Bunker, Waffen, Essen

25. Januar 2017 08:05; Akt: 25.01.2017 11:17 Print

Milliardäre bereiten sich auf Armageddon vor

Wenn ein Bürgerkrieg ausbricht oder eine Naturkatastrophe alles Leben auslöscht, ist Amerikas Oberschicht gewappnet – dank Bunkern, Vorräten und Helikoptern.

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Die kalifornische Firma Vivos bietet Leuten mit dem nötigen Kleingeld unterirdische Bunker an, in denen diese im Falle einer Katastrophe lange überleben können. Die Bunker sind mit allen möglichen Annehmlichkeiten ausgestattet. Potenzielle Kunden sind vor allem US-Bürger, die sich so etwas leisten können. Steve Huffman, CEO von Reddit, hat sich ein Reservoir an Waffen, Munition, Motorrädern und Essen zugelegt für den Fall, dass es zum Weltuntergang kommt. Auch Tim Chang, Geschäftsführer der Risikokapitalgesellschaft Mayfield Fund, sorgt vor. Er und seine Familie haben ihre Taschen immer gepackt und Ferienhäuser in mehreren Ländern, in die sie flüchten könnten. Sicherer als ein Ferienhaus ist ein Bunker, geht es nach der Firma Vivos. Dank riesigen Schlafzimmern dürften sich auch Leute, die sonst in Villen leben, nicht eingeengt fühlen. Das Bild zeigt eine Simulation für das Projekt Vivos xPoint. Jede Einheit in dem Bunker-System, das 5000 Menschen Platz bieten soll, ist für zehn bis 20 Personen ausgelegt. Sogar Heimkinos und Billard-Tische sind vorgesehen. So sehen die Bunker nahe der Stadt Edgemont in South Dakota von aussen aus. Die Bunker gehören zu einem ehemaligen Munitionslager. Einer der Bunker von innen. Gründer der Firma Vivos ist Robert Vicino. Die Firma wirbt mit dem Spruch: «Niemand glaubte Noah, bis es zu spät war!» Der Vivos-Homepage zufolge ist ein einfacher Bunker für 25'000 US-Dollar Vorauszahlung zu haben. Die Pacht ist auf 99 Jahre ausgelegt und kostet 1000 US-Dollar im Jahr.

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Unter den Tech-Tycoons im Silicon Valley und den Hedgefonds-Managern in New York macht sich offenbar ein Trend breit: Viele Superreiche in den USA treffen aufwendige Vorkehrungen für den Fall, dass das Land im Chaos versinkt – sei es durch Naturkatastrophen oder durch Krieg. Das Magazin «The New Yorker» hat mit mehreren wohlhabenden US-Bürgern gesprochen und ihnen ihre Strategie für den Ernstfall entlockt.

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Antonio García Martínez, ein ehemaliger Facebook-Produktmanager aus San Francisco, hat sich zum Beispiel ein grosses Stück Wald auf einer Insel im nordwestlichen Pazifik gesichert. Dort bunkert er Generatoren, Solarkollektoren und grosse Mengen an Munition. Er habe ein Refugium gesucht, das weit weg von allen Städten, aber dennoch nicht isoliert sei, erzählt der 44-Jährige dem Magazin. Wenn Gefahr drohe, ist er überzeugt, müsse man eine lokale Miliz bilden. Er habe viele Freunde, die ebenso dächten wie er.

Taschen immer gepackt

In privaten Facebook-Gruppen tauschen die reichen Überlebenskünstler Tipps über Gasmasken, Bunker und Verstecke vor dem Klimawandel aus. «Ich habe immer einen Helikopter vollgetankt und habe unter der Erde einen Bunker mit Luftfilter-System», sagt der Chef einer Investment-Firma, der anonym bleiben will.

Steve Huffman, der CEO des Social-News-Aggregators Reddit, hat sich vor anderthalb Jahren sogar die Augen lasern lassen, um in einem möglichen Überlebenskampf zu bestehen. «Wenn der Weltuntergang bevorsteht oder es sonstwie Ärger gibt, wird es verdammt schwierig werden, eine Brille oder Kontaktlinsen zu ersetzen. Ohne die bin ich am Arsch», bringt der 33-Jährige seine Sorge auf den Punkt. Natürlich hat er auch ein Reservoir an Waffen, Munition, Motorrädern und Essen angelegt. «Ich kann mich für eine ganze Weile zu Hause verschanzen», sagt Huffman. Warum Motorräder? Damit kommt man besser durch, wenn verzweifelte Autofahrer die Strassen verstopfen. Der Film «Deep Impact» aus dem Jahr 1998 hatte den damaligen Schüler schwer beeindruckt.

Andere Silicon-Valley-Grössen wie Tim Chang, Geschäftsführer der Risikokapitalgesellschaft Mayfield Fund, legen sich Ferienhäuser in anderen Ländern zu, um im Fall der Fälle einen Zufluchtsort zu haben, und informieren sich darüber, wie man an einen zweiten Pass gelangen kann. Er und seine Frau haben für sich und ihre vierjährige Tochter immer gepackte Taschen parat, um bei einem Bürgerkrieg oder nach einem Erdbeben schnell verschwinden zu können.

Viele Reiche sorgen vor

Der Survival-Boom schlägt sich seit längerem auch in den Medien nieder. Die erfolgreichste Sendung in der Geschichte des TV-Senders National Geographic ist «Doomsday Preppers», eine Reality-Show aus dem Jahr 2012, in der sich US-Bürger auf den Weltuntergang vorbereiten. Zudem versetzte die Wiederwahl Barack Obamas vor vier Jahren der Survival-Industrie einen Schub. Konservative fürchteten, Obama schüre Konflikte zwischen den Rassen, verschärfe die Waffengesetze und vergrössere die Staatsschulden.

Wie viele reiche Amerikaner für den Fall einer Katastrophe Vorkehrungen treffen, ist schwer zu sagen. Reid Hoffman, Mitgründer von LinkedIn, geht davon aus, dass mehr als 50 Prozent aller Silicon-Valley-Milliardäre Vorkehrungen getroffen haben. Besonders beliebt als Fluchtort: Neuseeland. Wenn jemand sagt, er habe ein Haus dort gekauft, sei klar, wozu er das brauche, sagt Hoffman dem «New Yorker».

Überleben im Bunker

Ein ganzer Geschäftszweig schlägt aus den Ängsten bereits Profit. Die kalifornische Firma Vivos etwa bietet Bunker-Luxuswohnungen an, in denen Menschen mit dem nötigen Geld längere Zeit überleben können. Den ersten Untergrund-Unterschlupf hat das Unternehmen in Indiana fertiggestellt – 80 Menschen sollen dort ein Jahr ausharren können.

Ein weiteres Bunker-System für 5000 Menschen errichtet der Konzern bis September 2017 in South Dakota. Ein europäisches Mammut-Projekt plant Vivos im thüringischen Rothenstein. Im Bunker-Komplex «Vivos Europa One», der einst von den Sowjets errichtet wurde, sollen dereinst 6000 Menschen Zuflucht finden. Die Zufluchtsorte sind luxuriös ausgestattet, je nach Geldbeutel sind Pools, Fitnessräume, Bars oder grosszügige Badezimmer inklusive.

(mlr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Loreley am 25.01.2017 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gedanken

    Und das Fussvolk geht vor die Hunde. Nur: wer sorgt danach dafür, dass es weitergeht? Oder kann so ein verwöhnter Multimillionär mit dem Schraubenzieher umgehen? Weiss er/sie, wie ein Staubsauger funktioniert? Wäre ja interessant zu sehen, wie Herr und Frau Reich den Alltag meistern würden. Ohne Chauffeur, Koch und Dienstmagd.

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  • Ueli am 25.01.2017 08:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hm, warum?

    Warum eigentlich möchte man in solch einem Fall überleben?

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  • Sir Vivor am 25.01.2017 08:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Na dann, viel Spass. Wird bestimmt toll.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruedi am 26.01.2017 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    nur so ein (kopierter) Gedanke

    Ich zitiere Dürrenmatt: Wieso muss die Bevölkerung mit untergehen, wenn das Militär untergeht?

  • Werner am 26.01.2017 07:24 Report Diesen Beitrag melden

    Negative Energie Spirale

    Anstatt dir ganze Energie in diese Prepping-Projekte zu investieren was ja nicht nur Reiche machen sondern auch Millionen andere und dann auf den Weltuntergang zu hoffen könnte man diese Energie auch in neue Projekte investieren und die Welt erschaffen die man sich wünscht, aber dieses Verhalten voller Angst zeigt wie es tief innen drin aussieht. Wenns drauf ankommt kann dich niemand Beschützen ausser Gottes Wille! In der Welt des Fleischlichen gibt es keinen Sicherheit, das ist eine Illusion...

  • Richkid am 25.01.2017 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hä?

    Für Superreiche?! 25'000.- Anzahlung und 99 Jahre lang 1000.- im Jahr ist nicht viel!

  • Gabriela am 25.01.2017 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu wenig nachgedacht

    Wie wollen denn die ganzen " Reichen" ohne " Fußvolk" überleben ???

  • Simplex am 25.01.2017 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prepper Milliardäre

    Bedenklich das immer mehr Reiche anfangen zu preppen. Die Regierungen haben das schon längst gemacht... Die wissen warscheinlich alle mehr als wir!