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06. Oktober 2017 12:55; Akt: 07.10.2017 11:42 Print

So gehen Jugendliche mit ihrem Geld um

Sind Teenager verantwortungslos, wenn es um Geld geht? Wir wollten es genau wissen und haben drei Jugendliche gebeten, eine Woche lang ihre Ausgaben aufzuschreiben, um zu erfahren, ob sie tatsächlich nicht mit Geld umgehen können.

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Am Mittag schaffen es die meisten Teenager nicht, zuhause zu essen. Ein Sandwich oder die Kantine sind die Lösung. Beides kostet aber Geld. (Bild: Mashimara)

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Diskussionen um Taschengeld und den Umgang junger Erwachsener mit Geld branden immer wieder auf und werden teilweise erstaunlich emotional geführt. Meist heisst es, dass die Jugend heutzutage zu viel Geld erhalte. Oder dass die Menschen heute nicht lernten, mit Geld umzugehen, und sich deshalb schon früh verschuldeten.

Können Jugendliche wirklich nicht mit Geld umgehen?

Statt an dieser Diskussion, die sich meist fruchtlos im Kreis dreht, teilzunehmen, haben wir uns gefragt: Wie gehen Jugendliche mit Geld um, wenn sie zwar noch unter elterlicher Aufsicht stehen, aber teilweise bereits eigenes Geld haben – entweder weil sie neben der Schule arbeiten oder eine Lehre besuchen?

Wir haben zwei Lehrlinge und einen Gymnasiasten gebeten, ihre Ausgaben während einer Woche genau zu protokollieren. Dabei haben wir bewusst einen kurzen Zeitraum gewählt, weil wir die Ausgaben für Alltägliches und Impulskäufe analysieren und zeigen wollten, wo die Jugendlichen einfach Geld sparen könnten. Dann haben wir die Schulden- und Budgetberaterin Agnes Würsch um eine Einschätzung dieser Ausgaben gebeten.

Selbstverständlich ist unsere Untersuchung nicht repräsentativ. Sie zeigt aber einige interessante Fakten auf, die gerade Eltern zuversichtlich stimmen sollten und anderen Jugendlichen helfen könnten, ihre Ausgaben im Griff zu behalten.

Franco – Wie kann er am besten lernen, mit Geld umzugehen?

Franco, 18, ist im 12. Schuljahr im Gymnasium. Er erhält monatlich 300 Franken Taschengeld von seinen Eltern und hat somit 75 Franken in der Woche zur Verfügung.


(Für grössere Ansicht die Tabelle bitte anklicken.)

Mit seinen 300 Franken Taschengeld muss Franco sorgfältig haushalten. Denn sonst muss der Gymischüler am Nachmittag mit leerem Bauch die Schulbank drücken. Das wäre nicht in seinem Sinn. Und die Lehrpersonen hätten auch keine Freude an ihm. Darum isst er, sooft es geht, zu Hause. Manchmal schnappt er sich im Laden ein Sandwich. Das macht er aber selten, da er so seinen Hunger nicht wirklich stillen kann. Einmal pro Woche leistet er sich aber ein Burger-King-Menü für 17.30. Seine Rechnung geht nur auf, weil er sein Frühstück konsequent zu Hause isst. So kommt er gut über die Runden. Sparen kann er so allerdings nichts.

Was wäre nun, wenn seine Eltern ihm statt 300 Franken 1000 gäben? So könnte er zum Beispiel seine Kleider oder auch das SBB-Abo selber zahlen. Obwohl er noch Schüler ist, ist er immerhin schon 18. Das heisst: Er könnte durchaus mit mehr Geld umgehen und mehr Verantwortung für sich übernehmen.

Agnes Würsch von der Basler Budget- und Schuldenberatung Plusminus findet die Idee gut. «Dieses Prinzip nennt man Jugendlohn. So lernen Jugendliche, Geld zu verwalten. Je besser sie es für das Lebensnotwendige – Kleider, Abos, Essen – einteilen, desto mehr bleibt ihnen für Ausgang und Freizeit übrig.» Aber das sei in der heutigen Zeit von Online-Shopping und Leasing-Verträgen gar nicht so einfach. «Die nächste Verlockung wartet schliesslich nur wenige Klicks entfernt», so Würsch. Die meisten jungen Erwachsenen würden sich aber wegen Steuern verschulden. «Dagegen würde ein Direktabzug der Steuern vom Lohn helfen», fügt Würsch an.

Lisa – Lehrlinge cleverer als Gymischüler?

Lisa ist 19. Sie macht eine Berufslehre als Fachfrau Gesundheit im Kinderspital und ist im 3. Lehrjahr. Sie verdient brutto 1400 Franken pro Monat. Nach Abzügen stehen ihr wöchentlich 297.50 Franken zur Verfügung.


(Für grössere Ansicht die Tabelle bitte anklicken.)

Bei Lisa sieht die Situation komfortabler aus. Sie hat finanziell mehr Spielraum, weil sie eine Berufslehre zur Fachfrau Gesundheit macht. Im 3. Lehrjahr werden ihr 1190 Franken pro Monat ausbezahlt. Damit kommt sie gut zurecht. Am Mittag isst sie häufig in der Cafeteria, wo es bereits für 9 Franken ein Menü gibt. Dazwischen leistet sie sich auch einmal eine Pizza für 12 Franken oder kauft sich Tabak, weil sie die Zigaretten lieber selber dreht. Am Abend geht sie mit Freunden in den Ausgang und teilt mit ihnen eine Flasche Wein. Und wenn es dann spät wird, nimmt sie sich mit den anderen gemeinsam ein Taxi nach Hause.

«Weil Lehrlinge bereits Lohn erhalten, lernen sie oft früher, mit Geld umzugehen», sagt Würsch. Ausserdem gehöre Finanzkompetenz an einigen Berufsschulen zum Pflichtstoff. Dennoch sind auch Lehrlinge vor Schulden nicht gefeit. «Es führt kein Weg daran vorbei, den Überblick über das eigene Geld zu behalten», so Würsch.

Max – Ab und zu ein Bier

Max ist 18 Jahre alt. Er macht eine kaufmännische Lehre und verdient nun im 2. Lehrjahr brutto 1000 Franken pro Monat – was unter dem Strich wöchentlich 212.50 Franken macht.


(Für grössere Ansicht die Tabelle bitte anklicken.)

Bei Max muss es am Morgen offensichtlich schnell gehen. Für Frühstück zu Hause scheint es nicht zu reichen. Das holt er sich beim Take-away. Ein Kaffee, ein Wasser und ein Sandwich können sich da rasch auf 13 Franken summieren. Gegen Mittag greift er immer wieder gerne auf etwas Herzhaftes zurück – und leistet sich regelmässig eine Currywurst mit Cola für 14 Franken. Abends gönnt er sich gerne ein Feierabendbier. Oder auch zwei. Doch kann sich der KV-Lehrling im 2. Lehrjahr, der 850 Franken Lohn pro Monat erhält, das auch leisten?

«Wer seine Finanzen im Griff haben will, muss seinen Impulsen zwischendurch widerstehen können», sagt Schuldenberaterin Würsch, Verantwortliche für Prävention bei Plusminus. Studien belegen nämlich: Wer eine Belohnung auf einen späteren Zeitpunkt verschieben kann, wird im Leben erfolgreicher sein.

Jugendliche lernen den Umgang mit Geld – weil sie es müssen

Auch wenn die drei Jugendlichen unterschiedlich viel Geld zur Verfügung haben, ist es bemerkenswert, wie jeder mit seinem Geld auskommt – mit mehr oder weniger Spielraum. Was sich bei den Ausgaben jedoch klar abzeichnet: Wer mehr Geld hat, gibt auch mehr aus. Wer weniger zur Verfügung hat, isst öfters zu Hause und spart damit viel Geld. Das ist sicher etwas, das Max von Franco lernen könnte. Der Lehrling könnte jeden Monat rund 100 Franken sparen, wenn er zu Hause frühstücken würde. Bei einem Bruttolohn von 1000 Franken ist das ein grosser Betrag. Das hat der KV-Lehrling selbst bemerkt, als er für diese Untersuchung seine Ausgaben protokollierte.

Bei Gymi-Schüler Franco erstaunt, wie diszipliniert er mit seinem Taschengeld umgeht und sein Budget nicht überschreitet. Dennoch ist die Lage nicht ganz so mager, wie sie scheinen mag. Auch er kann sich ab und zu etwas gönnen, indem er sein Taschengeld mit kleinen Jobs wie Gartenarbeiten oder Prospekteverteilen aufbessert. Dass Lehrlinge neben der Lehre nicht zusätzlich arbeiten wollen, ist verständlich. Dafür steht ihnen grundsätzlich mehr Geld zur Verfügung.

Lisa reizt ihr Budget zwar ziemlich aus, zeigt aber dennoch, dass sie mit Geld umgehen kann: Sie plant voraus, kauft gemeinsam mit Freunden Alkohol vor dem Ausgang und teilt die Kosten mit den anderen. Mit dieser Strategie liegt sogar ein gemeinsames Taxi für die Heimfahrt drin.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MaxD am 06.10.2017 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Zweifelhaft

    Ehrlich gesagt, zweifle ich stark an der Echtheit dieser Tabellen...Dienen wohl eher der exemplarischen Ansicht.

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  • Sünneli am 06.10.2017 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Tebelle

    Excel-Tabelle Anlegen. Von den Einnahmen werden fix Ausgaben und etwas mehr Kosten subtrahiert und schon weiss man was man hat im Monat oder Jahr.

  • Mutter am 06.10.2017 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Übertrieben

    Wir sind Eltern von 3 Gymischülern/Studenten. Die Aussage "würden die Eltern ihm 1000.- pro Monat geben, könnte er auch seine Kleidung selbst bezahlen" ist ziemlich realitätsfremd. Wie sollten Eltern ihren Jugendlichen 1000.- Jugendlohn zahlen! Das Essen, das sie zu Hause essen muss ja auch von den Eltern bezahlt werden. Ich habe für mich auch kein 1000.- pro Monat zur Verfügung...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dan y el am 14.10.2017 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Bei mir

    Wenn man es hart selber verdienen muss ........wirkt bei vielen

  • Peter Müller am 10.10.2017 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Rechnen!

    Franco soll 75.- pro Woche zur Verfügung haben, verbraucht jedoch mehr als 86.- Also stimmt der Text zu ihm nicht annähernd!

  • Igel am 09.10.2017 06:19 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Schlucker

    Wenn ich als Rentner alle Abzüge gemacht BEZAHLT inkl. Steuern habe bleibt mir am Monatsende Null Franken übrig. Und die KK steigt jedes Jahr mehr, und die AHV wird immer kleiner. Anbei Ausgang liegt nicht drin.

  • anderst am 08.10.2017 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Taxi ist für mich heute noch Luxus

    ich bin das erste mal mit 25 Taxi gefahren ;) vorher hatte ich kein Geld dafür, aber ein Fahrrad und stramme Wadeln

  • Alte Schule am 08.10.2017 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Das kommt dabei heraus, wenn

    dieser Generation von Anfang an alles hinterher geworfen wird. Das würde ich niemals machen. Nach der obligatorischen Schule sucht man sich eine eigene Wohnung und finanziert sich alles selbst. Und bis dahin gibt es weder Handy noch anderen Luxus. Wir haben es auch so gelernt und wissen das, was wir haben, deshalb auch zu schätzen - im Gegensatz zur heutigen Jugend.

    • Alte Schule am 08.10.2017 11:40 Report Diesen Beitrag melden

      Nachtrag

      Und es ist auch nicht ihr Geld sondern das der Eltern, Grosseltern, «Göttis/Gotten» und derer, die sonst noch mit den materiellen Belangen und Forderungen dieser Generation behelligt werden.

    • Sabine am 12.10.2017 09:08 Report Diesen Beitrag melden

      @Alte Schule

      Hä? Ich bin auch Gotte, und es kann Ihnen doch total egal sein, wenn ich meinen Patenkindern Geld schenke und wofür die es ausgeben...

    • David Burren am 13.10.2017 10:32 Report Diesen Beitrag melden

      Take it easy - es ist nicht so schwer!

      Bitte machen Sie sich nicht alle in die Hosen. Sie müssen doch nur wie bereits in einem Kommentar erwähnt die Excel sauber ausfüllen und sich an den Plan halten. Warum ist das so schwierig? Schauen Sie einfach dass Sie die Ausgaben tief halten. Diese Disziplin muss jeder lernen! Nicht beim Nachbar schauen was der hat und kann... einfach die persönlichen Einnahmen und Ausgaben kontrollieren und umsetzen. Leider können das viele nicht aber das kann man ja üben. Bloss nicht frustriert sein oder den anderen die Schuld geben.

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