Kult-Café in Basel

11. Oktober 2018 19:08; Akt: 12.10.2018 09:25 Print

«Offline leben zu können ist heute sehr wichtig»

Leben wir am Leben vorbei? Diese Frage beschäftigt die Gründer des Unternehmens Mitte. Nun richten sie im Kaffeehaus die erste offizielle Offline-Zone Basels ein.

Das Unternehmen Mitte richtet ab Montag eine Offline-Zone ein. (Video: Stefan Viliotti)
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Die virtuelle Welt hinter sich lassen und für einmal offline gehen – ist das heute überhaupt noch möglich? Ja, findet Daniel Häni, Mitgründer des Kaffeehauses Mitte im Herzen von Basel. Der 52-Jährige hat sich dazu entschlossen, in seinem Lokal «ein Statement zu setzen» und darin eine offizielle WLAN-freie-Zone einzurichten. Dabei bot das Unternehmen in der ersten Dekade des Jahrtausends seine Gästen schon sehr früh ein eigenes Wlan an.

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«Wir wollen einen neuen Trend setzen und die Präsenz der Menschen mehr ins Hier und Jetzt holen», erklärt er. Ab Montag wird das Zentrum des Kaffeehauses – also wortwörtlich die Mitte der Mitte – offline gehen, wie die «bz Basel» berichtet.

Dem Druck der Verfügbarkeit entkommen

Auf den ersten Blick scheint dies fast wie eine Massnahme, die dem Menschen die virtuelle Welt verbieten will. Doch beim zweiten Hinsehen stellen sich selbstkritische Fragen ein: Bin ich tatsächlich zu oft am Handy oder am Laptop? Komme ich überhaupt noch ohne aus?

Genau dieser Effekt der Selbstreflexion ist Hänis Ziel: «Wem schenke ich meine Aufmerksamkeit? Wir rücken diese Frage ins Bewusstsein», sagt er. Aufmerksamkeit und Zeit seien das Wertvollste, was die Menschen besitzen, und sollten nicht von der digitalen Welt besetzt werden. Denn in der heutigen hektischen Welt würden solche Ressourcen immer knapper, aber auch wertvoller. Häni: «Wir glauben, ‹offline› ist ein neues Bedürfnis, um der ständigen Verfügbarkeit zu entkommen.»

Markiert wird die neue Zone mit dem umgekehrten WLAN-Zeichen, designt von einem Künstler aus Island: «In dem neuen Piktogramm verwandelt sich das WLAN-Zeichen in einen Menschen und visualisiert unseren Grundgedanken perfekt», so Häni.

Unterscheidung zwischen Angebot und Verbot

Auch wenn die Idee ein Wagnis ist, glaubt Häni fest daran: «Diesen Trend gibt es in den USA schon. Offline wird in, online out», findet er. Für ihn ist das Kaffeehaus für die Umsetzung dieser Idee der optimale Ort, weil dort das Zwischenmenschliche im Vordergrund stehe und Raum für die Selbstreflexion biete.

Besonders wichtig ist Häni aber die Unterscheidung zwischen Verbot und Angebot: «Uns geht es nicht um das Technische und wir wollen den Menschen die digitale Welt nicht verbieten. Die Offline-Idee ist ein Kultur-Impuls.» So soll es im Kaffeehaus auch weiterhin WLAN geben, jedoch «nur» ausserhalb der markierten Zone.

Offline stärkt das Wohlbefinden

Ob das Projekt erfolgreich sein wird, wird die Zeit zeigen, denn der Erfolg ist individuell und liegt bei jedem selbst. Gäste zeigen aber schon jetzt ihre Bereitschaft, mitzumachen: «Offline leben zu können, ist gerade in heutigen Zeiten der Internet-Sucht sehr wichtig», findet Besucher Domenique. Auch Astrid ist begeistert von der Idee: «Dann können die Menschen wieder mehr ins Gespräch kommen.»

Auch aus psychologischer Sicht soll sich eine Offline-Zone positiv auf das Wohlbefinden der Menschen auswirken, wie Renanto Poespodihardjo, Leitender Psychologe der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel erklärt: «Weil wir permanenten Zugriff auf unsere digitale Medien haben, langweilen wir uns auch nicht mehr, dabei ist diese ‹lange Zeit› für uns Menschen wichtig. Dann nämlich entwickeln wir Problemlösestrategien oder sind kreativ.»


(mis)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • T. Rottel am 11.10.2018 19:54 Report Diesen Beitrag melden

    tatsache ist und bleibt

    Mit Werbungen vollbepackte Videos anschauen. Nein Danke, ohne mich.

  • jippii ai eiiiii am 11.10.2018 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    tschau tschau

    Kennt jemand noch die wunderschöne Natur? Wer weiss wie lange sie noch schön ist! Also.....stellt lieber einmal zu viel offline.

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  • Manu am 11.10.2018 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte auch in Zürich

    Super Idee, bitte in Zürich auch. Von mir aus mit Natelstörsender.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Christa pete am 14.10.2018 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    offline ist super

    ich setze mich extra immer zu älteren leuten im zug.die haben kein handy online und reden noch!!!!!

  • surni am 12.10.2018 20:26 Report Diesen Beitrag melden

    ES GEHT AUCH OHNE

    1. kein IPhone, nur Internet am Notebook zuhause 2. nur SMS oder wirklich wichtige Phones am Natel ohne Internetanschluss 3. Resultat - viel Zeit für sich und die Natur

  • Markus Grob am 12.10.2018 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    Weitere Ideen

    Sicher eine nette Idee, nur bei den heutigen Flatrates nicht voll umsetzbar. Evtl. ein ähnliches Zeichen wie im Ruheabteil dass Handys und co unerwünscht sind. Es gibt ein Restaurant, da bekommt ein Pärchen Rabatt, wenn beide ihr Handy vor dem Essen abgeben. Das ist auch ein Ansatz.

  • S.S. am 12.10.2018 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötige Aktion

    Völlig unnötig die Aktion. Die Leute die offline bleiben wollen sollen das zu Hause tun! Ab jetzt besuchen wir diese Lokalität nicht mehr! Sehr schade unser Freundeskreis hat sich immer da getroffen zum Apéro und sind dann weiter gegangen. Basel ist gross und hat ausweich Möglichkeiten.

    • Student am 12.10.2018 21:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @S.S.

      genau meine Meinung! Unnötige Aktion! Bevormundung pur! Schade war ein cooler Laden , aber eben war!

    • jasmin am 13.10.2018 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @S.S.

      Eigentlich zeig es das Sie nicht mehr fähig sind die Zeit mit Freunden zu verbringen die anwesend sind.

    • S.S. am 13.10.2018 12:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @jasmin

      Nicht alle Studenten können sich ein teures Internet Telefon Abo leisten! Darum war das dort cool mit WLAN sich zu treffen.

    • drPeppi am 14.10.2018 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @S.S.

      Armi stud-enten. Wusste bis jetzt nicht das es welche gibt. Bin auch sehr erstaunt das die ein sph oder ein Compi haben, bei dem vielen Wasser im rhein. Das geht doch kapputi wenns nass wird. Jo dr no sich all daaa

    • jasmin am 15.10.2018 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @S.S.

      Ja dann muss der Student halt verzichten wenn es zu teuer ist. Billige Ausrede sowas. Ich finde es eine sehr traurige Entwicklung das ihr nicht mehr wisst was Freunde sind ich meine die aus Fleisch und Blut und ein Leben in der Gesellschaft ist für euch auch nicht mehr möglich ständig das Händy in den Fingern.

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  • Michi am 12.10.2018 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Hm....

    Ich frage mich, wie man in einer Online Umfrage die ja bekanntlich über Internet läuft bei der Umfrage die Option "ich benutze kein Internet" auswählen kann xD