Strafgericht BS

24. März 2015 16:41; Akt: 24.03.2015 16:41 Print

Freisprüche für Türsteher der Bar Rouge

Vier Türsteher der Bar Rouge wurden am Dienstag vom Basler Strafgericht freigesprochen. Der Einsatz von Pfefferspray gegen aggressive Gäste war verhältnismässig.

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Überwachungskameras filmen seit acht Monaten den Innenbereich der Bar Rouge. Das schützt auch die Securitys vor falschen Anschuldigungen. (Bild: 20 Minuten/lha)

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Die vier Securitys der Bar Rouge waren sichtlich erleichtert, als der Gerichtsschreiber am Dienstagvormittag die Freisprüche verkündete. Wegen Einsatz von Pfefferspray gegen aggressive Gäste mussten sie sich vor dem Basler Strafgericht verantworten, in einem Prozess, der aussergewöhnlich lange dauerte. Bereits vergangenen Oktober fand die erste Hauptverhandlung statt.

Und dies wegen einer Anklage, die je länger, je mehr in sich zusammenbrach. Die vermeintlichen Opfer zweier Pfefferspray-Einsätze durch die Türsteher im Januar und Juli 2012 erwiesen sich vor Gericht als unglaubwürdige Zeugen. «Sie widersprechen sich diametral», kam Gerichtspräsidentin Liselotte Henz zum Schluss. Dagegen seien die Schilderungen der Beschuldigten übereinstimmend und plausibel gewesen.

Die Türsteher griffen demnach in Notwehr zum Pfefferspray, als die renitenten Gäste ihrer Aufforderung, das Lokal zu verlassen, nicht ohne Gegenwehr nachkamen. Dabei waren sie in beiden Fällen erheblich alkoholisiert und verhielten sich auch gegenüber der Polizei noch ausfällig.

Kritik an Ermittlungsbehörde

Das Gericht rügte in seiner Urteilsbegründung auch die Staatsanwaltschaft, die als zuständige Ermittlungsbehörde die Untersuchung «sehr schleppend» geführt habe. Tatsächlich wurde die erste Einvernahme mit einem Geschädigten des Vorfalls vom Januar 2012 erst acht Monate nachdem sich der zweite Vorfall im Juli desselben Jahres ereignete geführt. «Die Befragungen wurden ohne grossen Eifer vorangetrieben», monierte Henz. Danach sei jeweils im Abstand von einem Monat der nächste Zeuge befragt worden.

Das gereichte im Zweifel den Beschuldigten zum Vorteil. Hätte man ihnen eine Tätlichkeit nachweisen können, wäre die mittlerweile verjährt gewesen. Zudem liess das Erinnerungsvermögen der Zeugen stetig nach, je länger die Ermittlungen dauerten.

Kameras sollen Prozesse künftig verhindern

Für die vier Angeklagten, von denen drei nach wie vor in der Bar Rouge beschäftigt sind, war der Prozess belastend. Er habe kaum schlafen können, sagte Drago M.* nach der Verhandlung. Der Bosnier kann nun aber wieder ruhig schlafen. Vor acht Monaten wurden in der Bar Rouge Überwachungskameras installiert. «Neutrale Zeugen», wie sie Inhaber Joel Gysin nennt. «In einigen Fällen waren wir darüber schon sehr froh», sagt er. Gerade die Klientel über 30 tue sich bisweilen schwer damit, das eigene Fehlverhalten einzugestehen und drohe oft mit einer Anzeige.

*Name geändert

(lha)