2000 m ü. M. in Österreich

09. November 2017 18:47; Akt: 09.11.2017 21:55 Print

Mann nach 5 Tagen in Kluft dank SMS gerettet

In Österreich ist ein Mann auf über 2000 Meter über Meer in eine 30 Meter tiefe Felsspalte gestürzt. Seine Notrufe waren nur wenige Sekunden lang – trotzdem konnte er gerettet werden.

Es waren auch bange Stunden für die Retter, denn sie konnten erst gegen Mittag aus dem Gefahrenbereich ausgeflogen werden: Ein Video der Rettungsaktion. (9. November 2017) Video: Tamedia/Facebook/Polizei Oberösterreich
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Mehr als 100 Stunden Schmerz, Einsamkeit und Verzweiflung: Ein deutscher Bergsteiger ist erst knapp fünf Tage nach einem Sturz in eine Felsspalte am Dachstein in Österreich verletzt geborgen worden.

Die Bergretter entdeckten den 45-Jährigen nach Polizeiangaben am Donnerstagmorgen in der fast 30 Meter tiefen Kluft. Zuvor war es dem von seinem Vater als vermisst gemeldeten Mann gelungen, einen Notruf aus seinem bitterkalten Gefängnis in 2050 Metern Höhe abzusetzen.

«Ein erster Notruf mit nur null Sekunden ging um 21 Uhr ein»

Die Umstände der Rettung waren dramatisch. Es ist anzunehmen, dass der 45-Jährige vier Tage lang vergeblich versuchte, einen Kontakt per Notruf herzustellen. Am Mittwochabend war es ihm dann gelungen. «Ein erster Notruf mit nur null Sekunden ging um 21 Uhr ein», schilderte Alpinpolizist Bernhard Magritzer. Um 23 Uhr hätten die Leitstelle weitere Notrufe mit jeweils ein bis zwei Sekunden erreicht. «Der Kollege hat jemanden schwer atmen gehört und richtig reagiert.»

Bergsteiger nach knapp fünf Tagen aus Felsspalte gerettet

Die Behörden wussten dank der vorangegangenen Ermittlungsarbeit in Deutschland und vor Ort, dass der 45-Jährige im Dachsteingebiet unterwegs sein müsse. Sein tief eingeschneites Auto war dort auf einem Parkplatz von österreichischen Beamten entdeckt worden.

Die Behörden bereiteten sofort eine Rettungsaktion vor, konnten jedoch wegen Dunkelheit und immenser Lawinengefahr zunächst nicht starten. Dann erreichten plötzlich die Notrufe die Polizei. Der Beamte setzte den Kontakt per SMS fort. Dem Verunglückten gelang es, seine GPS-Daten zu übermitteln. «Wir hätten ihn sonst nicht gefunden», meinte Magritzer.

Überlebenschancen sehr gering

25 Retter waren unter Lebensgefahr in der Nacht im Einsatz. Als die Helfer nach stundenlangem Aufstieg in der Nähe des Unglücksorts angekommen waren, riefen sie nach dem Vermissten, der nach einiger Zeit auch antwortete und in 30 Metern Tiefe gefunden wurde. Einer der Helfer seilte sich zu dem Mann ab.

«Es war für ihn und auch für uns eine sehr emotionale Situation. Denn allen war klar, dass die Chancen, aus dieser Lage lebend herauszukommen, sehr gering sind», sagte Einsatzleiter Christian Egger. «Er hat schon nicht mehr an seine Rettung geglaubt.»

Offensichtlich führten glückliche Umstände dazu, dass am Mittwochabend plötzlich ein Handyempfang möglich war, so der Beamte weiter. Da der 45-Jährige auch Fotograf sei, habe er möglicherweise dank Ersatzakkus sein Mobiltelefon noch betreiben können.

«Das Trauma ist ob der grossen Höhe überschaubar»

Der Mann aus Duisburg hatte für den 4. November eine Tour angekündigt und sich seitdem nicht mehr zu Hause gemeldet. Er war bei noch schönen Wetter aufgebrochen und dann kurz vor Erreichen der Adamek-Hütte am Samstag durch die Schneedecke in die Spalte gestürzt.

Der Verunglückte habe sich eine Schulter ausgerenkt und einen Fuss gebrochen. «Das Trauma ist ob der grossen Höhe überschaubar», sagte der Chefarzt des behandelnden Spitals. Der 45-Jährige, der generell in exzellenter körperlicher Verfassung sei, könne die Intensivstation bald wieder verlassen.

(mch/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • René B. am 09.11.2017 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glück gehabt

    Dieser Mann hat ein wahnsinniges Glück gehabt. Aber was es eigentlich wirklich hervorzuheben gilt ist die enorme Leistung die die Retter immer wieder erbringen, und sich für andere Leute in Gefahr begeben. Ein herzliches Dankeschön an alle welche solche Jobs machen.

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  • Piet am 09.11.2017 20:11 Report Diesen Beitrag melden

    Uff!

    Kaum vorzustellen was der arme Kerl für Ängste durchlaufen musste, nur schon alleine die Angst einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen ... Gute Besserung :)

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  • Reto Kieser am 09.11.2017 20:54 Report Diesen Beitrag melden

    Glück & gute Helfer gehabt...

    ... und jetzt wissen wir, wieso man zu zweit tauchen und bergsteigen sollte.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Amelie am 10.11.2017 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gott sei Dank!

    Freue mich riesig für ihn! Gute Besserung!

  • REGA Mittglied am 10.11.2017 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Toll gemacht

    Die Engel vom Himmel (Rettungsheli lässt Grüssen) Haben im geholfen!!

  • Papa Bär am 10.11.2017 03:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ötzi reloaded...

    ...mal mit gutem Ende. Exzellent, gefällt mir.

  • Tonino am 10.11.2017 00:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Digitale Rettung

    Bravo Herzlichen Glückwunsch am neuen Leben. So ei toller Schutzengel bekommt nicht jeder. Eins würde mich brennend interessieren..... was für ein Handy Akku hält 5 Tage und noch bei dieser Kälte?

    • Karl Karli am 10.11.2017 04:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tonino

      Tonino... bitte alles lesen. Unten stehts ja....

    • Flo. am 10.11.2017 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tonino

      Powerbanks... Er ist laut Artikel hobby Fotograph.

    • Martin am 10.11.2017 08:42 Report Diesen Beitrag melden

      @Tonino

      Zu sagen ist noch das (wenn es ein Smartphone war) Handys bei extremer Kälte sicherheitsmässig abstellen. Hab das selbst erlebt bei -10 Grad draussen rumgelaufen. Handy geht aus. Im Auto an die Steckdose gings wieder. Wieder raus 2min später wieder aus. Akku war noch 30% muss er wohl mit seiner Körperwärme erwärmt haben.

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  • Selbst Bergsteiger am 09.11.2017 23:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Halte nichts davon.

    Leider trifft man auf Gletschern und Graten immer mehr Solo-Gänger an. Sie nehmen das extrem viel grössere Risiko bewusst in Kauf und deshalb bin ich strikt gegen waghalsige Rettungsaktionen für Solo-Kletterer. Traurig aber fair.

    • Realist am 10.11.2017 10:33 Report Diesen Beitrag melden

      teilweise richtig, aber...

      Solo-Gänger handeln fahrlässig und gefährden womöglich unnötig die Retter wenn diese in eine Notsituation kommen. Allerdings zu verlangen, man solle gewisse Menschen nicht retten, nur weil sie einen Fehler gemacht haben, ist jenseits jeder Moral. Was kommt als nächstes? Leute mit Vorstrafe nicht retten?

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