Flughafen in Kansas

19. September 2017 21:25; Akt: 19.09.2017 21:25 Print

Vermisster Mann sass acht Monate tot im Truck

Während seine Familie verzweifelt nach Randy Potter suchte, fuhren am Flughafen von Kansas City zahllose Autos achtlos an seiner Leiche vorbei.

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Seit dem 17. Januar 2017 war Randy Potter verschwunden. Seine Familie schaltete die Polizei ein, um nach dem vermissten 53-Jährigen zu suchen – monatelang vergebens. Am vergangenen Dienstag fand die Polizei von Kansas City schliesslich die Überreste des Verstorbenen. Potter hatte acht Monate lang tot hinter dem Steuer seines Pick-up-Trucks am Kansas City International Airport gesessen.

Das Fahrzeug stand die ganze Zeit über auf einem Parkplatz an dem belebten Flughafen. Jeden Tag fuhren zahllose Autos durch das Parkdeck, Tausende Menschen gingen an dem Truck vorbei – und niemand nahm Notiz von ihm. Die Beamten waren schliesslich gerufen worden, weil dem weissen Truck ein übler Geruch entströmte.

Schwere Vorwürfe gegen Ermittler

Potters Leiche war bereits so verwest, dass die Ermittler zunächst weder Geschlecht noch ethnische Herkunft feststellen konnten. Erst später wurde er identifiziert. Die mutmassliche Todesursache ist Suizid.

Die Familie des früheren T-Mobile-Managers aus der Kleinstadt Lenexa erhebt jetzt schwere Vorwürfe gegen die Ermittler. Potters Nichte Melissa Alderman sagte dem «Kansas City Star», sie habe die Polizei schon wenige Tage nach Potters Verschwinden gebeten, doch auch die Parkplätze am Flughafen abzusuchen. Sie habe sogar der Flughafenbehörde das Autokennzeichen durchgegeben, falls der Truck dort gefunden werde. Offenbar nahm aber niemand ihren Tipp ernst.

«Einen geliebten Menschen zu verlieren, ist hart», sagt Alderman. «Einen geliebten wegen Suizid zu verlieren, ist noch zehnmal härter. Aber zu wissen, dass er da sass und über acht Monate austrocknete, ... ich kann nicht atmen. Wie viele tausend Fahrzeuge sind vorbeigefahren? Wie viele Menschen vorbeigegangen? Es ist abscheulich und eine totale Missachtung des menschlichen Lebens», so die Nichte zur Zeitung.

Anwalt untersucht den Fall

Potters Verwandte, deren Anwalt und ein Privatdetektiv glauben, dass der Vermisste starb, kurz nachdem er in seiner Heimatstadt Lenexa das letzte Mal lebend gesehen wurde. Auch seine Frau Carolina kann nicht fassen, was passiert ist. «Wie ist das in Amerika möglich?», klagt die Witwe gegenüber dem «Star». Wenn die Ermittler ihre Arbeit ordentlich gemacht hätten, hätte er sehr viel früher gefunden werden können, ist sie überzeugt.

Ihr Anwalt soll nun herausfinden, was genau passiert ist und ob eventuelle Versäumnisse der Ermittler und der Behörden vorliegen. Auch die Stadt Kansas City will gemäss «New York Post» zusammen mit dem Parkplatz-Betreiber herausfinden, wie Potters Leiche so lange unbemerkt bleiben konnte.

(mlr)