Filmreifer Ausbruch

14. Februar 2018 23:43; Akt: 14.02.2018 23:43 Print

Gefangener betäubt seinen Zwilling und flüchtet

Alexander Delgado sass im Knast, sein Zwillingsbruder war auf Besuch – am Schluss des Tages war es umgekehrt. Jetzt wurde der meistgesuchte Vergewaltiger Perus wieder gefasst.

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Der Peruaner Alexander Delgado flüchtete am 10. Januar 2017 aus einem Hochsicherheitsgefängnis, nachdem er seinen Zwillingsbruder während dessen Besuchs betäubt hatte. Alexander tauschte die Kleider mit Giancarlo (rechts) und verliess die Haftanstalt mit den restlichen Besuchern. Am 12. Februar 2018 wurde Alexander, der eine 16 Jahre lange Haftstrafe wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen und Diebstahl verbüsste, von der peruanischen Polizei gefasst. Der wohl spektakulärste Ausbruch ist allerdings dem mexikanischen Drogenbaron El Chapo Guzmán am 15. Juli 2015 gelungen. Der Chef des Sinaloa-Kartells flüchtete über einen 1,5 Kilometer langen Tunnel. Der Eingang war gerade unter seiner Dusche in seiner Zelle. Am anderen Ende stieg der Kriminelle in eine verlassene Hütte in die Freiheit. Am 8. Januar 2016 wurde Mexikos Staatsfeind Nr. 1 wieder gefasst. Am 6. Juni 2014 flogen drei Gefangene aus der Orsainville-Strafanstalt im kanadischen Quebec mit einem Helikopter davon. Im australischen Frauengefängnis von Emu Plains sind Ende Dezember 2013 zwei Insassinnen mit einem Fluchtversuch gescheitert. Mit einem 18 Meter langen Strang aus Bettlaken wollten die zwei Australierinnen aus einem einstöckigen Gefängnis flüchten. Wärterinnen vereitelten den etwas zu gross geratenen Plan. Ebenfalls gescheitert: In Venezuela hatten Knastaufseher die Flucht des Mörders Gavinson Garcia am verhindert. Der nur 1,60 Meter grosse Garcia ist zusammengekauert im Koffer, den seine Freundin in die Zelle geschmuggelt hatte. Einen ähnlichen Fall gab es in Mexiko: hat eine Frau versucht, ihren inhaftierten Ehemann in einem Reisekoffer aus dem Gefängnis zu schmuggeln. Den Wachleuten war aufgefallen, dass die 19-Jährige nach einem Besuchstermin nervös wirkte und einen ungewöhnlich sperrigen, schwarzen Rollkoffer hinter sich herzog. Mit Bettlaken 60 Meter tief abgeseilt: Zwei Häftlinge sind am aus dem Hochsicherheitstrakt des Chicagoer Metropolitan Correctional Center entkommen. Der brasilianische Häftling Rafaelo Valadão hatte einen guten Plan für seinen Ausbruch. Doch er hätte auch auf seinen Bauch(-umfang) hören sollen. Ein 21-jähriger Untersuchungshäftling ist aus dem Schaffhauser Gefängnis geflohen. Er brach ein Loch in die Sandsteinwand und verliess die Zelle unbemerkt durch die Nordfassade. Zwei Schwerverbrechern gelang es, mit einem Hubschrauber aus dem Athener Zentralgefängnis Korydallos zu entkommen. Die Fluchthelfer liessen eine Strickleiter fallen, an der die beiden Haftinsassen in die Maschine kletterten. Aus dem Untersuchungsgefängnis an der Hinterlaube in St. Gallen konnte der verurteilte Mörder Ludomir Harasta fliehen, indem er sich mit Leintüchern ein Seil knotete. Nordin Benallal, dem «König des Ausbrecher», ist es gelungen, viermal aus einem belgischen Gefängnis zu entkommen. Bei seiner letzten Flucht aus dem Gefängnis von Ittre liess er sich von einem Helikopter abholen. Drei Häftlinge entkommen aus der Moskauer Butyrka, einem KGB-Staatsgefängnis, das als ausbruchsicher galt. Sechs Häftlinge entkamen aus dem St. Clair-Springs-Gefängnis, indem sie einen Tunnel unterhalb des elektrischen Zauns gruben. Aus der Jugendanstalt Panchito Lopez in Paraguay flüchteten 32 Häftlinge, nachdem sie mit Bettlaken ein Seil gebastelt hatten. Das ist die spektakulärste Gefängnisflucht in der Geschichte Brasiliens: 300 Insassen «verschwanden», nachdem ein Wärter vergessen hatte, das Tor zu schliessen. Nach einer Häftlingsrevolte im Gefängnis El Porvenir in Honduras flüchteten 243 Insassen.

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Die Polizei in Peru hat am Montag einen der meistgesuchten Verbrecher des Landes gefasst. Alexander Delgado sass ab 2015 im Hochsicherheitsgefängnis Piedras Gordas nördlich der Hauptstadt Lima wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen und wegen Diebstahl. Der 28-Jährige war zu einer 16 Jahre langen Haftstrafe verurteilt worden. Vor über einem Jahr gelang ihm aber eine spektakuläre Flucht.

Damals hatte Delgado den Besuch seines ähnlich aussehenden Zwillings genutzt (siehe Bild 2 in der obigen Bildstrecke), um zu flüchten, heisst es in einer Mitteilung des peruanischen Innenministeriums. Als Giancarlo seinen Bruder am 10. Januar 2017 im Gefängnis besuchte, fiel dieser über ihn her und betäubte ihn. Dann tauschte er die Kleider mit Giancarlo und verliess die Haftanstalt mit anderen Besuchern.

Arbeiteten Giancarlo und Alexander zusammen?

Bei der nächtlichen Zellenkontrolle fand das Personal Giancarlo bewusstlos am Boden. Als der Mann aufwachte und den Wächtern von der Attacke erzählte, wollten sie ihm zunächst nicht glauben. Erst ein Vergleich seiner Fingerabdrücke mit jenen seines Bruders in den Gefängnisakten brachte die Verwechslung ans Licht.

Zwillingsbruder Giancarlo blieb dennoch in Polizeigewahrsam. Die Behörden vermuteten, die beiden Brüder hätten beim Fluchtplan zusammengearbeitet. Erst nachdem sie aber für ihren Verdacht keine Beweise hatten erbringen können, liessen sie Giancarlo gehen. Der Gefängnisleiter musste in den Tagen nach der Flucht seinen Posten räumen.

«Konnte Verzweiflung meiner Mutter nicht mehr ertragen»

Wie die Zeitung «El Comercio» berichtet, setzten die Behörden eine Belohnung von 20’000 Soles (umgerechnet etwa 5700 Franken) aus für jeden Hinweis, der zu Alexanders Verhaftung führen könne.

Am Montag stürmte die Polizei ein Haus im Quartier El Olivar in Lima und nahm Alexander Delgado fest. Einem lokalen TV-Sender erklärte der Verbrecher, er sei aus dem Knast geflüchtet, weil er «die Verzweiflung meiner Mutter nicht mehr ertragen konnte.» Jetzt wird der Häftling in einem Hochsicherheitsgefängnis auf 5000 Metern Höhe in Challapalca an der Grenze zu Bolivien untergebracht.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John McClane am 15.02.2018 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bruderliebe

    Krass gegenüber seinem Zwillingsbruder, den er einfach für seinen Ausbruch opfert

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  • B.Ruderherz am 15.02.2018 13:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Freunde kann man sich aussuchen, die Familie nicht...

  • Zeitlos am 15.02.2018 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Justiz

    16 Jahre für Vergewaltigung und Diebstahl. Solche Leute werden dort nicht, wie bei uns, mit Samthandschuhen angefasst und stehen nach 1 Jahr wieder auf der Straße.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mätte33 am 15.02.2018 23:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergessen das Tor zu schliessen

    Also beim Bild Nr 20 wurden, glaube ich, die Anführungszeichen falsch gesetzt. Ich glaube nicht, dass der Sarkasmus auf das Verschwinden der Insasses sondern auf das Vergessen des Wärters, das Tor zu schliessen eher zutrift... :D

  • Mina am 15.02.2018 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    glaub ich nicht

    «die Verzweiflung meiner Mutter nicht mehr ertragen konnte.» - Also dies nehme ich dem Typen nicht ab. Zudem, dies hätte er sich eben früher überlegen sollen.

  • Twins am 15.02.2018 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    Der Gedanke zählt

    Würde ich für meinen Zwillingsbruder auch machen. Er ist aber kein Staatsfeind. Aer ich würde es machen haha.

  • B.Ruderherz am 15.02.2018 13:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Freunde kann man sich aussuchen, die Familie nicht...

  • John McClane am 15.02.2018 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bruderliebe

    Krass gegenüber seinem Zwillingsbruder, den er einfach für seinen Ausbruch opfert

    • Doktor am 15.02.2018 10:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @John McClane

      Er weiss ganz genau, dass der Andere nicht lange drin sein wird.... Wo ist das Problem?

    • Peter S am 15.02.2018 13:04 Report Diesen Beitrag melden

      abgekartet

      Das haben die sicher abgemacht. Welche Betäubungsmittel hat den ein Insasse eines Hochsicherheitsgefängnis zur Verfügung um einen Menschen zu betäuben?

    • Hösli am 15.02.2018 14:45 Report Diesen Beitrag melden

      Betäuben

      der hat sicher nicht seine Hände genommen, und den schnell k.o gehauen oder?

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