtet auch eine zunehmende Risikofreudigkeit bei Jungen, die oft noch vor dem Tram durchhuschen. «Man müsste Führerkabinen mit Dashcams ausstatten», meint er. Das würde haarsträubende Szenen ergeben.

(lha)