Potsdam

03. Dezember 2017 15:49; Akt: 03.12.2017 16:54 Print

Hinter Paketbombe steckt Erpressung

In Potsdam hatte ein Päckchen einen Bombenalarm ausgelöst. Damit sollten offenbar Millionen vom Paketdienst DHL erpresst werden.

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Das verdächtige Paket am Potsdamer Weihnachtsmarkt geht auf eine Erpressung des Paketdienstes DHL zurück. Die am Freitag an eine Apotheke gesendete Lieferung mit einem Feuerwerkskörper stehe in diesem Zusammenhang, sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter am Sonntag vor den Medien. Der oder die Täter verlangten eine Millionensumme.

Den Ermittlern zufolge konnte ein Drohschreiben aus dem zerstörten Paket rekonstruiert werden. Das Erpresserschreiben versteckte sich hinter einem so genannten QR-Code, der mit einem Smartphone eingescannt werden kann. Aus dem Schreiben gehe die Erpressung gegen DHL hervor.

Anfang November wurde den Ermittlern zufolge bereits ein ähnliches Paket an einen Online-Händler in Frankfurt an der Oder gesendet. Dieses sei beim Öffnen in Brand geraten, sagte Polizeichef Hans-Jürgen Mörke. Dadurch verbrannte das Erpresserschreiben.

In der Potsdamer Sendung sei aber auf die erste Tat Bezug genommen worden. Sie war am Donnerstagmorgen an einer Paketstation in der Brandenburger Landeshauptstadt vor den Toren Berlins abgegeben worden.

Der von der Erpressung betroffene Paketdienst DHL wollte zu dem Fall derzeit keine Stellung nehmen, wie DHL-Sprecher in Bonn am Sonntag sagte. Er verwies auf die Ermittlungen der Polizei.

Regional handelnde Täter

Der oder die Täter nähmen schwerste Verletzungen der Adressaten oder sogar deren Tötung billigend in Kauf, sagte Brandenburgs Innenminister Schröter. Es scheine sich nach bisherigen Erkenntnissen um regional handelnde Täter aus Berlin oder Brandenburg zu handeln.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit habe die Zustellung der «Briefbombe» aber nicht dem Weihnachtsmarkt gegolten, sagte Schröter.

Ermittelt werde wegen versuchter Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und versuchter schwerer räuberischer Erpressung, sagte der Leitende Potsdamer Oberstaatsanwalt Heinrich Junker.

Weitere Sendungen möglich

Die Sicherheitsbehörden halten weitere Sendungen dagegen für möglich oder sogar wahrscheinlich, wie Brandenburgs Polizeipräsident Mörke sagte. Betroffenen seien bislang vor allem kleine Unternehmen. Auch die Sendung an Privatpersonen sei aber nicht auszuschliessen, hiess es.

Sprengstoffexperten der Bundespolizei hatten am Freitag ein Paket unschädlich gemacht, das in einer Apotheke mitten in der Potsdamer Innenstadt und direkt am Weihnachtsmarkt abgegeben worden war. Der Apotheker habe beim Aufmachen ein Zischen gehört, hiess es.

Die Sendung wurde von einem Postzustelldienst zugestellt, darin befanden sich eine Blechbüchse mit Nägeln, Batterien sowie Drähte und ein verdächtiges Pulver, ausserdem ein so genannter Polenböller. So werden umgangssprachlich Feuerwerkskörper bezeichnet, die wegen Sicherheitsmängeln in Deutschland illegal sind.

Paket war zündfähig

Den Ermittlern erscheint es inzwischen als wahrscheinlich, dass das Paket zündfähig war. Dass es keine Explosion gab, sei offenbar einem glücklichen Zufall zu verdanken, sagte Innenminister Schröter. Wenn der Sprengsatz «zur Umsetzung gekommen wäre, hätte er schwere Verletzungen» zur Folge gehabt. Am Freitag hatte es zunächst geheissen, dass in dem Paket vermutlich kein Zünder enthalten war.

Für die Fahndung setzte die Polizei eine Ermittlungsgruppe «Luise» ein – benannt nach der Apotheke, an die das Paket geschickt worden war. In der Gruppe arbeiten rund 25 Kriminalisten.

(chi/afp)