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Doktor Sex

22. Juni 2018 08:38; Akt: 22.06.2018 08:38 Print

«Die Beziehung mit ihr frisst mich innerlich auf!»

Klaus scheint etwas vorschnell gehandelt zu haben, als er kürzlich seine Freundin heiratete. Seither gehts nämlich nur noch bergab. Wie weiter?

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(Bild: CBS)

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Frage von Klaus (47) an Doktor Sex: Ich habe vor sechs Monaten meine 12 Jahre ältere Freundin geheiratet. Wir haben schon beide eine Ehe hinter uns und damit nicht nur positive Erfahrungen gemacht. Es ging alles sehr schnell: verloben, zusammenziehen, heiraten. Ich liebe sie wirklich über alles und will sie auf Händen tragen. Doch leider haben wir immer mehr Tiefs, und zunehmend fühle ich mich nicht mehr immer verstanden von ihr.

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Ich verlange nicht viel. Ich möchte das Gefühl haben, ihr Mann zu sein, mal in den Arm genommen werden und meine Bedürfnisse äussern können. Ich zeige und sage ihr, wie viel sie mir bedeutet und wie sehr ich sie liebe. Aber ihr fällt es wahnsinnig schwer, auf mich zuzukommen. Sie macht vieles mit sich selber aus, und das empfinde ich als kaltherzig.

Aus meinen Umfeld bekomme ich oft zu hören, dass andere froh wären, jemanden wie mich zu haben, der alles für andere tut. Ich möchte sie nicht verlassen, aber unsere Situation frisst mich innerlich auf. Manchmal denke ich, es wäre besser, zu gehen – auch wenn ich sehr darunter leiden würde. Oft habe ich das Gefühl, dass für sie die Hauptsache ist, nicht allein zu sein. Besteht eine Ehe nicht aus Geben und Nehmen?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Klaus

Beim Lesen deiner Frage ist mir ein Ausschnitt aus Schillers Gedicht «Das Lied von der Glocke» eingefallen. Er schreibt: «Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet! Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.»

Wie du schreibst, scheint ihr keine Zeit darauf verwendet zu haben, eure Kompatibilität hinsichtlich eurer Ansprüche an eine Beziehung und das Gegenüber, mit dem ihr diese lebt, zu überprüfen, und dafür bezahlt ihr nun beide einen Preis.

Falls du denken solltest, du seiest der Einzige, der in eurer Beziehung leidet: Deiner Partnerin geht es in der aktuellen Situation wahrscheinlich auch nicht gerade blendend, da sie mit ihrer Strategie genauso wenig erfolgreich ist wie du.

Tatsächlich besteht die Ehe – so wie letztlich alle anderen Formen von Beziehung auch – aus Geben und Nehmen. Jedoch ist mit der Beschreibung dieses grundlegenden Mechanismus einer Partnerschaft nichts über die Inhalte gesagt, die so ausgetauscht werden.

Und genau da liegt vermutlich die Herausforderung, der ihr euch nun langsam, aber entschieden stellen solltet: für euch erst individuell zu klären, was eure spezifischen Bedürfnisse sind – und diese dann einander in einem Gespräch mitzuteilen.

Es macht nämlich absolut keinen Sinn, zu hoffen, dass der Partner oder die Partnerin sich irgendwann per Zufall genau so verhalten wird, wie man sich das wünscht. Sobald aber Wünsche und Erwartungen kommuniziert sind, kann er oder sie beginnen, darauf einzugehen.

Falls ihr dies nicht allein schafft, empfehle ich euch, die Dienstleistungen eines Paarberaters in Anspruch zu nehmen. Er oder sie ist darauf spezialisiert, solche Prozesse zu begleiten und Paare bei der Lösungsfindung zu unterstützen. Toi toi toi!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

(wer)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Vielleicht hast du dich seit der Hochzeit verändert? Jetzt ist es deine Frau, du klammerst, engst sie ein und sie sucht Freiheit. Eine Frau mag es nicht, wenn man alles für sie tut. Das entmündigt sie und nimmt ihr die Möglichkeit selber zu Leben. Richte dein Leben nicht komplett an sie aus und stell sie nicht in den Mittelpunkt deines Lebens. Nur wenn du selbst in deinem Mittelpunkt, sie selbst in ihrem ist, kann es ein euch geben. Das richtige Verhältnis ist wichtig. Es mag zwar komisch sein, aber Distanz schafft Nähe. Nicht zu viel und nicht zu wenig. – xTuri

Vielleicht erdrückst du Sie mit deiner Liebe. Versuche mit etwas weniger ihr deine Liebe zu zeigen. Ich finde es schön das du voll zu ihr stehst und alles für Sie machst, wäre auch froh um so einen Partner gewesen. Aber zu intensive Hingabe kann dem Partner die Luft zum Atmen abdrücken. – Susen

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max Matter am 22.06.2018 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts gelernt?

    Wie können zwei Menschen im Alter von 47 und 59 Jahren, die schon einmal in einer Ehe gescheitert sind, überstürzt und ohne Not wieder heiraten? Unverständlich, wohl nichts aus der Vergangenheit gelernt. Nun, wer zweimal den selben Fehler macht, bezahlt auch doppelt.

  • Dingo am 22.06.2018 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    offene Kommunikation

    Die letzten Absätze sind besonders wichtig: Die Kommunikation. Je offener und ehrlicher ihr miteinander redet, umso besser könnt ihr den anderen verstehen und entsprechend reagieren. Anfangs wird es vielleicht holpriger, vor allem wenn das Gesagte nicht sofort vollends verstanden wird, aber auf Dauer wird die Beziehung und auch das Vertrauen tiefer und stärker. (Oder man merkt wenigstens endlich, dass man doch nicht zusammen passt und zusammen sein möchte)

  • Bernie S. am 22.06.2018 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Werd erwachsen!

    Ich will sie auf Händen tragen..., bei solchen Aussagen, krieg ich die Krise! Mit Ü45 sollte man meinen, einen gleichwertigen, selbstbestimmten und vor allem selbständigen Partner zu haben, der sich und seine Bedürfnisse kennt und auch äussert. Mal das Helfersyndrom ablegen und sich freuen, dass Mann eine reife Partnerin gefunden hat!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Danwan am 22.06.2018 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    ... Um alles in der Welt hattest du es dermassen eilig mit dem Heiraten?? Das muss man doch nicht unbedingt... Es ist sehr schön, eine Liebesbeziehung zu führen, ohne dabei "vertraglich gebunden" zu sein....besonders wenn man bereits verheiratet war. Für sein wohlbefinden ist man allerdings immer selber verantwortlich, das scheinen offenbar immer noch viele an den Partner delegieren zu wollen... Überleg mal; Eine Enttäuschung ist oftmals einfach das Ende einer Täuschung...

  • Stelios Kontos am 22.06.2018 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn Kinder im Spiel

    Ohje, zum Glück habt ihr keine Kinder. Ich habe meine Lebenspartnerin geschwängert und nun habe ich den süssesen Jungen, aber eine blöde Tante zu Hause. Gehen wollte ich schon, aber die Unterhaltszahlungen (nicht verheiratet) sind einfach so gewaltig, dass ich nun diese "schreckliche" Beziehung pro forma weiter führe.

  • sa am 22.06.2018 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    manche ändern sich nicht

    Fühlt sich ähnlich wie meine erste Ehe an. Eine Frau die alles bekommt (auf Händen tragen) , nichts gibt und dennoch unzufrieden ist. Reden und die Trennung hat nicht geholfen. Meine jetzige Freundin hat mir sehr schnell klar gemacht, dass ich egoistischer werden muss. Und sie gibt mir das zurück was ich brauche und wünsche. Es läuft super.

  • Rat Geber am 22.06.2018 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Neuinterpretation

    Die Ehe ist ein Geben und Nehmen ... oder anders interpretiert: "Manchmal Übernimmt man sich und manchmal Übergibt man sich!" In diesem Sinne ... toitoitoi

  • Rosa am 22.06.2018 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre auch nicht meins

    Nur weil du so anhänglich bist und ihr so intensiv zeigst das du sie liebst muss sie nicht gleich ticken wie du.Hättest vorher abwägen müssen wie sie von der Art ist.Ihr jetzt einen Vorwurf machen ist nicht fair.

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bruno wermuth

Bruno Wermuth ist Sexualberater und Sexualpädagoge mit eigener Praxis in Bern. Als «Doktor Sex» beantwortet er drei Mal wöchentlich Fragen zur schönsten Nebensache der Welt und im «Sexblog» spricht er das aus, was andere nicht zu denken wagen. www.brunowermuth.ch


(Styling von Doktor Sex:Jessica Montonato)

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