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Doktor Sex

20. Juli 2016 09:53; Akt: 20.07.2016 09:53 Print

«Ich leide unter der medialen Sexualisierung»

Pirmin befürchtet, dass seine Freundin Lust kriegen könnte auf eines der vielen sexuellen Abenteuer, von denen man heute in jeder Zeitung lesen kann.

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Für manche Menschen geht das Zurschaustellen von Sex in den Medien zu weit. (Szene aus «Showgirls», MGM Home Entertainment)

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Frage von Pirmin (26) an Doktor Sex: Ich bin seit einiger Zeit in einer sehr glücklichen Beziehung und liebe meine Freundin sehr. Wir haben tollen, abwechslungsreichen Sex und das Vertrauen ineinander wächst stetig. Jedoch leide ich zunehmend unter der Sexualisierung unserer Gesellschaft. Meine Einstellung ist traditionell: Ich möchte nur die eine Frau, für die ich mich entschieden habe. Betrogen habe ich noch nie und könnte es auch nicht. Aber bei all diesen in den Medien publizierten Geschichten über Themen wie Fremdgehen, offene Beziehung, Gruppensex und Ähnlichem, frage ich mich, ob eine monogame Beziehung heute noch möglich ist. Denn das ist alles, was ich mir wünsche.

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Findest du, dass Sex in unserer Gesellschaft einen zu hohen Stellenwert einnimmt?
44 %
23 %
5 %
15 %
1 %
12 %
Insgesamt 2555 Teilnehmer

Ich fürchte mich davor, dass in meiner Freundin plötzlich das Bedürfnis nach irgendwelchen Eskapaden erwachen könnte – auch wenn ich keinen Grund zur Annahme habe, dass dies bei ihr geschehen könnte. Ich wäre überhaupt nicht in der Lage, damit umzugehen. Zwar denke ich nicht, dass solche Experimente für die meisten Leute die Norm sind. Trotzdem fällt es mir wegen solcher Geschichten immer schwerer, daran zu glauben, dass lebenslange Treue in einer Beziehung möglich ist. Schaffen Paare dies heute überhaupt noch?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Pirmin

Umfassend verstanden bezeichnet der Begriff «Sexualität» alle Lebensäusserungen, Verhaltensweisen, Gefühle, Empfindungen und Interaktionen eines Menschen in Bezug auf sein Geschlecht. So gesehen sind Gesellschaften sexualisiert, seit es sie gibt, denn sie werden von Menschen errichtet, gestaltet und aufrechterhalten.

Mir scheint, es geht in deiner Frage nicht um Sexualität, sondern um Moral – also um die Handlungen und Handlungsmuster von Menschen sowie um die Konventionen, Regeln und Prinzipien, die diesen zugrunde liegen. Und es geht um deine Angst davor, dass deine Freundin ihre Werte über Bord werfen und dich damit in grosse Not stürzen könnte.

Du irrst dich wenn du glaubst, früher sei alles besser und lebenslange Treue sei einfacher gewesen. Sich an einen einzigen Menschen zu binden und für den Rest des Lebens mit ihm zusammenzubleiben – sogar wenn Langeweile und Streitereien längst überhandgenommen haben – war schon immer schwierig.

Und es sind auch nicht die «bösen» Medien, die an dem von dir beklagten sittlichen Zerfall schuld sind. Denn das, worüber sie berichten, sind die Handlungen von Menschen. Anders als vor 20 Jahren ist jedoch, dass ihre Berichterstattung heute offener ist und es keine homogene Leitkultur mehr gibt, der sie verpflichtet sind.

Darüber, ob das gut oder schlecht, kann man sich endlos streiten. Fakt ist: Leben ist mehr, als sich nach Regeln zu verhalten, die andere für einen aufgestellt haben. Oder mit den Worten des indischen Philosophen Jiddu Krishnamurti: Die Wahrheit ist ein pfadloses Land. Wir Menschen haben die Freiheit zu wählen. Diese sollten wir nutzen, um so die Welt zu einem Ort der Liebe und des friedlichen Miteinanders zu machen, statt uns mittelalterliche Strukturen und Abhängigkeiten zurückzuwünschen!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

(wer)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Azazel am 20.07.2016 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denkt nicht "Modern" 

    Wer Denkt, dass Treue altmodisch ist, dessen Denken ist von der Masse geleitet. Wenn man sich nicht auf einen Partner festlegen kann sollte man Single bleiben. Wenn der Partner eine offene Bezihung führen will und man selber nicht, dann macht man Schluss!

  • Eni M. am 20.07.2016 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Halte an deiner Einstellung fest

    Ich verstehe die Sorgen von Pirmin. Bin ebenfalls 26 und wenn man so denkt, muss man in unserer Generation ein ganz dickes Fell haben.

  • Viviane am 20.07.2016 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überall das Thema Sex 

    Ich finde es schade, dass es überall um Sex geht, egal in welcher Weise. Man kann ja kaum mehr etwas lesen ohne auf dieses Thema zu stossen. Gerade eine Beziehung besteht aus viel mehr als Sex. Dieser ist nur das Tüpfelchen auf dem i. Ich bin der Meinung, daß sich die Leute, sich wieder mehr darüber bewusst werden sollten, was eine Beziehung wirklich ausmacht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nika am 20.07.2016 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Same Here

    Ich bin zwar jünger als du, aber mittlerweile seit 5 Jahren in einer sehr glücklichen, monogamen Beziehung. Es erschreckt und überrascht mich gleichzeitig, dass ich mit exakt diesen Sorgen scheinbar nicht die einzige bin. Uns wird ständig weisgemacht, dass Treue nur eine Traditionelle Traumvorstellung ist - heute sind wir ja sooo weltoffen, dass man alles dürfen soll. Aber es gibt eben immer noch Menschen wie du und ich, die gar nicht "alles" wollen. Uns reicht eine Person völlig, da diese für uns die Richtige ist.Bleib bei deiner Einstellung, wenn du dich damit wohlfühlst!

  • Roger am 20.07.2016 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Lieben vs. Verliebtsein

    Lieben ist nicht ein Gefühl, sondern eine Tat! Viele Menschen verwechseln Verliebtsein mit Lieben und erwarten, dass die Partner glücklich machen. Oft zu beginn ist man verliebt (Adjektiv) und muss lernen zu lieben (Verb). Jemanden zu lieben ist eine Entscheidung für diesen Menschen und gegen alle anderen möglichen Partner die es noch gäbe. Ich bin der Meinung, dass die Reihenfolge Kennenlernen, Heiraten - und dann erst Sex und Kinder ist. Und nicht Sex unverbindlich vorher ausprobieren. Es ist die Angst vor Bindung. Die Sexualisierung durch Medien vermittelt hier ein Trugbild (Sex immer!).

  • Niklaus Treier am 20.07.2016 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Die Sexualität ist heute ebenso normier!

    Es gibt sehr wohl eine sexuelle Leitkultur, die sich einfach in ihr Gegenteil verkehrt hat: Heute ist es verboten zu verbieten. Wir sind also noch genauso wie vor 1968 in den Verboten gefangen. Sexuelle Freiheit sieht anders aus. Heute normieren einfach die Pornindustrie die Sexualität der Menschen. Pirmins Sorge ist gut nachvollziehbar. Aber zum Glück gibt es auch noch viele Frauen, die genau aus derselben Sorge heraus jemanden suchen wie Pirmin.

  • Hans im Glück am 20.07.2016 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Treue

    Sex ist nicht die Beziehung, alles was Du machst ist Beziehung, einen Tee bringen dich um alles sorgen ist Beziehung. Zu viel Sex als Thema ist eine Übertreibung in den Medien, das finde ich auch. Sex ist am schönsten wenn Du den treuen Partner liebest und auf höheres vertraust.

  • jana-alex am 20.07.2016 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Pirmin

    Ich (19) bin schon seit über 1 1/2 Jahren mit meinem Freund (19) zusammen. Wir lieben uns sehr und sind wie beste Freunde. Ich kann dich gut verstehen, aber glaube mir, es gibt noch "traditionelle" Beziehungen wie ich sie mit meinem Freund führen darf. Wir sind total glücklich so, wir haben uns zwei, können über alles reden und vertrauen uns blind. Mag sein, dass es dies nicht so häufig gibt, aber wenn du so einen Menschen findest, oder bereits in deiner Freundin gefunden hast, halt ihn fest. :) Liebe Grüsse und alles Gute weiterhin!

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Bruno Wermuth ist Sexualberater und Sexualpädagoge mit eigener Praxis in Bern. Als «Doktor Sex» beantwortet er drei Mal wöchentlich Fragen zur schönsten Nebensache der Welt und im «Sexblog» spricht er das aus, was andere nicht zu denken wagen. www.brunowermuth.ch


(Styling von Doktor Sex:Jessica Montonato)

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