Pratteln BL

10. Januar 2018 05:49; Akt: 10.01.2018 14:15 Print

«Seit Jahren stinkt es nach grilliertem Schwein»

Weil im Quartier jedes Wochenende im grossen Stil Spanferkel zubereitet werden, breitet sich in Pratteln ein quälender Gestank aus. Die Bewohner fühlen sich machtlos.

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Seit vier Jahren bringt der Geruch nach gebratenem Schwein die Pratteler beinahe um den Verstand. «Am Sonntag mal schön ordentlich durchlüften – denkste. Die Luft ist so verpestet, das mir manchmal richtig schlecht wird. Es ist einfach nur grusig», beschwert sich eine Anwohnerin des Sonnenwegs. Die Frau, die täglich mit ihrem Hund Gassi geht, kennt auch den Grund der Geruchsemission. In einem Bretterverschlag an der Bahnlinie würde sich eine kleine Gruppe von Männern jeweils an den Wochenenden zwischen Weihnachten und Ostern im grossen Stil dem Braten von Säuen widmen und die Luft verpesten.

«Da fährt ein Wagen vor, beladen mit etwa zehn toten Schweinen, die dann in eine zusammengezimmerte Hütte gebracht und zubereitet werden», erzählt die Prattelerin. Es entstünden teils blutige Spuren, das Ganze sei alles andere als appetitlich. Die Männer, die die Schweine braten, hielten zudem Tauben, die in einem Verschlag neben der Räucherkammer hausen würden. «Es macht alles einen eher unhygienischen Eindruck auf mich», sagt die Leidgeplagte und stellt eine Vermutung in den Raum. «Ich gehe davon aus, dass das Fleisch illegal für Restaurants zubereitet wird. Denn kein Mensch und auch keine Grossfamilie isst das Fleisch von zehn Säuen alleine.»

Behörden sind die Hände gebunden

Den Kampf gegen den schweinischen Gestank habe sie mittlerweile fast aufgegeben. Während sie früher Wochenende für Wochenende zum Telefon gegriffen habe, um die Geruchsmeldestelle zu informieren, wisse sie mittlerweile nicht mehr weiter. Auf Facebook hat sie ihren Ärger nun nochmal kundgetan und stösst mit ihrem Problem auf offene Ohren.

Auch Marcel Schaub, Abteilungsleiter Dienste und Sicherheit der Gemeindeverwaltung Pratteln, weiss von dem Gestank. Laut der Gemeinde haben sich die Gemeindepolizei Pratteln und die Baselbieter Kantonspolizei ein Bild vor Ort gemacht und keine Verstösse gegen die Branschutzordnung oder gegen Hygienebestimmungen festgestellt. «Der Gemeindepolizei sind die Hände gebunden. Der Fall wurde an den Kanton weitergegeben», sagt Schaub. Er rät den geplagten Bewohnern, dran zu bleiben und die Stink-Episoden weiterhin zu melden.

Der Ball liegt bei der Gemeinde Pratteln

Der Kanton spielt den Ball wiederum zurück an die Gemeinde, da diese zuständig sei. Und tatsächlich liegt der besagte Garten auf Boden, der der Gemeinde gehört. Eine Anfrage zur Problematik ist bei der Gemeinde hängig. Man wolle die Sachlage erst analysieren, teilte Gemeindesprecherin Sandra Meier am Dienstagabend gegenüber 20 Minuten mit.

(jd/daf)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 10.01.2018 06:45 Report Diesen Beitrag melden

    Krass

    Also wöchentlich in einer Bruchbude ohne Lebensmittelkontrolle irgendwelche Schweine grillieren ist möglich, aber nach 5min eine Parkbusse erhalten. Bravo Rechtssystem. Oder eher bravo Gemeinde.

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  • Sigs am 10.01.2018 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mmmmmhhhh

    ich habe noch nie die worte "spanferkel" und "gestank" im gleichen satz gesehen...

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  • Viel Frass am 10.01.2018 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Hände gebunden? Keine Vorschriften?

    Wenn die Ware an Restaurants oder in den Verkauf gelangen, dann könnte doch das Gesundheitsamt-Inspektion etwas unternehmen. Offensichtlich handelt sich hier um ein temporäres Gewerbe/Betrieb. Jedes Unternehmen (Metzgerei/Fabrik) muss Vorschriften erfüllen. Interessant das dies hier nicht der Fall sein muss (ich lasse es mal offen, was der Grund ist dafür).

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nach Denklich am 10.01.2018 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In Pratteln

    gibt es Gebiete die nach Chrmie und Lösungsmittel stimken. Das Stinkt, nicht Spanferkel!

  • Ly am 10.01.2018 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geruchsmeldestelle

    Es gibt echt eine Geruchsmeldestelle? Wenn ich das nur gewusst hätte

  • Captain Hindsight am 10.01.2018 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Taube auf dem Dach

    Ich kenne Leute, deren Katze oder Hund sich in der Küche aufhält. Niemanden stört es. Und an Ostern bringen die Katholiken eh immer die Jauche aus. Es stinkt dass Gott erbarm. Aber nicht wegen grillierenden Männern. Seid etwas toleranter im Leben und vermeidet erst einmal selbst Emissionen aller Art.

  • Alex am 10.01.2018 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Neben den Trump-News das Wichtigste

    Herr und Frau Schweizer nerven sich nach wie vor über andere Sitten und Bräuche.

  • fresstage am 10.01.2018 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    keinfleisch

    Keine Ungereimtheiten festgestellt oder auch nicht feststellen wollen. Wenn die Leute zu den Fresstagen auf die Schweine und Taubenfleisch verzichten, würden sich die Männer auch diesem "tollen" Job auch nicht "widmen". Konsumverhalten ändern und das Problem ist gelöst. Allesm Anschein nach ist alles was mit Tiere braten und fressen sowie Tierquälerei selbstverständlich erlaubt.