33 Jahre Haft für Australierin

12. Oktober 2017 13:10; Akt: 12.10.2017 17:20 Print

Mutter quält Sohn zu Tode, weil er wie Vater aussieht

In der Nähe von Sydney hat eine Frau ihr dreijähriges Kind zusammen mit ihrem Partner über Monate misshandelt. Nun wurden beide des Mordes verurteilt.

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«Ich liebte den Buben, aber ein Teil von mir hasste ihn auch»: Die des Mordes verurteilte Mutter. (undatierte Aufnahme) Bild: Handout NSW Police

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Das Leben des 3-jährigen Joseph war bis wenige Monate vor seinem Tod ganz normal. Er lebte bis Anfang 2014 bei Verwandten in Sydney, die sich liebevoll um ihn kümmerten. Doch dann wollte die Mutter wieder selbst für ihren Sohn sorgen und holte ihn wieder zu sich ins über 100 Kilometer entfernte Oberon.

«Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebte den Jungen», sagte die mittlerweile 43-Jährige später der Polizei. Aufzeichnungen ihrer Aussage wurden am Obersten Gerichtshof im Bundesstaat New South Wales während ihres Prozesses angehört. «Aber ein Teil von mir hasste ihn auch, weil er wie sein Vater aussah. Oder vielleicht auch einfach, weil er sein Kind war – ich weiss nicht genau.» Der Hass überwog letztendlich.

«Stumpfe Gewalteinwirkung»

Die Mutter und ihr neuer Partner quälten den 3-Jährigen in den drei Monaten vor seinem Tod immer wieder, wie die Zeitung «Sydney Morning Herald» berichtet. Sie stiessen den Kopf des Kleinen absichtlich gegen eine Schranktür und schlugen ihm mit einem Holzlöffel auf den Kopf. Sie stopften ihm einen Plastikball in den Mund und steckten ihn in eine mit Eis gefüllte Kühlbox.

Nach drei Monaten schwerster Misshandlungen starb der Bub an einem Herzstillstand. Gerichtsmediziner sagten, seinem Tod sei eine «stumpfe Gewalteinwirkung» vorausgegangen, bei der sein Rückenmark verletzt wurde.

«Die Krankheit tötete ihn, bevor ich es konnte»

«Die Mutter wollte den Vater von Joseph töten, weil er eine Affäre mit einer anderen Frau gehabt hatte», erklärte Richter Peter Johnson in seinem Urteil. Psychologen sagten vor Gericht, sie habe dann ihre Abscheu für ihren Ex auf das Kind projiziert. «Das ist das Groteske und Grausame an diesem Fall», sagte der Richter.

Der leibliche Vater von Joseph starb 2010 an Krebs. «Die Krankheit tötete ihn, bevor ich es konnte», so die Frau.

Geschworene folgen Zeugenaussagen

Die Mutter und der Stiefvater gestanden die Misshandlungen, bestritten aber, Joseph getötet zu haben. Vielmehr habe es sich um einen Unfall gehandelt: Das Kind sei bei einem Spaziergang in einem Park in Oberon über eine Hundeleine gestolpert.

Die Geschworenen glaubten aber den Aussagen verschiedener Zeugen, wonach das Paar an jenem Tag nur mit der Tochter im Park gewesen war und sie über die Hundeleine fiel. Zudem glaubt die Polizei gehört zu haben, wie der Stiefvater und die Mutter die Aussagen abgesprochen hatten. Beamte hätten gehört, wie der Mann zu ihr sagte, sie solle «dabei bleiben».

«Ein schrecklicher Kindsmord»

Für den Mord an ihrem Sohn ist die Australierin am Donnerstag zu einer Gefängnisstrafe von mindestens 33 Jahren verurteilt worden. Ihr mitangeklagter Partner, der Stiefvater des Buben, bekam 30 Jahre Haft. «Das war ein schrecklicher Kindsmord», so Richter Johnson. Das Paar habe Joseph «physisch und psychisch» zermürbt.

Nach dem Urteil sagte ein Onkel des Kindes, der Richter habe eine «angemessene Strafe» verhängt. Johnson lobte die erschütterten Verwandten im Gerichtssaal mehrfach für ihre Fürsorge und Empathie. «Jeder Einzelne von Ihnen hat sich um Joseph gesorgt und ihm während der Jahre in Sydney Liebe und Unterstützung gegeben.» Als die Mutter nach dem Schuldspruch den Gerichtssaal verliess, rief ihr gemäss der Reporterin des «Sydney Morning Herald» einer der Verwandten zu: «Gut. Wir hoffen du kommst nie mehr raus.»

(mch/sda)