Jetzt auch Dustin Hoffman?

02. November 2017 17:28; Akt: 02.11.2017 17:28 Print

Immer neue Vorwürfe erschüttern Hollywood

Nach Weinstein, Toback und Spacey stehen nun auch Dustin Hoffman und Brett Ratner unter Beschuss. Die Sex-Affäre scheint kein Ende zu nehmen.

Bildstrecke im Grossformat »
Etwas mehr als einen Monat ist es her, seit bekannt wurde, dass Film-Mogul Harvey Weinstein (65) über Jahre immer wieder Frauen sexuell bedrängt oder missbraucht hat. Täglich melden sich weitere Opfer, doch der Sexskandal in Hollywood beschränkt sich längst nicht mehr nur auf Weinstein. Kurz nachdem das Treiben von Weinstein publik wurde, meldeten sich fast 240 Frauen bei der «Los Angeles Times» und warfen Regisseur James Toback (72) Missbrauch und Vergewaltigung vor. Toback weist sämtliche Vorwürfe von sich. Kevin Spacey (58) wird vorgeworfen, den damals 14-jährigen Schauspieler Anthony Rapp missbraucht zu haben. Der zweifache Oscar-Preisträger hat sich umgehend entschuldigt und sich als schwul geoutet, doch damit war die Sache nicht erledigt. Während Spaceys Zeit als künstlerischer Direktor des Old Vic Theatre in London sei es zwischen 2004 und 2015 zu zahlreichen Übergriffen gekommen. «Man musste nur ein Mann von unter 30 sein, damit Herr Spacey sich die Freiheit nahm, uns anzufassen», schreibt ein Schauspieler aus dem damaligen Ensemble auf Facebook. Der US-Fotograf Terry Richardson (52) arbeitet zwar nicht beim Film, aber auch er hat über Jahre junge Models sexuell ausgebeutet. Grosse Magazine wie «Vogue», «GQ» oder «Vanity Fair» zogen die Notbremse und wollen ab sofort nicht mehr mit Richardson arbeiten. In einer Gastkolumne für «The Hollywood Reporter» macht die Autorin Graham Hunter Dustin Hoffman schwere Vorwürfe. Der Star habe sie um eine Massage gebeten, an den Po gegriffen und mit anzüglichen Bemerkungen bedrängt. «Er war ein Jäger, ich war ein Kind, und das war sexuelle Belästigung», erklärte Hunter. Hoffman entschuldigte sich in einer Stellungnahme und schrieb, dass er grössten Respekt vor Frauen habe. Sechs Frauen, darunter die Schauspielerinnen Olivia Munn (im Bild) und Natasha Henstridge, werfen «Rush Hour»-Regisseur Brett Ratner (48) in Interviews mit der «Los Angeles Times» sexuelle Übergriffe vor. Der Regisseur schweigt bisher zu den Anschuldigungen. Sein Anwalt weist die Vorwürfe kategorisch zurück. Folgen haben die Interviews aber bereits schon. Ratners Regieprojekt über den kürzlich verstorbenen «Playboy»-Gründer Hugh Hefner wurde kurzerhand auf Eis gelegt. Die Sprecherin von Oscar-Preisträger Jared Leto (er hätte Hugh Hefner spielen sollen) stellte sofort klar, dass der Schauspieler nicht mit Ratner zusammenarbeiten wird. Die Skandale um die Hollywood-Grössen überschatten bereits auch schon die Oscars, die im März 2018 über die Bühne gehen sollen. Weinstein wurde bereits aus der Oscar-Akademie ausgeschlossen und Oscar-Moderator Jimmy Kimmel kündigte an, dass er das Thema auf der Bühne ansprechen wird. «Es ist wirklich nichts zum Lachen», erklärte der Komiker.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Seit Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen Produzent Harvey Weinstein vor rund einem Monat melden sich täglich neue mutmassliche Opfer zu Wort, die berichten, sie seien von prominenten Männern aus der Filmbranche sexuell missbraucht worden. In Firmen und Vorständen rollen Köpfe, Film- und Fernsehprojekte werden gestoppt, Polizei und Staatsanwälte ermitteln.

Immer mehr Schauspieler und Regisseure geraten ins Visier der Ermittler. Nach Weinstein, Regisseur James Toback und «House of Cards»-Star Kevin Spacey wurden nun auch Oscar-Preisträger Dustin Hoffman und «Rush Hour»-Regisseur Brett Ratner mit Vorwürfen sexueller Belästigung konfrontiert.

«Hoffman war ein Jäger, ich war ein Kind»

Als 17-jährige Praktikantin am Set sei sie 1985 von Hoffman wiederholt belästigt worden, schrieb die US-Autorin Anna Graham Hunter in einer Gastkolumne für «The Hollywood Reporter». Der Star habe sie um eine Massage gebeten, an den Po gegriffen und mit anzüglichen Bemerkungen bedrängt. «Er war ein Jäger, ich war ein Kind, und das war sexuelle Belästigung», erklärte Hunter.

In einer Stellungnahme entschuldigte sich der Oscar-Preisträger. Er habe «grössten Respekt» vor Frauen und er fühle sich schrecklich, dass er Graham möglicherweise in eine «unangenehme Situation» gebracht haben könnte.

Auch «Rush Hour»-Regisseur unter Beschuss

Sechs Frauen, darunter die Schauspielerinnen Olivia Munn und Natasha Henstridge, werfen Brett Ratner in Interviews mit der «Los Angeles Times» sexuelle Übergriffe vor, die teilweise in die 1990er Jahre zurückgehen. Der 48-jährige Blockbuster-Regisseur («Rush Hour») wies die Vorwürfe über seinen Anwalt Martin Singer «kategorisch» zurück.

Doch die Branche reagierte sofort: Ratners geplantes Regieprojekt über den kürzlich verstorbenen «Playboy»-Gründer Hugh Hefner wurde kurzerhand auf Eis gelegt. Man sei «tief besorgt» über die Vorwürfe gegen Ratner, teilte ein Sprecher von Playboy Enterprises dem «Hollywood Reporter» mit. Die Lage müsse geprüft werden, bevor die Zusammenarbeit fortgesetzt werde, hiess es.

Jared Leto will nicht mehr mit Brett Ratner arbeiten

Die Sprecherin von Oscar-Preisträger Jared Leto stellte sofort klar, dass der Schauspieler nicht mit Ratner zusammenarbeiten wird. Leto war zuvor in den US-Medien als möglicher Hauptdarsteller gehandelt worden.

Ratner selbst teilte laut «Variety» mit, er habe sich entschieden, sich aus allen Warner-Brothers-Projekten zurückzuziehen. «Ich möchte keinen negativen Einfluss auf die Studios ausüben, bis diese persönlichen Angelegenheiten gelöst sind.»

Erinnerungen an Cosby

Drei Jahre ist es her, dass die Unterhaltungsbranche durch die Missbrauchsvorwürfe Dutzender Frauen gegen den US-Entertainer Bill Cosby aufgerüttelt wurde. Der erste Strafprozess wegen sexueller Nötigung war im Juni gescheitert, weil sich die Geschworenen nicht auf ein Urteil einigen konnten. Ab April soll das Verfahren neu aufgerollt werden. Die Karriere des über Jahrzehnte hinweg beliebten TV-Stars ist durch die Vorwürfe längst beendet, Wiederholungen der «Cosby Show» wurden gestrichen, neue Projekte abgesagt.

Diese Woche kam das Aus für die Netflix-Serie «House of Cards», in der Kevin Spacey den skrupellosen Präsidenten Frank Underwood spielt. Der Oscar-Preisträger war zuvor von zwei Schauspielern wegen sexueller Übergriffe beschuldigt worden. Der 58-Jährige outete sich wenig später als schwul und will nun therapeutische Hilfe suchen. Gemäss Netflix ist das Serien-Ende schon länger geplant gewesen. Doch selbst wenn nicht: Spacey wäre nach seinem Eingeständnis der Übergriffe ohnehin nicht mehr tragbar.

Thema Nummer eins bei den Oscars

Auch die Oscar-Saison ist vom Weinstein-Skandal direkt betroffen. So hat die krisengeschüttelte Weinstein Company (TWC) den für November geplanten Kinostart des Historien-Dramas «The Current War» mit Benedict Cumberbatch auf das kommende Jahr verschoben. Damit fällt das Oscar-Rennen für den Film ins Wasser.

Nach den zahlreichen Vorwürfen Dutzender Frauen gegen Harvey Weinstein – von Belästigung und massivem Machtmissbrauch bis Vergewaltigung – wurde der Produzent von seiner Firma gefeuert und unter anderem von der Oscar-Akademie ausgeschlossen. Normalerweise würde der Hollywood-Mogul jetzt seine Werbekampagne für die bevorstehende Trophäen-Saison planen, nun ist er in Hollywood die Persona non grata schlechthin.
In vier Monaten werden die Oscar-Trophäen vergeben. Der Weinstein-Skandal dürfte die Filmbranche auch dann noch beschäftigen. Er werde das auf der Oscar-Bühne wohl ansprechen, sagte Show-Moderator Jimmy Kimmel dem Entertainment-Portal Vulture.com. «Es ist wirklich nichts zum Lachen», erklärte der Komiker.

Hier finden Sie alle Infos zur Weinstein-Affäre, die den Stein ins Rollen gebracht hat.


(Barbara Munker/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin Brändle am 02.11.2017 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie merkwürdig

    Ich verurteilte JEGLICHE Form von sexuellen Übergriffen. Aber irgendwie ist es schon komisch, dass diese Beschuldigungen plötzlich wie die Pilze aus dem Boden schießen. Als wäre das ein neues Hobby.....

    einklappen einklappen
  • F. G. am 02.11.2017 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Merkwürdig.....!

    Finde das sehr merkwürdig. Viele klagen nach vielen Jahren und niemand wundert sich wie und warum sie Karriere gemacht haben!

    einklappen einklappen
  • LK am 02.11.2017 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hollywood ist keine Klosterschule

    Es ist allen Beteiligten bekannt, dass Hollywood keine Klosterschule ist. Nach Jahren des still gelittenen Schweigens kommt es in den Sinn, was da gelaufen ist. Sozusagen als Modeerscheinung. Langsam hat die Öffentlichkeit genug!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Garry Guckt am 03.11.2017 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Etwas mulmig

    Oje, wann kommt wohl raus dass ich vor 30 Jahren der Lehrerin auf den Hintern geschaut habe. Und wem sonst noch, habe ich vergessen melden sich sicher

  • Iknow am 03.11.2017 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Pizza

    Ich sag nur Pizzagate. Viel Glück beim suchen.

  • Bese am 03.11.2017 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Was nun?

    Also eine muss schon anfangen beim Sex. Wenn es aber so weitergeht muss man schon Angst haben, dass nach 20 Jahren die eigene Frau eine Anzeige erstattet. Ich glaube nicht, dass alle dieser männer Frauen "vergewaltigt" haben.

  • Thomas am 03.11.2017 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    Unschuldsvermutung!

    Ein Angeklagter gilt so lange als unschuldig bis seine Schuld bewiesen wurde und es ist der Kläger, welche die Beweislast hat! Damit will ich nicht sagen, dass alle diese Missbrauchsvorwürfe erlogen sind, sondern nur, dass man einem Vorwurf oder Beschuldigung nicht vorbehaltslos Glauben schenken soll und sich mit Vorverurteilungen zurückhalten soll.

  • Nadja am 03.11.2017 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenartig....

    Ich bin auch dafür, dass sexuelle Belästigung gar nicht geht, aber trotzdem frage ich mich langsam (nach diesen Massen an Bekundungen) ob zum Teil nicht auch ein schlechter Flirt Versuch oder sogar nur ein bischen Spass oder ein Kompliment schon als sexuelle Belästigunge gesehen werden....