Japanische Mörderin

07. November 2017 10:34; Akt: 07.11.2017 10:34 Print

Auf «Schwarze Witwe» wartet die Todesstrafe

Chisako Kakehi hatte es auf das Geld älterer, kinderloser Männer abgesehen. Drei Lebenspartner vergiftete sie – jetzt erwartet sie selbst der Tod.

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In Japan ist eine 70-jährige Frau wegen dreifachen Mordes zum Tode verurteilt worden. Ein Gericht in Kyoto sprach die einstige Millionärin Chisako Kakehi am Dienstag schuldig, drei Männer, darunter ihren Ehemann, ermordet zu haben. Ihr wird zudem ein Mordversuch zur Last gelegt. Der Prozess hat in Japan grosses Aufsehen erregt. In Anlehnung an die Spinne, die nach der Paarung ihren männlichen Partner auffrisst, wird Kakehi in japanischen Medien als «Schwarze Witwe» bezeichnet.

Der Anklage zufolge tötete Kakehi ihre Opfer, um an deren Vermögen zu kommen. Einige ihrer Lebenspartner lernte sie über ein Datingportal kennen, bei dem sie gezielt nach wohlhabenden und kinderlosen Männern suchte. Bevor sie die Männer mit dem Gift Zyanid tötete, liess sie sich deren Lebensversicherungen überschreiben. Auf diese Weise soll sie über zehn Jahre lang umgerechnet 8,9 Millionen Franken kassiert haben. Einen Grossteil des Vermögens verlor sie laut «Telegraph» dann aber durch erfolglose Finanzgeschäfte.

Spätes Geständnis

Nach ihrer Festnahme beteuerte die Mehrfach-Witwe zunächst ihre Unschuld, sie sei schlichtweg «vom Schicksal verfolgt». Beim Prozessauftakt im Juni äusserte sie sich nicht. Später gestand sie dann überraschend, 2013 ihren vierten Ehemann getötet zu haben. «Ich tötete ihn, weil er anderen Frauen Millionen Yen gab, mir aber nicht einmal einen Pfennig», sagte sie vor Gericht. Ihre Verteidigung hatte wegen erster Anzeichen von Demenz auf mildernde Umstände plädiert.

Japan ist neben den USA das einzige grosse Industrieland, das noch die Todesstrafe vollstreckt. Trotz Protesten der EU-Staaten und von Menschenrechtsgruppen unterstützt die grosse Mehrheit der Japaner die Todesstrafe. Gegner der Todesstrafe kritisieren, dass Todeskandidaten in Japan oft jahrelang in Einzelhaft auf ihre Hinrichtung warten, deren Zeitpunkt ihnen dann nur wenige Stunden vorher angekündigt wird.

(mlr/afp)