Baselland

11. Oktober 2018 05:42; Akt: 11.10.2018 08:27 Print

Facebook-User haben null Mitleid mit «Vollpfosten»

Wenn die Baselbieter Polizei Zeugenaufrufe auf Facebook postet, ist der Schuldige meist rasch gefunden. Bei Unfällen sind die User gnadenlose Richter – sie liefern aber auch wertvolle Hinweise.

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Am 30. August stürzte ein betrunkener Motorradfahrer nachts auf der Waldenburgerstrasse bei Liestal. Er hatte über zwei Promille im Blut und blieb mit dem Kopf an den Schienen der parallel verlaufenden Waldenburgerbahn liegen. Ein herannnahender Zug kam wenige Meter vor der Unfallstelle zum Stillstand. Der 57-jährige Töfffahrer wurde verletzt von der Sanität abtransportiert. Die Baselbieter Polizei kommunizierte diesen Unfall den Medien, verfasste aber auch einen Facebook-Post dazu.

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In Liestal werden alle Zeugenaufrufe auf Facebook publiziert. Damit erreicht die Kantonspolizei fast 9000 User. Und diese sind als Richter gnadenlos: «Vollpfosten», kommentiert einer. Eine andere Person meint: «Null, aber wirklich null Bedauern mit so einer Person.» Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, heisst es im Volksmund treffenderweise.

«Lasst euch nicht von Trollen provozieren»

Die Polizei muss solche «Richter Gnadenlos» aber auch hin und wieder in die Schranken verweisen. «Falls jemand in seinem Kommentar zu weit geht, verwarnen wir die Person; in einem zweiten Schritt wird sie gesperrt», erklärt Sprecher Roland Walter. Zu Strafanzeigen kam es wegen strafrechtlich relevanter Kommentare aber noch nicht. Die Polizei weist die Facebook-Gemeinde auch klar auf die Spielregeln hin. «Lasst euch nicht von Trollen provozieren und meldet, wenn Grenzen überschritten werden», heisst es unter anderem.

Bisher seien auch noch nie einzelne Personen öffentlich angeschwärzt worden. «Da würden wir sofort reagieren», sagt Walter. Neben der Löschung des Posts hätte das auch im wahren Leben des Urhebers Konsequenzen. Meistens ist die Kommentarspalte ohnehin nur ein Ventil für Ärger der harmloseren Sorte: Über Gaffer oder Autolenker, die mutmasslich von ihrem Handy abgelenkt waren, kann man sich völlig straffrei aufregen. Auch Rechtschreibefehler werden von der Polizei nicht geahndet.

Grosse zeitliche Herausforderung

«Der zeitliche Aufwand für das Monitoring der Facebook-Aktivitäten ist mittlerweile ziemlich hoch», sagt Walter. Zurzeit laufe deshalb ein Projekt, um Anpassungen vorzunehmen, die nötig seien, um diese neue Herausforderung zu meistern. Grundsätzlich überdacht wird die Kommunikations-Politik aber nicht. «Die Veröffentlichung auf Facebook sehen wir als Ergänzung zu der Kommunikation auf unserer Webseite, dadurch erreichen wir zusätzlich 9000 Abonnenten», so Walter.

Wertvolle Hinweise von Kommissar Facebook

Das handhaben nicht alle Polizeikorps so. Die basel-städtischen Kollegen nutzen den Kanal mehr für Imagezwecke und bisher nur äusserst selten für Zeugenaufrufe. Entsprechend ist die Reaktionsquote auf die Beiträge auch eher tief. Bei den Baselbietern ist das Gegenteil der Fall. «Unsere Posts geniessen eine hohe Beachtung bei Usern», sagt Walter. Das hilft der Polizei manchmal auch ganz real. «Wir erhalten regelmässig Hinweise über die sozialen Medien, die für die Ermittlungen von grosser Bedeutung sind.»

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R. Stonee am 11.10.2018 06:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Multimediale Gesellschaft

    Über alles und jenes wird gepostet und geschrieben! Wohin führt das? An Unfallereignissen wird lieber sofort gefilmt als die Rettungskräfte alarmiert oder erste Hilfe geleistet! Unsere Gesellschaft wird medial immer transparenter aber auch sensationsgieriger! Wann ist der Pic erreicht? Wie sehr wünsche ich mir mal einen weltweiten Netzausfall, man redet dann wieder miteinander!

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  • 1 Tap am 11.10.2018 06:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So kennt man sie

    Da kommentieren ein paar Leute denen es langweilig ist, wahrscheinlich selber null Ahnung vom Autofahren haben.

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  • Sean am 11.10.2018 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    simple times

    Ich hätte auch gerne so ein sorgenfreies Leben um den ganzen Tag auf Facebook zu gammeln und Polizei Posts zu kommentieren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chicho am 11.10.2018 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Geldmacherei

    Blitzer dürfen auf Facebook nicht gemeldet werden, denn dann würden die Leute ja dort langsamer fahren und weniger Geld durch Bussen einnehmen... Aber um Hinweise um jemanden zu bestrafen (und Geld) zu machen darf die liebe Polizei alle Kanäle benutzen! XD Und alle machen schön mit...

    • Trollgeflüster am 11.10.2018 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chicho

      Fahr halt so schnell, wie es erlaubt ist und du sparst a) eine Menge Geld und b) deine nervliche Belastung... Brauchst dich nicht über eine Busse zu ärgern, die du selber verschuldest... Es ist soooo einfach!!

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  • Bettina97 am 11.10.2018 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bildbeschreibung

    also ich persönlich finde die bilderbeschreibungen am interessantesten :D ein hoch auf den redakteur!!

  • Dario C am 11.10.2018 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    FB Pranger

    das fröhliche, unbesorgte Raten und Spekulieren darf vom Sofa aus beginnen. man sieht ein Foto, ein paar umgefahrene Posten und schon weiss der Sofahellseher was geschehen ist. Natürlich ein schuldiger Fahrer. Möglichkeiten wie Gesundheitsprobleme, technische Fehler oder sonstige äussere Einflüsse gibts nicht. Willkommen beim FB Pranger.

  • Sulejka am 11.10.2018 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wenn der Gast betrunken ist

    Es gab doch mal eine Zeit, wo der Wirt auch gebüsst wurde der einem Betrunkenen weiter Alkohol verkauft auch wenn der total betrunken ist, gibts dieses Gesetz nicht mehr?

  • De Rund am 11.10.2018 11:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht schlimm

    Ich fahre oft auch nach 4-5 Feierabend Bierchen nach hause, sind nur 2 Kilometer, und mir ist noch nie was passiert.