«Das ist sehr speziell»

12. Oktober 2017 07:43; Akt: 12.10.2017 16:15 Print

Hurrikan Ophelia wirbelt auf Europa zu

Es ist ein ungewöhnliches Bild: Statt in Richtung der Karibik oder des US-Festlands zeigen Ophelias Ausläufer auf Europa. «Das ist sehr speziell», sagt ein Meteorologe.

Eine Visualisierung der Hurrikan-Stufen. (12. Oktober 2017) Bild: Tamedia/National Hurricane Center
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Über dem Atlantik hat sich der tropische Sturm Ophelia zu einem Hurrikan der Kategorie eins entwickelt, mit Windspitzen von über 140 Kilometer pro Stunde. In den nächsten zwei Tagen wird er sich noch leicht verstärken.

Ophelia ist bereits der zehnte Sturm in unmittelbarer Folge, der als Hurrikans eingestuft wird. Das habe es in einer Hurrikansaison zum letzten Mal im Jahr 1893 gegeben.

Langsam unterwegs

Die Karte mit der Windvorhersage des US-Hurrikanzentrums NHC zeigte in der Nacht zum Donnerstag ein sehr ungewöhnliches Bild: Statt in Richtung der Karibik oder dem US-Festland zeigen Ophelias Ausläufer auf Europa.

Trotz der reissenden Winde um das Zentrum des Sturms geht Ophelia als Ganzes ihre Reise recht gemächlich an: Der Hurrikan ist am heutigen Donnerstag mit nur 6 Kilometern pro Stunde in Richtung Nordosten unterwegs.

Gemäss der Prognose des NHC wird sich der Hurrikan am morgigen Freitag nicht nur verstärken, sondern auch leicht schneller fortbewegen. Demnach könnten Ophelias Winde am Montag bis nach Irland und Grossbritannien reichen.

Die Vorhersage der Meteorologen spricht aber von keinerlei Schäden. Das überrascht kaum: Laut aktuellen Prognosen stehen die Chancen, dass Winde der niedrigsten Hurrikan-Stärke Irland erreichen, bei weniger als 5 Prozent.

Die Wahrscheinlichkeit von Windgeschwindigkeiten über 119 Kilometern pro Stunde – die unterste Hurrikan-Stufe: Die aktuelle Prognose des US-Hurrikanzentrums. (12. Oktober 2017) Bild: www.nhc.noaa.gov

Meteorologe hat so etwas «noch nie gesehen»

Das Besondere an Ophelia sind aber ohnehin nicht die möglichen Schäden, sondern dass ein Sturm dieser Stärke an den Azoren vorbeizieht und Irland – wenn auch voraussichtlich nur als Tropensturm – trifft. «Das ist schon sehr speziell», sagt Klaus Marquardt von Meteonews auf Anfrage. «Ich arbeite seit 15 Jahren als Meteorologe und habe das in dieser Form mit dieser Zugbahn noch nie gesehen.»

Hurrikane im Atlantik haben ihren Ursprung oft in den sogenannten «Easterly Waves» – also Störungen in der Passatströmung, die westwärts über die Sahelzone zieht. Über dem Atlantik können aus diesen Störungen dann Sturmsysteme entstehen.

Es ist normal, dass diese Sturmsystem auf ihrem Weg in Richtung Amerika nordwärts abdriften können – oft entlang der US-Ostküste in Richtung Neufundland, oder mitten über dem Atlantik in Richtung Island. Allerdings tendieren sie stark dazu, sich wegen der tieferen Wassertemperatur im Norden des Atlantiks abzuschwächen und zu grösseren Tiefdruckgebieten zu versiegen.

(mch/sda)