Mount Everest

24. Mai 2017 14:20; Akt: 24.05.2017 15:19 Print

Vier Bergsteiger tot in Zelt aufgefunden

Auf der Suche nach einem Verunglückten sind Bergungskräfte in einer Höhe von 7950 Metern auf vier Leichen gestossen. Die Hintergründe sind unklar.

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Ein letztes Hindernis zum Gipfel: Der britische Bergsteiger Tim Mosedale besteigt den Mount Everest. (Screenshot: Facebook) Waren sie gar die Ersten? Das Bild aus dem Jahr 1924 zeigt die britischen Alpinisten George Mallory (l.) und Andrew Irvine in ihrem Lager am Everest. Wenig später verunglückten sie am Berg. Mallorys Leiche wurde 1999 gefunden, Irvine bleibt verschollen. Ob sie auf dem Gipfel waren, konnte nie geklärt werden. Der einfachere Weg: Lord Clydesdale überfliegt 1933 als erster Mensch den 8848 Meter hohen Mount Everest. Gipfel der Gefühle: Am 29. Mai 1953 stehen Edmund P. Hillary und Sherpa Tenzing Norgay auf dem Mount Everest, dem Dach der Welt. Ohne Sauerstoff bei dünner Luft: Am 8. Mai 1978 erklimmen Reinhold Messner (l.) und Peter Habeler als erste Menschen den höchsten Berg ohne Sauerstoffgeräte. Massives Massiv: Der Berg entstand zusammen mit dem übrigen Himalaya-Gebirge als Folge der Kollision der indischen mit der eurasischen Platte. Er ist nach dem britischen Landvermesser George Everest benannt. (2. Juni 2007) Bis Ende 2010 können insgesamt 5104 Gipfelerfolge gezählt werden. Davon wurden nur 173 Besteigungen ohne Zusatzsauerstoff durchgeführt. Etwa ein Fünftel aller Aspiranten schafft es, den Gipfel zu erreichen. Stau am Berg: Am 23. Mai 2010, dem bisher grössten Ansturm, standen 169 Menschen auf dem höchsten Berg der Erde. Aufgrund des Andrangs kann es zu gefährlichen Verzögerungen kommen. Die höchste Müllkippe der Erde: Alte Zelte, Seile, Sauerstoffflaschen und Nahrungsmittelverpackungen verschmutzen das Everest-Gebiet. In regelmässigen Abständen werden Expeditionen ausgerichtet, die tonnenweise Müll aus den Hochlagern vom Berg herunterholen. Reife Leistung: Der Japaner Yuichiro Miura stand am 23. Mai 2013 auf dem Gipfel des Everest. Damals war er 70 Jahre alt und damit offiziell der älteste Mensch, dem der Aufstieg gelungen ist. (26. Mai 2013) Der 13-jährige Kalifornier Jordan Romero steht am 22. Mai 2010 als jüngster Mensch auf dem höchsten Punkt der Erde. Raha Moharrak steht am 18. Mai als erste saudische Frau zuoberst auf dem Everest. Am 23. Mai 2001 erreichte die Bergführerin Evelyne Binsack als erste Schweizerin den höchsten Gipfel der Welt. Im Bild: Binsack bei einem Vortrag im Zürcher Volkshaus. (2. April 2003) Auf dem Olymp: Chinesische Bergsteiger tragen am 8. Mai 2008 die olympische Flagge auf den Gipfel des Everest. Im ewigen Eis: Bis Mai 2011 starben am Everest insgesamt 219 Menschen. Häufige Todesursachen sind Abstürze, Erfrierung, Erschöpfung, Höhenkrankheit und Lawinen. Schwarzer Tag: In einem am Mittag aufziehenden Höhensturm kamen 1996 mehrere Bergsteiger aus der Gipfelzone nicht mehr zurück zu ihren Zelten, unter anderem sehr erfahrene Expeditionsleiter. 12 Menschen starben.

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Erneut sind mehrere Bergsteiger beim Versuch, den höchsten Berg der Welt zu bezwingen, ums Leben gekommen. Am Mount Everest wurden die Leichen von vier Bergsteigern entdeckt, wie ein Expeditionsveranstalter am Mittwoch mitteilte.

Die Toten seien am Dienstag bei der Suche nach der Leiche eines am Sonntag verunglückten Bergsteigers in einer Höhe von 7950 Metern in einem Zelt gefunden worden.

«Unsere Bergungskräfte haben die Leichen von vier Bergsteigern in einem Zelt in Camp IV gefunden», sagte Mingma Sherpa von der Agentur Seven Summits Trek in Kathmandu, die Expeditionen und Rettungsmissionen leitet. «Wir wissen nicht, wer sie sind und wodurch sie ums Leben gekommen sind.»

Kohlenmonoxid-Vergiftung?

Örtlichen Medienberichten zufolge handelte es sich bei den Toten um zwei ausländische Bergsteiger sowie um zwei Sherpas. Von den Behörden gab es dafür zunächst keine Bestätigung.

Der US-Kenner des Mount Everest Alan Arnette vermutete in seinem Blog, die vier Bergsteiger seien an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben, als sie in ihrem Zelt Gaskocher benutzt hätten. «Das ist nicht nur traurig, sondern völlig unverantwortlich», schrieb Arnette. Sollte seine Vermutung zutreffen, bedeute dies, dass «grundlegende Camping-Regeln» missachtet worden seien.

Zugleich erhob der US-Experte Vorwürfe gegen die Begleiter der ausländischen Alpinisten. «Die Ausländer bezahlen die Führer, damit sie sich um sie kümmern.» Die Bergsteiger hätten es «besser wissen müssen», und ihre «sogenannten Sherpas haben ihre Arbeit nicht gemacht».

Bisher zehn Tote

Insgesamt starben in dieser Saison bereits zehn Bergsteiger am Mount Everest, unter ihnen der Schweizer Ueli Steck. Erst am Wochenende waren vier Menschen am höchsten Gipfel der Welt ums Leben gekommen.

Als Todesursache wurde die Höhenkrankheit vermutet. Es war das tragischste Wochenende auf dem «Dach der Welt» seit dem Lawinenunglück mit 18 Toten im Jahr 2015.

Der Slowake Vladimir Strba wurde einige Hundert Meter vom Gipfel entfernt tot entdeckt – in der sogenannten Todeszone oberhalb von 8000 Metern, wo der Sauerstoffmangel die Funktion der menschlichen Organe beeinträchtigt. Ein Bergungstrupp, der Strbas Leiche bergen sollte, stiess dann auf die vier Leichen im Zelt.

Mehr als 382 Bergsteiger erreichten den 8848 Meter hohen Gipfel von der Südseite her; rund 120 weitere schafften es von der tibetischen Seite. Die kurze Bergsteigersaison im Himalaja dauert nur von April bis Ende Mai. Ab Juni sorgt der Monsun-Regen für erschwerte Bedingungen.

Nepal stellte für diese Saison die Rekordzahl von 373 Genehmigungen für die Besteigung des Mount Everest aus. Auf tibetischer Seite wurden 136-mal eine Erlaubnis erteilt, den Berg von der Nordflanke her zu erklimmen.

Hillary Step nicht abgebrochen

Derweil bestritten mehrere erfahrene Alpinisten Angaben, wonach der Hillary Step zerstört sein soll. Die zwölf Meter hohe Felsstufe, das letzte Hindernis auf dem Weg zum Gipfel, sei «unverändert», hiess es.

Allerdings sei ein grosser Stein oberhalb davon herabgestürzt, erklärte Pemba Dorje Sherpa, der am Samstag zum 16. Mal den Gipfel bezwang. «Deswegen war es einfacher, den Gipfel zu erreichen, aber vielleicht hat das die Leute verwirrt und sie dachten, die Stufe sei weg.»

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • t.t. am 24.05.2017 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Mittleid habe ich nicht wirklich, es heisst nicht ohne Grund "Extremsport". Wer sich so ewas antut muss den Tot als ständigen Begleiter akzeptieren.

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  • Grumpy am 24.05.2017 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständnis

    Das ist einfach nur noch riskanter, umweltverachtender Massentourismus.

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  • Specht am 24.05.2017 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Vier mehr

    Den Artikel kann man kürzer fassen: "Am Mount Everst gibt es neu vier Tote mehr." Oder die Mitteilung ganz einfach weglassen, sie bewirkt nämlich nichts.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Heiner am 25.05.2017 16:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Risiko

    Es ist sehr traurig,aber jeder weiss und nimmt das Risko in kauf,den Angehörigen wünsche viel kraft und zuversicht,

  • Stefan am 25.05.2017 07:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bergsteiger

    Es geht nur ums Geld! Traurig aber wahr

  • RoSi am 25.05.2017 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ZSC fan

    Lasst doch endlich diese Ü 4000er in Ruhe Ich habe überhaupt kein Mitleid mit solchen Leuten, weil das ist absolut kein muss

    • Ü4000 am 25.05.2017 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @RoSi

      Geht mir mit Fussballfans und Hockeyfans auch so wenn sie wieder mal vermöbelt werden, leider muss ich aber die Kosten als Steuerzahler übernehmen für eure Schandtaten. Bei den Bergsteigern nicht.

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  • werner am 25.05.2017 07:02 Report Diesen Beitrag melden

    ...und tschüss

    Auch Strek hat den Tod gesucht und darnach wird so ein riesiger Rummel losgetreten-Beisetzung dort und Abdankung da und und und- jeder will ihm noch näher gestanden haben und Alle trauern .-Seine Familie hat den einzigen Grund zu trauern weil sie nun alleine da steht.

    • Heidi am 25.05.2017 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @werner

      er heisst übrigens Steck - und dein Kommentar ist mehr als daneben. Oder warum glaubst Du entscheiden zu können, wer denn nun "rechtmässig" trauern darf?

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  • pit am 25.05.2017 06:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Laut anderen Medien sollen die vier schon seit einem Jahr dort oben liegen . Die Bergsteiger und Sherpas die in dem Zelt vermutet wurden , sollen an einer anderen Basis Station sein .