Pressekonferenz in Florida

05. Dezember 2017 18:38; Akt: 05.12.2017 18:39 Print

Übersetzerin spricht Gebärden-Kauderwelsch

Als die Polizei zum Fall eines Serienkillers in Tampa vor die Presse tritt, ist auch eine Gebärdensprach-Dolmetscherin vor Ort. Sie ist alles andere als hilfreich.

«Vor 51 Stunden, null 12 22 Morde vier fünf 55'000 Plädoyers ...»: Die Pressekonferenz war für die tauben und gehörlosen Zuschauer ein Informations-Chaos. (Video: Tamedia/Youtube)
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Breaking News waren es, die die Justizbehörde vergangene Woche zu verkünden hatte: Ein Mann, der vier Menschen in Tampa ermordet hatte, war endlich gefasst worden. Die mit Spannung erwartete Pressekonferenz wurde im Fernsehen übertragen. Dem Polizeichef stand eine Gebärdensprach-Dolmetscherin zur Seite, um auch die gehörlosen und schwerhörigen Zuschauer zu informieren.

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Anstatt der Neuigkeiten bekamen diese allerdings ein Kauderwelsch übersetzt. Die Dolmetscherin habe «mit den Armen gerudert, als ob sie ‹Jingle Bells› singe», sagte Zuschauerin Rachell Settambrino, selbst taub, durch einen Übersetzer der «Tampa Bay Times». Settambrino unterrichtet amerikanische Gebärdensprache an der University of South Florida.

Unzusammenhängende Satzfetzen und Zahlen

Ihr zufolge waren während der Pressekonferenz nur unzusammenhängende Satzfetzen zu verstehen. In der Interpretation der Dolmetscherin habe Polizeichef Brian Dugan gesagt: «Vor 51 Stunden, null 12 22 (unlesbare) Morde vier fünf 55'000 Plädoyers zehn Festnahmen Mord Busch (unlesbar) drei Alter 24».

In Wirklichkeit erwähnte Dugan, dass bei der Polizei 55'000 Hinweise eingegangen waren, bevor man den 24-jährigen Verdächtigen verhaften konnte.

Enttäuscht und verärgert

Erst sei sie verwirrt gewesen, dann enttäuscht und verärgert. «Ich will wirklich wissen, warum der Polizeichef von Tampa, der für meine und die Sicherheit der gesamten Gemeinde verantwortlich ist, sie nicht überprüft hat», so Settambrino. Die Behörde will nun intern prüfen, wer die Frau zugezogen hat.

Es ist nicht der erste Fall einer missglückten Gebärdenübersetzung an einer Pressekonferenz in Florida. Im September, als sich Hurrikan Irma näherte und die Beamten eine obligatorische Evakuierung ankündigten, gebärdete ein Übersetzer im Bezirk Manatee County wahllos die Wörter «Pizza», «Monster» und «Bär».

Die Behörden erklärten später, der Dolmetscher war in Eile und ohne genauere Prüfung organisiert worden. Die Gehörlosen-Gemeinschaft forderte daraufhin eine Entschuldigung.

(kko)