Gewappnet für den Untergang

13. November 2017 13:23; Akt: 14.11.2017 07:28 Print

Ein Atombunker aus 42 vergrabenen Schulbussen

Weil Bruce Beach von einer nuklearen Katastrophe ausgeht, hat er den wohl grössten privaten Schutzbunker Kanadas gebaut. Darin ist die Zeit stehen geblieben.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bruce Beach (83) ist überzeugt davon, dass es zur nuklearen Katastrophe kommen wird. Heute mehr denn je, meint er und verweist auf die Doomsday Clock, die Atomkriegsuhr. Die symbolische Uhr der Zeitschrift «Bulletin of the Atomic Scientists» soll der Öffentlichkeit verdeutlichen, wie gross das derzeitige Risiko eines Atomkrieges ist. Zurzeit steht ihr Zeiger auf 2,5 Minuten vor 12 und damit so nah vor Mitternacht wie seit den frühen 80er Jahren nicht mehr.

Beach und seine Frau wappnen sich im kanadischen Horning's Mills, rund zwei Autostunden nordwestlich von Toronto, seit nunmehr 50 Jahren für den GAU. Sie haben sich auf ihrem Land einen unterirdischen Atombunker gebaut. Fast 100'000 Quadratmeter ist er gross. Seine Hauptstruktur besteht aus 42 gelben Schulbussen, die sie für je 300 Dollar erworben, im Boden versenkt und mit Erde und Zement überdeckt haben. «Ark Two» («Arche zwei»), nennen sie den riesigen Bunker stolz.

Gewappnet für eine nukleare Katastrophe: So sieht es im Bunker aus. (Video: Tamedia/Toronto Star)

Commodore-Computer und Drehscheiben-Telefone

Die Dächer der Busse seien bereits mit dickem Stahl verstärkt gewesen, sodass sie sich perfekt als Bunker-Einheiten geeignet hätten, sagt Beach der kanadischen «National Post».

Wenige Meter unter der Erde erwarten Besucher nebst Dunkelheit, Feuchtigkeit und schimmligen Wänden zahlreiche Räume und Gänge, in denen die Zeit stehen geblieben ist. Veraltete Sicherheitsmonitore, Commodore-Computer, ein verrosteter Heimtrainer, der dazu gedacht ist, Getreide zu mahlen, wenn man in seine Pedalen tritt.

Es gibt einen Empfangsraum, einen Spielraum für Kinder, Badezimmer, Kajütenbetten und Regale voller Konserven – ein Glas mit Gurken stammt aus dem Jahr 1987. Selbst einen uralten Zahnarztstuhl gibt es.

Überall stehen Körbe mit WC-Papier, und in einem Dekontaminierungsraum steht eine Kiste mit Anti-Strahlenanzügen. Zumindest ist sie so angeschrieben. Auch eine funktionierende Standleitung für die Drehscheiben-Telefone gibt es.

Platz für 350 Personen

Mit dem Projekt begannen die Beaches 1980, bereits 1982 war es fertig. Glücklicherweise musste die «Ark Two» nie genutzt werden – vielmehr mottet sie vor sich hin. «Die grösste Herausforderung ist die sich so schnell wandelnde Technologie», sagt Beach. Und dass die Arbeiten am Bunker nie aufhören würden. «Wir müssen hier immer aufräumen, reparieren und umstellen.»

An den Wochenenden kommen jeweils Bruce Beaches' «Bunkerfreunde» und helfen ihm bei der Instandhaltung. Diese etwa 50 Leute haben einen garantierten Zutritt im Fall einer Nuklearkatastrophe. Insgesamt hätten 300 weitere Personen Platz in dem Schutzbunker. «Ich glaube aber nicht, dass er im Kriegsfall voll belegt wäre und viele herunterkommen wollen würden», sagt der 83-Jährige.

Einfach das Weltuntergangs-Datum verschieben

Allerdings ist Beach bei Bunker-Besuchern und möglichen späteren Belegern wählerisch: Reporter der «National Post» mussten erst Holz hacken, bevor sie ihm in sein unterirdisches Schulbus-Labyrinth unter der Erde folgen durften.

«Ich weiss, dass viele Leute denken, ich sei verrückt», sagt Beach. Es ist ihm offensichtlich egal. «Ich sagte immer, das Ende der Welt werde heute in zwei Jahren kommen. «Jetzt sage ich, dass es bereits in zwei Wochen so weit ist.» Sollte er falsch liegen, werde er das Datum einfach verschieben – «das habe ich schon früher gemacht».


(gux)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Innerschweizer am 13.11.2017 14:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bunker

    Da fragt man sich wo die Gefahr grösser ist, draussen oder drinnen.

    einklappen einklappen
  • Melifera am 13.11.2017 14:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gruusig

    und dieses Gammelige Loch soll dich schützen? da wird man doch schneller krank als bei einem Atomangriff :)

  • cheffe am 13.11.2017 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    finde den fehler

    der "cry room/nursery" neben der "silent library" sollte evtl nochmals überdacht werden ;)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Musician am 14.11.2017 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Maschienen

    Orthografie ist nicht jedermanns Sache

  • Walt am 14.11.2017 17:13 Report Diesen Beitrag melden

    Das erinnert doch an was...

    Die Beschreibung klingt wie die eines Schweizer Militärbunkers.

  • Tanja Wyss am 14.11.2017 10:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Atombunker?

    Tja, statt Leichtbaukarosserien die mit Zement überdeckt sind, würde ich für einen Atomkrieg dann doch eher einen stark armierten Stahlbetonbunker empfehlen, der 150 Meter unter der Oberfläche liegt. Aber hey jedem das seine.

  • Igel am 14.11.2017 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr schön

    Was nützt ein solcher Bunker wenn mann hunderte von Jahren da eingesperrt ist. Wo ist das Wasser der Strom? Kerzen brauchen Sauerstoff zum Brennen. Essensvorräte sind schnell weg. Und was noch alles kommt.

  • Stiller Beobachter am 14.11.2017 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Günstigere Modelle

    Es gibt weniger teure Anlagen die jeder unter seinem Haus oder tief unter dem Garten komplette Anlagen bauen kann. Die Idee ist von Bruce Beach zwar Super, die Unterhaltskosten aber auch.