Geburten im Doppelpack

14. November 2017 05:51; Akt: 14.11.2017 09:40 Print

Basel bringt die meisten Zwillinge zur Welt

104 Zwillinge sind 2016 in Basel geboren worden – so viele wie noch nie. Und so viele werden es auch nie wieder, glaubt ein Experte.

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Basel ist die Zwillings-Hochburg der Schweiz. Im Jahr 2016 kamen auf total 2172 Neugeborene 52 Zwillingspaare, also 104 Zwillinge. Damit haben die Basler Frauen einen Allzeitrekord aufgestellt. Laut dem Statistischen Amt des Kantons hat es in Basel-Stadt noch nie so viele Zwillinge wie 2016 gegeben.

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Der Schweizer Durchschnitt wurde damit auch deutlich übertroffen. Zwar sind mehr Zwillinge der nationale Trend – mit einem Schnitt von 4,8 Prozent liegt der Anteil von Geburten im Doppelpack im Jahr 2016 aber über ein Prozent höher als der Schweizer Durchschnitt (3,75 Prozent).

Je älter, desto eher gibts Zwillinge

Der Hauptgrund für die hohe Zwillingsrate: die heutige Familienplanung in der Schweiz. Wie die Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen, bekommen Frauen immer später Kinder. Dieser Trend zeigt sich auch in der Klinik für Reproduktionsmedizin der Frauenklinik des Universitätsspitals Basel, wo künstliche Befruchtungen vorgenommen werden: «Unsere Patientinnen werden immer älter. Im Schnitt sind sie 37 Jahre alt – vor 20 Jahren lag das Durchschnittsalter noch fünf Jahre tiefer», erklärt Chefarzt Christian De Geyter gegenüber 20 Minuten.

Je älter eine Frau ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Zwillinge bekommt. Denn: «Durch einen veränderten Hormonkreislauf können ältere Frauen pro Zyklus zwei Eisprünge gleichzeitig haben. Die Folge: Es liegen zwei sprungreife Follikel vor und es kommt so eher zu Zwillingen», so De Geyter.

Geburt im Doppelpack ist ein Risiko

Weshalb wollen wir immer später Kinder haben? «Die Ursachen dafür sind vielseitig. Beruf und Familie sind heute nicht einfach zu kombinieren. Wir haben Patientinnen, die zuerst Karriere machten und nun mit dem Kinderwunsch zu uns kommen.» Bei anderen Frauen liege der Grund im Liebesleben, so De Geyter: «Nach einer Trennung wollen gewisse Frauen dennoch Kinder haben, dafür müssten sie aber erst wieder einen geeigneten Partner finden. Das bedeutet Druck und Stress.» Hier kann die künstliche Befruchtung ebenfalls Abhilfe schaffen.

Die Reproduktionsmedizin schafft aber auch Probleme. Im Rahmen der künstlichen Befruchtung wurde bisher häufig mehr als ein Embryo pro Therapieversuch übertragen. Dadurch entstanden vermehrt Zwillingsschwangerschaften. Eine solche birgt Risiken. Für die Gebärmutter bedeutet sie laut De Geyter eine höhere Belastung, es kann zu Mangelernährung und zur Frühgeburt kommen. «Im schlimmsten Fall leiden einzelne Zwillinge ein Leben lang unter den Folgen einer Früh- und Mangelgeburt», warnt der Arzt.

Weniger Zwillinge aus politischen Gründen

Allerdings dürfte schon in naher Zukunft weniger Zwillinge geboren werden. Dies aufgrund des revidierten Fortpflanzungsmedizingesetzes, das seit September 2017 in Kraft ist: Es besagt unter anderem, dass künftig nicht mehr zwei oder mehr Embryonen in die Gebärmutter übertragen werden müssen. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, Zwillinge zu bekommen, markant, wie De Geyter erklärt. Seine Prognose: «Es wird somit in Zukunft insgesamt weniger Zwillinge geben.»

Die 104 Zwillinge von Basel dürften so ein einsamer Höhepunkt in der Schweizer Geburtsmedizin bleiben.

(daf)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • twinmum am 14.11.2017 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    auch die mutter

    es muss einfachmal gesagt sein, dass die risiken bei der zwillingsgeburt nicht nur bei den kindern liegt. ich wurde bis zur 37.woche genötigt, meine zwillinge auszubrüten, bei 1.58m körpergrösse hatte ich einen bauchumfang von 1.2m, meine kids waren je 3kg schwer, worauf ich natürlich stolz war und würde es unbestritten wieder so machen. aber ich bin seit dem in physiotherapie, weil mein 1komplettes chassis verschoben ist...geschweige dann, die belastung nachher mit zwei babys...

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  • AiLu am 14.11.2017 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwillingsmami

    Ich wurde auch Mami von Zwillingen. Auf natürliche Art. Bei uns war es mit sicherheit auch das alter. Wurde mit 35ig Mami von Twins. im ersten Moment das schlimmste was ich mir vorstellen konnte. Jetzt das beste was mir passieren konnte :-). Aber wäre ich jünger gewesen und in der selben Lage, hätte ich die doppelbelastung nicht durchgehalten. Ja jetzt wird es viele negative stimmen geben. wie kann man Kinder nur als "belastung" bezeichnen. Aber 2 Babys auf einmal sind eine belastung. 2x Zahnende Kinder, 2x Kranke Kinder, schlaflose Nächte, ja auch Finanziell. Das ist eine belastung..auch für die Partnerschaft. Zum Glück habe ich für mich den Besten Papa der Welt für meine Twins an meiner Seite. Ohne ihn würd ich viele Situationen nicht durchstehen. Ich liebe mein Doppelpack..aber ein Kind aufs mal hätte durchaus auch gereicht.

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  • Gärtner am 14.11.2017 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja, das Zeigt eindeutig...

    Die Basler wollen doch nur schnellstens an die Kinder-Zulage rankommen! ;-))

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Die neusten Leser-Kommentare

  • R.S. am 15.11.2017 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Hr. De Geyter

    Auch wir haben uns von Herrn De Geyter behandeln lassen. Danke vielmals für unsere Zwillinge. (Ja er hat uns detailliert darüber informiert dass die Chance auf Zwillinge bei 3 übertragenen erhöht ist. Nach mehreren belasteten Fehlversuchen mit jeweils 2 Embrionen entschieden wir uns beim letzten Versuch für 3. Und siehe da, zwei sind geblieben. Und ja, es kann schon anstrengend sein bei Zwillingen während der Schwangerschaft und in dem ersten Jahr. Danach ist es wohl etwa dasselbe wie wenn man zwei Kinder hat die nur ein Jahr auseinander sind.

    • Fiono Amstutz am 15.11.2017 21:10 Report Diesen Beitrag melden

      Wenns nicht geht!! gehts nicht

      wenn es natürlich nicht geht sollte man es lassen, statt am Menschen reinzupfuschen..

    • Daniela Meier am 15.11.2017 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @R.S.

      Ja Prof. De Geyter ist super, hat uns vor 12 Jahren auch geholfen. Und für all die Besserwisser: auch bei künstlicher Befruchtung braucht es noch sehr viel Natur (oder Gottes Hilfe, wie man will), damit 40 Wochen später ein Kind zur Welt kommen darf.

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  • Willi Kohl am 15.11.2017 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Zuviel des Guten

    Retortenbabies auf Bestellung und das bei dieser Überbevölkerung. Nur soviel ich und meine Partnerin haben auch 3 Kinder, doch die sind auf natürlichem Weg entstanden, da wurde nicht nachgeholfen. Ich finde es sehr bedenklich, wenn es auf natürlichem Wege nicht klappt da nachgeholfen wird. Soll man in Zukunft wirklich die Kinder im Supermarkt bestellen? Ich hoffe nicht!

  • Gr am 15.11.2017 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch von Aargauern...

    Auch unsere Zwei gehören dazu! Wohnhaft im Aargau (Fricktal), Geburt in Basel, weil das Unispital als einziges in der Region eine Geburt auf natürlichem Weg (ohne Kaiserschnitt) ermöglichte. Danke!

  • Tomate am 14.11.2017 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinder

    Meine Güte ich kann Kinder nicht ausstehen!!

    • Zufriedene am 14.11.2017 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tomate

      Da können sie ja von Glück sagen, das sie eine Tomate sind! Oder eine Zwetschge?

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  • Zimboo am 14.11.2017 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Klar Basel

    In Basel gibt es auch die beste Chemie zum Nachhelfen und das Rheinwasser :-)