«Nicht aus zweiter Hand»

20. Oktober 2017 07:50; Akt: 02.11.2017 08:32 Print

Tarantino wusste über Weinstein Bescheid

«Ich wusste, dass er einige solche Sachen gemacht hat»: Quentin Tarantino spricht zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Harvey Weinstein. Derweil hat sich die Polizei eingeschaltet.

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Der französische Chansonnier, Fotograf und Schauspieler Serge Gainsbourg (1928-1991) und seine zukünftige Frau Jane Birkin am 26. Mai 1971. Stellt sich auf die Seite von Weinstein und Spacey: Der britische Sänger Morrissey bei einem Auftritt in Kalifornien. (Archiv) «In den letzten fünfzig Jahren hatte ich sexuelle Beziehungen zu etwa 50 sehr attraktiven Frauen», schreibt ein Richter am Obersten Gericht von Ohio demonstrativ auf Facebook: Bill O'Neill. (Archiv) Es soll eine «Reihe von Beschwerden» geben: Die Teilnehmer des UNO-Klimagipfels in Bonn. (15. November 2017) Auch er ist mit Vorwürfen konfrontiert: Sylvester Stallone während einer Pressekonferenz für den Film «Creed». (6. November 2015). «Unangemessenes Verhalten»: Das Old Vic Theater in London hat 20 Vorwürfe gegen seinen früheren künstlerischen Leiter Kevin Spacey gemeldet. Will nicht mit Filmproduzent Bret Rattner an das Set: Wonder Women-Darstellerin Gal Gadot. (25. Mai 2017) Fünf Frauen haben Vorwürfe gegen den US-Republikaner erhoben: Roy Moore. (Archivbild) Sitzt wegen Besitzes von Kinderpornographie im Gefängnis: Der ehemalige Arzt der US-Kunstturn-Nationalmannschaft Larry Nassar bei einer Anhörung in Michigan. (17. Februar 2017) Beschuldigt Nassar, sie sexuell missbraucht zu haben: Die 23-jährige US-Turnerin und Goldmedaillen-Gewinnnerin Aly Raisman. Unter den vielen Demonstranten war auch die Schauspielerin Frances Fisher und die afroamerikanische Aktivistin Tarana Burke, deren «#MeToo»-Slogan («Ich auch») von der US-Schauspielerin Alyssa Milano aufgegriffen und verbreitet worden war: Frauen mit «#MeToo»-T-Shirts und Postern über den Hollywood Boulevard und am Dolby Theatre vorbei, wo seit 2002 die Oscar-Trophäen verliehen werden. (12. November 2017) Verbreitet ein Erlebnis über sexuelle Nötigung auf Twitter: Pitch-Perfect-Star Rebel Wilson. Fühlte sich von Brett Ratner blossgestellt: Schauspielerin Ellen Page. Die US-Torhüterin Hope Solo sagt, Sepp Blatter habe ihr bei der Verleihung des Ballon d'Or im Januar 2013 an den Po gefasst: Solo und Blatter (rechts) verleihen Abby Wambach ihre Auszeichnung im Kongresshaus Zürich. (7. Januar 2013) «Diese Geschichten sind wahr»: US-Comedian Louis C.K. hat vor mehreren Frauen masturbiert. (15. September 2017) Eine Schauspielerin wirft Steven Seagal sexuelle Belästigung vor – er soll bei einem Vorsprechen seine Hose geöffnet haben: Der 65-Jährige an einer Pressekonferenz. (Archiv) Wartete angeblich im durchsichtigen Negligé auf ihren Leibwächter: Popstar Mariah Carey. Laut einem Freund Haims gab Sheen dem Jungen Gras zu rauchen und hatte Sex mit ihm: Charlie Sheen (hinten Mitte) mit Corey Haim (l.) und Kerri Green auf einem Promotion-Bild zum Film «Lucas» von 1986. (20th Century Fox Film) Wurde angeblich von einem Produzenten bedrängt: Schauspielerin Jane Seymour hier im Bett mit Roger Moore in einer Szene von «Leben und sterben lassen». Beurlaubung in gegenseitigem Einverständnis: Der Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan wird vorerst nicht mehr an der britischen Oxford-Universität unterrichten. Sex im Auto als Geheimnis: Gleich zwei Frauen sagen, es sei dazu gekommen, die eine sagt, es war «sehr brutal». Auch weitere Frauen werfen Tariq Ramadan sexuelle Brutalität vor. (Archivbild) Jetzt distanziert sich auch der Schweizer Uhrenhersteller IWC von US-Schauspieler Kevin Spacey. Netflix hat sich bereits von ihm getrennt, ebenso seine Agentur und seine Sprecherin. Soll einen Mann sexuell belästigt haben, als dieser 15-jährig war und am Set der TV-Serie «House of Cards» männliche Angestellte angefasst haben: Kevin Spacey reagierte auf den Vorwurf mit dem Bekenntnis, dass er schwul sei. (Archivbild) Kristina Cohen sagt aus, dass sie vor drei Jahren vom britischen Schauspieler Ed Westwick zum Sex gezwungen worden sei. (Archivbild) Wenige Tage nach seinem Rücktritt im Zuge der Affäre um sexuelle Übergriffe von britischen Politikern ist der Regionalminister aus Wales, Carl Sargeant, tot aufgefunden worden. Der prominente österreichische Grünen-Politiker Peter Pilz ist nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurückgetreten. Auch er soll eine Frau sexuell belästigt haben – als sie 17 Jahre alt war: Dustin Hoffman hat wegen des Vorfalls um Entschuldigung gebeten. (Archivbild) Zu Oralsex gezwungen oder masturbiert: Sechs Frauen werfen Brett Ratner vor, sie sexuell belästigt oder missbraucht zu haben. (Archivbild) Der ehemalige Kongressabgeordnete Anthony Weiner tritt seine Haftstrafe wegen Sexting an. (6. November 2017) Fordert eine Kultur des Respekts: Theresa May hat weitere Massnahmen präsentiert, nachdem Fälle von sexuellen Übergriffen britischer Parlamentarier bekannt geworden sind. Zwei Frauen warfen ihm sexuelle Belästigung vor: Der Chefredaktor des renommierten Radiosenders NPR, Michael Oreskes, trat daraufhin zurück. (Archivbild) Der konservative britische Verteidigungspolitiker Michael Fallon musste Anfang November wegen ähnlicher Vorwürfe zurücktreten. (Archivbild) Der britische Labour-Politiker Clive Lewis soll eine Frau unsittlich berührt haben. Er bestreitet den Vorwurf. (Archivbild) Der Druck auf den britischen Kabinettschef Damian Green nimmt zu: Auf seinem Computer im Parlament soll sich pornografisches Material befunden haben. (Archivbild) Die New Yorker Staatsanwaltschaft fordert zahlreiche Dokumente bei TWC an: Harvey Weinstein. (Archivbild) «Ich hätte nicht mit ihm verheiratet sein wollen»: Matt Damon soll nur davon gewusst haben, dass Weinstein ein Womanizer war. (23. Oktober 2017) «Da war mehr dran als an normalen Gerüchten»: Quentin Tarantino (l.) wusste nach eigenen Angaben von einigen Übergriffen von Harvey Weinstein (r.) auf Frauen – und tat nichts. (19. Oktober 2017) Tritt aus dem Verwaltungsrat seiner Produktionsfirma zurück: Harvey Weinstein. (Archivbild) Keine weitere Zusammenarbeit mit TWC geplant: Channing Tatum. (Archivbild) Als sie ihn abblitzen liess, sei er «aufgebracht» gewesen: «Game of Thrones»-Star Lena Headey. (Archivbild) Sagt, er habe in sie eindringen wollen: Die britische Schauspielerin Lysette Anthony ist die fünfte Frau, die Harvey Weinstein Vergewaltigung vorwirft. (Archivbild) Wirft Weinstein Vergewaltigung und Bezos Mitwisserschaft vor: US-Schauspielerin Rose McGowan. (Archivbild) Schauspielerin Rose McGowan soll von Weinstein gar Schweigegeld erhalten haben. Hat eine «schlechte Erfahrung» mit Harvey Weinstein gemacht: Schauspielerin Angelina Jolie. (Archivbild) Weinstein habe sie angefasst und wollte sie massieren: Gwyneth Paltrow. (Archivbild) Schauspielerin Ashley Judd gehört zu den Frauen, die gegen Weinstein Vorwürfe erheben. Der Filmproduzent war bereits mehrfach Gast am Zurich Film Festival, hier 2013.

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Nach Vergewaltigungs- und Missbrauchsvorwürfen gegen den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein meldet sich Regisseur Quentin Tarantino zu Wort. «Ich wusste genug, um mehr zu tun, als ich tat», sagte Tarantino zur «New York Times». «Da war mehr dran als an normalen Gerüchten, dem normalen Geschwätz. Das war nicht aus zweiter Hand. Ich wusste, dass er einige solche Sachen gemacht hat», so der Regisseur.


Ermittlungen in Los Angeles gegen Harvey Weinstein. (Video: AFP)

«Unmöglich, nichts mitbekommen zu haben»

Es sei unmöglich gewesen, dass jemand, der sich im näheren Kreis um den Filmproduzenten aufhielt, nicht von mindestens einem Vorfall gehört habe, sagte Tarantino. Er bereue, nicht mehr dagegen unternommen zu haben. Er habe von der US-Schauspielerin Mira Sorvino aus erster Hand von Weinsteins Verhalten erfahren, mit der Tarantino zu jener Zeit eine Beziehung hatte. Auch eine zweite Schauspielerin, deren Namen er nicht nannte, habe ihm davon berichtet.

Tarantino will auch von einer aussergerichtlichen Abmachung zwischen Weinstein und Schauspielerin Rose McGowan gewusst haben. Der Regisseur arbeitet seit mehr als 20 Jahren mit Weinsteins Produktionsfirma zusammen, etwa bei Filmen wie «The Hateful Eight» oder «Pulp Fiction».

US-Polizei ermittelt

Derweil hat die Polizei von Los Angeles Ermittlungen eingeleitet. Man habe die Aussage eines mutmasslichen Vergewaltigungsopfers von 2013 aufgenommen, sagte ein Sprecher der Polizei am Donnerstag. Weinstein sei mutmasslich in den Fall verwickelt gewesen. Nähere Angaben machte er zunächst nicht.

Der «Los Angeles Times» zufolge soll es sich um eine 38-jährige Schauspielerin aus Italien handeln. Demnach soll die Frau angegeben haben, 2013 in einem Hotel in Beverly Hills von Weinstein vergewaltigt worden zu sein. Die Frau wird vom US-Anwalt Dave Ring in Los Angeles vertreten. Dem Bericht zufolge wurde sie am Donnerstag mehr als zwei Stunden lang befragt.

«Er tat, als sei nichts passiert»

Die Frau schilderte der Zeitung, dass sie mit Weinstein kurz bei einem italienischen Filmfest in Los Angeles gesprochen habe. Danach sei er «ohne Warnung» in der Lobby ihres Hotels erschienen. Er habe auf ihr Zimmer kommen wollen, doch sie habe Nein gesagt. Er habe dann an ihre Tür geklopft und gesagt, er wollte nur mit ihr sprechen, sagte die Frau.

Dann sei er «sehr aggressiv» geworden. Er habe sie ins Badezimmer gezerrt und dort vergewaltigt. «Als er ging, hat er so getan, als sei nichts passiert», schilderte die Frau.

In dem Zeitungsinterview gibt sie weiter an, dass sie Angst gehabt habe, Weinstein bei der Polizei anzuzeigen. Sie habe aber einem Priester, einem Freund und einem Kindermädchen von dem Vorfall erzählt. Der «Times» zufolge ist die Frau in Italien als Schauspielerin und Model bekannt. Zur Zeit des angeblichen Vorfalls habe sie mit ihren drei Kindern in Italien gelebt, inzwischen lebe sie aber in Kalifornien.

Prominente mutmassliche Opfer

Der einflussreiche Hollywood-Produzent Weinstein soll über drei Jahrzehnte hinweg Frauen sexuell belästigt haben. Rund 40 Frauen haben entsprechende Vorwürfe geäussert, unter anderen Top-Schauspielerinnen wie Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie. Mindestens fünf Frauen werfen Weinstein vor, er habe sie vergewaltigt.

Die Ermittlungen in Los Angeles sind die ersten in der Sache in der Filmstadt. In New York und Grossbritannien wurden bereits Untersuchungen wegen der Vorwürfe eingeleitet. Scotland Yard in London prüft einen angeblichen sexuellen Übergriff aus den 80er-Jahren.

Der 65-jährige Weinstein bestreitet die Vorwürfe. Über einen Sprecher liess er mitteilen, mit keiner Frau nicht einvernehmlichen Sex gehabt zu haben. Weinstein kündigte an, Hilfe in Form einer Therapie zu suchen.

(roy/sda/ap)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Real am 20.10.2017 05:05 Report Diesen Beitrag melden

    zum wohl der Kariere

    es ist traurig wie viel Frauen sich jetzt nach x Jahren melden, hätten sie es vermutlich vorher getan wäre dieses grausame Erlebnis vermutlich mehreren Frauen erspart geblieben, aber ich vermute mal aus Angst zum wohle der Kariere hat man geschwiegen.

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  • Mc Trimm am 20.10.2017 05:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mehr im Amt

    Trump dürfte eigentlich auch nicht mehr dort sein wo er im Moment ist!

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  • wasp am 20.10.2017 05:49 Report Diesen Beitrag melden

    Und Trump?

    Wann wird der Präsident zum Teufel geschickt? Dessen sexuellen Belästigungen gibt es sogar auf Band.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • joggelibume am 20.10.2017 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    Zeit spielt keine Rolle..

    es ist egal, wann es herauskommt. Wichtig ist, dass es herauskommt

  • anonym am 20.10.2017 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Schock sitzt tief...

    Ich kann das Schweigen dieser Frauen verstehen. Man schämt sich. Als ich anfangs 20ig für Swissair arbeitete, polterte mal ein Senior-Pilot an meine Hotelzimmertüre ich solle sofort öffnen es handle sich um einen Notfall. Instinktiv öffnete ich NICHT und fragte nach was passiert sei. Er polderte immer hefiger ich solle doch öffnen. Noch heute tut es mir leid diesen Vorfall beim Personaldienst NICHT gemeldet zu haben. Es hätte sicher viel nachfolgendes Leid verhindert werden können.

  • Rico am 20.10.2017 11:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoch geschlafen

    Hoch geschlafen und sich im Nachhinein beschweren. Geht es noch? Hätten sie ihn sofort angezeigt würden wir die meisten Schauspielerinnen wahrscheinlich gar nicht kennen.

    • Ingenieur am 22.10.2017 14:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rico

      Und was bezwecken sie mit ihrer Aussage? Sie unterstellen beiden Seiten etwas, von dem sie kein Wissen und kein Verständnis haben, aber wollen etwas suggerieren, das niemand so hören will, weil es Unsinn ist!

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  • Pit M. am 20.10.2017 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alles in einen Topf

    Hat mich angefasst, und wollte mich massieren.... Das hat damit ja wohl nichts zu tun. Wollte ich schon oft. Und wurde ich auch schon oft. Wenn wir daraus eine Sexuelle-Straftat machen, dann hat die Welt schon wieder verloren.

  • Alex am 20.10.2017 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder

    Bin gespannt wie lange es nun dauert wird, bis die ganzen Übergriffe an den Hollywood-Kindern an die Öffentlichkeit gelangen!