Morgan und Jaguar

03. Januar 2018 08:40; Akt: 03.01.2018 10:02 Print

UK-Stromer zwischen Wahn und Wirklichkeit

von Dieter Liechti - Nicht nur wegen Brexit sind die Briten unter Strom, auch wegen ihrer Autoindustrie. Denn die macht zwei völlig unterschiedliche E-Autos parat.

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Dass die Briten nicht genau so ticken, wie die restlichen Europäer und/oder wir Schweizer, ist nichts Neues. Das macht die Insulaner ja auch so sympathisch. Man mag sie wegen ihrer Musik, dem Fussball, den Pubs. Aber auch wegen ihren Autos. Jaguar E-Type, Morgan Plus 8, Range Rover, Land Rover Defender, Triumph Spitfire, Mini Cooper, Aston Martin DB5, Rolls-Royce Phantom, AC Ace oder der Rover 3500 seelig – alles unvergleichliche Autos. Fahrzeuge, die Emotionen höher werteten, als Perfektion.

Vergangenheit. Viele der britischen Brands fahren unter «fremder» Flagge: Rolls-Royce und Mini gehören zu BMW, Bentley zum Volkswagen Konzern und hinter dem aktuellen Erfolg von Jaguar und Land Rover steckt der indische Konzern Tata Group. Diesem Konzern gehören seit 2008 auch die Markenrechte von Rover. Triumph verschwand als Autohersteller schon in den 80er-Jahren, bei Aston Martin haben unter anderem italienische Investoren das Sagen während Mercedes-AMG die Motoren liefert, und die Firma AC gab Mitte der 80er-Jahre auf, nachdem die Produktion der legendären Cobra dank US-Rennfahrer und Konstrukteur Carrol Shelby längst in die USA verlegt worden war. Bleibt Morgan.

Fahrspass mit wenig Performance

Die Morgan Motor Company ist einer der letzten britischen Autohersteller in privater Hand und existiert bereits seit 1909, als die Dreiradikone Three-Wheeler enthüllt wurde. Und nun kommt dieses eigentümliche Gefährt zurück. Als Stromer. Im vierten Quartal 2018 heisst es, also ein Jahr später, als bei der Weltpremiere des EV3 im März 2016 in Genf versprochen worden war. Der Threewheeler EV3 wird laut Hersteller mit voller Batterie rund 240 Kilometer Reichweite schaffen.

Angetrieben wird der EV3 wohl von einem flüssigkeitsgekühlten E-Motor mit 46 kW (63 PS) Leistung. Dank dem Leergewicht von weniger als 500 Kilogramm reichte dies in einem Vorserien-Fahrzeug aus, um in unter neun Sekunden von Null auf Hundert und weiter bis 145 km/h zu beschleunigen. Ist nicht viel, genügt aber längstens, denn den Briten geht es vor allem um Individualität und Fahrspass, nicht Performance. «Der EV3 verwendet neuste Technologien, bietet verantwortungsbewussten Fahrspass und zelebriert traditionelle britische Handwerkskunst», verspricht Morgan.

Der Tesla-Jäger von Jaguar

Mit einem ganz anderen Anspruch geht Jaguar an das Thema E-Mobilität heran: Mit dem I-Pace präsentieren die Briten an der Geneva International Motor Show im März in Genf den ersten echten Tesla-Jäger. Einen europäischen Stromer, den es nicht nur als Studie, sondern ab Sommer auch auf der Strasse gibt. Denn die 400 PS starke Studie, die Jaguar im März 2017 auch in Genf zeigte, ist nach 2,4 Millionen Testkilometern mit 200 Prototypen endlich bereit für die Strasse, und kann ab März bestellt werden. Vor der deutschen Konkurrenz. Auf die Strasse rollt der I-Pace im Sommer. «Wir haben mit Hochdruck daran gearbeitet, unter den Premiumherstellern die Ersten zu sein», so Stephen Boulter aus der Entwicklungsabteilung.

Hat geklappt, wie «20 Minuten»-Journalistin Nina Vetterli nach Prototypfahrten bestätigt: «In Kombination mit einer direkten Lenkung und dem batteriebedingt tiefen Fahrzeugschwerpunkt ist der I-Pace sehr agil. Fast noch überraschender: die Geschmeidigkeit des luftgefederten Fahrwerks; die Entrücktheit beim Dahingleiten. Subjektiv vermittelt der englische Crossover eine Ausgewogenheit, Raffinesse und Reife, wie man sie bei E-Autos noch nicht kennt. Elektromobilität 'the british way' eben.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jens am 03.01.2018 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    Spass geht auch ohne viel Leistung

    Sehr cool! :) aber ich bin immer wieder erstaunt, wie die Hersteller den inneren Zwang haben, sich in Sachen Performance toppen müssen. Wenn man mal von Deutschland absieht, welche Daseinsberechtigung haben Fahrzeuge mit mehr als 200 PS oder Beschleunigungen von 5 Sekunden, ganz ehrlich! Die allerwenigsten PW Lenker wissen doch nicht was sie damit anfangen sollen. High-Tech Fahrwerke,- Bremsen,- Pneu, Assistenzsysteme...für was? 30 durch die Stadt? 120 auf der Autobahn? von Ampel zu Ampel, Stau zu Stau? Top Ausstattung gibt es nur mit Top-Motor...warum? Zum Geld verbraten?

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  • Beat Berger am 03.01.2018 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jäger ?

    Kann das Wort Teslajäger nicht mehr hören. In der Realität treiben die alle die Herde der deutschen Spaltmassperfektionisten und Protzwagenhersteller gemeinsam mit Tesla vor sich hin wie Schafe.

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  • Wolfgang L. am 03.01.2018 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Ich will ein Durchschnittsauto

    8 Sitze mit Platz für Gepäsck zum Wochenende oder 5 Sitze mit 5 Velo und Feriengepäck für zwei Wochen (Innen wohlgemerkt) oder 2 Sitze und 42 Bananenschachteln während dem Umzug oder 2 Ster Holz. 900kg Zuladung, Verbrauch 9 Liter aus 2.4lt Hubraum und ganz normale Grundfläche. Unrealistisch? Ha - meine Toyota Previa BJ 96. Habe 500'000km abgerissen bis das Differential Zahnsalat hatte. Dieses Auto als Elektro Variante würde ich sofort kaufen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • frizz am 10.01.2018 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!

    Ein sagenhaft sauber gestyltes Retrofahrzeug. Absolute Designbombe. Klein, leicht, wendig, schnell. Da wird der Threewheeler endlich aus der Mottenkiste geholt, gottseidank und neubelebt. Toll.

  • NoahG am 04.01.2018 15:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nope

    keine chance gegen tesla...

  • doktor am 04.01.2018 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was

    diese Jaguar sieht aus wie ein Mitsubishi Sportbrake??Das soll designerisch gegen Tesla antreten?

  • Illumination am 03.01.2018 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Tesla ist nicht mehr alleine...

    Interessanter und praxiskonformer finde ich den I-Pace - 90 kWh Lithium-Ionen Akku (Folien-Zellen) in Alu-Gehäuse/topfebener Fahrzeugboden, als Teil der Karosseriestruktur, 1 E-Motor Vorderachse/1 E-Motor Hinterachse (Allrad/Permanent-Synchron) mit jeweils 200 PS/147 kW, Gesamtdrehmoment 700 Nm, laut Jaguar 0-100 km/h in 4 s und Vmax etwa 250 km/h... Wichtiger laut Jaguar reale Reichweiten im Bereich 450 - 500 km, Schnellladung 80% Akku/90 Minuten.. Mit 2.99 m Radstand/4.68 m Aussenlänge sehr viel Platz im Innenraum, 535 l Gepäckraum.. Preis um CHF 85`000.-- (Tesla X/100D ab CHF 110`000.--)..

    • Illumination am 03.01.2018 13:14 Report Diesen Beitrag melden

      Nachtrag..

      Problem beim I-Pace - ist wieder kein Fahrzeug für Durchschnittsverdiener, wird der E-Mobilität nicht zum Durchbruch verhelfen.. Modell 3 von Tesla käme dem näher (wird aber Tesla "das Genick" brechen, falls nicht endlich Stückzahlen produziert werden).. Dilemma auch, dass mit günstigeren, leichteren und kleineren z.B. 60 kWh-Akkus noch keine realen 450 km Reichweiten drinliegen, Ladezeiten auch mit Schnellladung/90 kWh-Akku immer noch (zu)lange dauern, die öffentliche/private Ladestruktur auch 2018/2019 unzureichend ist - Aufladen bleibt im Gegensatz zum Tanken keine spontane Angelegenheit...

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  • Rico am 03.01.2018 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Schiffsruder

    Das Ding sieht spassig aus. Aber ein Steuerrad so gross wie ein Schiffsruder. Oder ist das das Ersatzrad?

    • Konrad Lenker am 03.01.2018 15:36 Report Diesen Beitrag melden

      Old fashioned

      'Yery british', indeed. Mit Schirm, Charme und Melone.

    • Ken-Guru am 03.01.2018 15:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Konrad Lenker

      Na ja, also ein Morgan und besonders der Threewheeler, muss einfach auch ordentlich knattern und den Duft von Benzin versprühen. Dazu wird es wohl tricki sein, wenn das Drehmoment einfach beim Beschleunigen von Anfang an am Antriebsrad hinten ansteht, ohne elektronische Stabilitätdkontrolle wohl kaum fahrbar.

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