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Weltenbummler-Blog

30. Juli 2017 14:16; Akt: 31.07.2017 08:56 Print

Einmal Jockey beim Bullenrennen auf Sumatra

von Claudio Sieber - Von Bullen gezogen durch den Schlamm surfen? Das braucht Mut. Wirklich!

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Kuhdorf Padang Luar, Tanah Datar Distrikt, früher Morgen. Hier draussen fährt Sumatra alle Klischees synchron auf. Links der Marapi-, rechts der Sago-Vulkan. Neongrüne Reisfelder umzingelt von Kokospalmen säumen die Ländereien. Dazu fahren Wattewölkchen durch das Himmelblau. «Es ist wie verhext, niemals würde Regen den Event begleiten», schwärmt Organisatorin Santi, «die paranormalen Fähigkeiten der Bauern liessen dies nicht zu».

... und alle drehen durch

In der traditionellen Sprache der Minangkabau wird «Jawi» mit Bulle übersetzt. «Pacu» bedeutet Rennen. Westsumatra ist nicht der einzige Ort, wo hetzende Stiere mit hinterhersurfenden Farmern seit Jahrhunderten die Massen erfreuen, auch in einigen Gefilden Javas oder Balis, ja sogar in Pakistan gehört Rindersport fest auf die Agenda. Doch nur hier ist die Rennstrecke ein frisch gepflügtes Reisfeld, was ein Action-Epos mit Matsch und dramatischen Szenen verspricht. Wer nach einem tieferen Sinn hinter den Festivitäten jagt, wird bitter enttäuscht. Es ist lediglich Entertainment für die Bauernzunft, die das Ende der Reisernte feiert.

Die Jockeys treiben bereits lässig ihre Jawis zum Meeting-Point. Prächtige Mannsbilder mit sehnig-muskulösen Körpern und semi-heroischem Blick. Es bleibt ein Rätsel, wie die Landwirte die Siegercharaktere unter ihrer Herde ausmachen. Doch scheinen sie ein Flair dafür zu haben, die Richtigen auszulesen. Der erste von knapp 50 Jockeys betritt den Matsch, stellt sich auf die Papik, die beiden losen Holzdielen, schnappt nach den beiden Stierschwänzen und skatet mit seinem Gespann bravourös bis zum Ende der 100 Meter langen Rennstrecke. Hin und wieder am Tier-Schweif nagend, um einen Turbo einzulegen, ab und an in letzter Sekunde den Spagat abwendend, wenn das Bullenduo wieder in zwei verschiedene Richtungen driftet. Und alle drehen durch.

Selbst ist der Mann

Das Leben ist verdammt kurz, ich will es auskosten, solange die mentalen wie physischen Kräfte reichen. Kultige Feste bieten dazu einen perfekten Rahmen. Man hat mich gewarnt, die gehörnten Biester könnten Angst riechen und würden versuchen, den Laien umgehend abzuschütteln. Dennoch kann ich nicht widerstehen, als mich Vorjahressieger Hamid zum Ende des Rennens hinter die Ärsche seiner Glücksbullen zitiert. Ich muss es erleben, die Erinnerung mit Geräusch, Emotion und Schlamm zwischen den Zähnen abspeichern. Los gehts!

Ich platziere je einen Fuss auf den beiden Papik, greife nach den Schwänzen und starte durch. Zwei Meter später liege ich kopfüber im Schlamm, verfange mich im Gehölz und werde zur Freude der Meute regelrecht abgeschleppt. Sogleich bestätige ich die Vermutung, dass westliche Tölpel nicht für indonesischen Männersport geschaffen wurden. Ich wische mir den Matsch aus dem Gesicht, sammle neuen Mut, steige wieder auf und gleite elegant bis zum Ziel. Jedoch ohne dem Lachsalven abfeuernden Volk dabei Handküsse zu verteilen oder gar in einen der Stierschwänze zu beissen. Dafür bin ich viel zu sehr auf die Flucht nach vorn fokussiert.

Nach ungefähr 87 Selfies mit dem ganzen Dorf, dem Onkel, den Cousinen, den Säuglingen und Grossvätern, den Schwiegereltern und Stiefbrüdern werde ich zur nächstbesten Moschee delegiert. Im sakralen Waschraum schrubbe ich die gröbsten Schlammschichten ab, steige auf mein Motorrad und brause davon. Ausgestreckte Daumen, Jubelschreie, Gelächter – der Weg aus dem Dorf fühlt sich an, als ob ich das Rennen gewonnen hätte.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Amina123 am 30.07.2017 15:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlammsurfen

    mutige aktion mit pfiff und nebenbei bemerkt: schlammpackungen sollen gesund sein;) danke für den bericht und fotos;) war interessant. die bullen nehmen ja auch keinen schaden:)

  • rocky53 am 30.07.2017 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tiere

    die daumen nach untenhalten waren wohl noch nirgens auf der welt.ich schon fast überall auch dort wo diese geschichte herkommt, sie schauen zu ihren arbeits tieren den ist ihr kapital, auch wo elephanten eingesetzt werden nicht mal im zoo haben die solche pflege .

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  • grüezi am 31.07.2017 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    Schlamm

    soll ja schön machen. Hier bezahlt man viel für ein Schlammbad, dort gratis. Erst noch viel Fun dabei:-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • grüezi am 31.07.2017 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    Schlamm

    soll ja schön machen. Hier bezahlt man viel für ein Schlammbad, dort gratis. Erst noch viel Fun dabei:-)

  • Paul am 31.07.2017 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    cool

    das nenne ich sport. nicht diesea formel e brummen xD weiter so

  • Neukki am 31.07.2017 07:18 Report Diesen Beitrag melden

    Tierquälerei

    Brutal was mit den armen Tieren gemacht wird.

  • rocky53 am 30.07.2017 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tiere

    die daumen nach untenhalten waren wohl noch nirgens auf der welt.ich schon fast überall auch dort wo diese geschichte herkommt, sie schauen zu ihren arbeits tieren den ist ihr kapital, auch wo elephanten eingesetzt werden nicht mal im zoo haben die solche pflege .

    • Ramona Weder am 30.07.2017 19:05 Report Diesen Beitrag melden

      Arme Tiere

      Drum ziehen sie durch die empfindliche Nase der Ochsen ein Seil, das die Tiere schmerzt, falls sie nicht spuren... Pflege ist oft nicht mal Wunschdenken... Asien fällt nicht grad mit Tierschutz auf, da wird alles gegessen, was sich bewegt und oft auch noch brutal getötet. Wir sind aber mit unseren Nutztierfabriken für einen günstigen Preis aber auch nicht viel besser. Stierkampf ist auch so etwas, oder wie Hunde behandelt werden usw.

    • rocky53 am 30.07.2017 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ramona Weder

      nasenringe haben auch bullen bei uns, ihre arbeitstiere dind ihr kapital also nicht egal wies ihnen geht, sonst einverstanden wegen tierschutz in asien. aber daselbe bauern mit kamelen etc kein interesse dass sie eingehen war mal 1 woche bei berbern und lernte vieles kennen. daselbe in indien sind viele tiere heilig strafbar bei missbrauch .

    • Sich Ernöd am 01.08.2017 08:53 Report Diesen Beitrag melden

      @rocky53

      Schau Dir mal ein paar Youtube-Videos an, zum Thema Elefanten gefügig machen. Phajaan eingeben und dann HINschauen

    • rocky53 am 01.08.2017 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sich Ernöd

      ja weis ich ohne viedeo nicht alles ist sauber wie bei uns auch nicht, war 2 jahre auf trip in asien sah vieles als backpacker,gut und schlecht, bei uns missbrauch unter namen tierschutz nicht besser zoos nicht artgerecht da wildniss kein zaun usw.

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  • Freddy67 am 30.07.2017 15:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Not good

    Und wer fragt die Tiere ob sie Lust drauf haben? Typisch egozentrisches Denken, ausnutzen, dass Tiere sich nicht wehren können. Unterste Schublade das hier auch noch zu zelebrieren.

    • Maipenrai am 30.07.2017 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Freddy67

      Sumatra ist nicht Schweiz

    • Aniata Kessler am 31.07.2017 00:04 Report Diesen Beitrag melden

      Achso....

      die Ochsen in Sumatra sind nicht so schmerzempfindlich wie jene in der Schweiz. Ist das ihre Logik?

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