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Doktor Sex

26. Januar 2018 07:50; Akt: 26.01.2018 10:18 Print

«Sie kommt nicht von der Prostitution los!»

Trotz der Motivationsversuche von Luc schafft es seine gute Freundin nicht, die Sexarbeit aufzugeben. Wie kann er ihr helfen?

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Auch wenn einige Leute das nicht verstehen: Die meisten Frauen arbeiten freiwillig als Sexworkerinnen. (Bild: Szene aus «The Deuce»/HBO)

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Frage von Luc (30) an Doktor Sex: Vor einiger Zeit habe ich (30) eine 28-jährige Frau kennengelernt, die während etwa zwei Jahren in einem Zürcher Bordell als Prostituierte gearbeitet hat. Daneben begann sie zu studieren und mittlerweile hat sie die ersten Prüfungen erfolgreich bestanden.

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Ich habe sie dazu motiviert, ihren Job aufzugeben und auch damit argumentiert, dass sie sich sonst die Zukunft verbaut. Ich habe ihr auch geraten, die Zeit, die sie im Bordell verbringt, besser für Praktika und einen Studentenjob zu nutzen. Sie hat dann auch mit der Prostitution aufgehört.

Nun habe ich sie wieder getroffen und mit ihr über ihre Erfahrungen gesprochen. Sie sagte mir, dass sie den Exhibitionismus und das Gebraucht-Werden vermisst. Sie meinte auch, sie hätte einen wunderbaren Körper und den möchte sie gebrauchen.

Ich weiss, dass viele Ex-Prostituierte des Geldes wegen wieder in der Prostitution landen, aber die Situation erinnert mich irgendwie an den Film «Belle du jour» und macht mir Angst. Wie kann ich dieser Frau, die mittlerweile eine gute Freundin geworden ist, helfen?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Luc

Sexuelle Dienstleistungen gegen Geld anzubieten, ist für manche Frauen ein Beruf. Dass dies in den Augen der meisten Menschen als aussergewöhnlich erscheint, ist zum einen auf die gesellschaftliche Doppelmoral im Umgang mit Sex zurückzuführen und zum anderen auf einen Mangel an Faktenwissen zum Thema Sexarbeit.

In weiten Teilen der Bevölkerung herrscht die Meinung vor, dass Prostituierte zu dieser Tätigkeit gezwungen werden und Opfer von Menschenhandel sind. Auf einen Teil trifft dies tatsächlich zu. Die Empörung darüber darf aber nicht dazu führen, die grosse Mehrheit der Frauen zu vergessen, die freiwillig als Sexworkerinnen arbeiten.

Auch du hast offenbar Mühe mit der Tätigkeit, der deine gute Freundin bis vor kurzem noch nachgegangen ist. Es scheint mir daher wichtig, dass du dir erst einmal klarmachst, was genau die Motivation ist, die dazu führt, dass du dich derart um sie kümmerst und in ihr Leben einmischst.

Ich werde den Verdacht nicht los, dass es dir mehr um dich und deine Vorstellungen vom «richtigen» beziehungsweise «falschen» Leben geht als um sie und ihr Wohlergehen. Oder bist du vielleicht sogar in diese Frau verliebt und wünschst dir deshalb, dass sie aufhört, im Bordell zu arbeiten?

Wie auch immer: Am meisten unterstützen kannst du deine gute Freundin, wenn du ihr gegenüber genauso ehrlich bist wie sie zu dir. Dann kannst du nämlich die Rolle des Moralapostels ablegen und im offenen Dialog mit ihr auch deine Ängste offenlegen und dich damit auseinandersetzen.

Es ist nicht deine Aufgabe, diese Frau zu retten oder sie vor Fehlern zu bewahren. Wenn sie das Bedürfnis hat, sich zu zeigen und von den Freiern gebraucht zu werden, darf sie das tun – auch wenn sich hinter dem Verhalten möglicherweise eine Neurose verbirgt. Die Motivation, ihren Impulsen auf den Grund zu gehen, muss von ihr kommen. Sie zu etwas überreden zu wollen, das nicht an ihre aktuelle Überzeugung anschlussfähig ist, wäre kontraproduktiv.

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

(wer)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A.T. am 26.01.2018 08:44 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Sehr gute Antwort. Nicht jede Prostituierte muss gerettet werden. Meist sind es doch diese Typen die ihr erst in den Mund spritzen und sie dann heldenhaft aus dem "Elend" befreien wollen... lachhaft.

  • Insider am 26.01.2018 09:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bekannte Geschichte

    Ein Freund von mir hatte ein Sexarbeiterin geheiratet. Aber jamand der im Monat 15k verdient ist es schwer zu überzeugen für 4k im Monat jeden Morgen aufzustehen.

  • Rolf am 26.01.2018 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Hör auf damit

    Der Job macht ihr Spass und damit hat sichs. Sie braucht keinen edlen Ritter, von dem sie gerettet werden muss, sondern kann für sich selbst entscheiden. Akzeptier es oder lass es bleiben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Silberfee am 26.01.2018 11:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Guter Kerl

    Schon mal daran gedacht, dass er ein guter Kerl ist und ihr helfen will - aber etwas über das Ziel hinausschiesst? Warum so negativ?

  • Michi am 26.01.2018 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Beruf wie andere auch

    Meine Kollegin macht das seit 15 Jahren, lebt dadurch sehr gut und es geht ich auch sehr gut dabei. Ich schätze Sie sehr, auch ist es mal schön mit einer Frau einen Städtetrip zu machen der nicht alles zu Teuer ist. Wir geniessen viel Freizeit zusammen und sie ist wirklich ein sehr glücklicher und lebensfroher Mensch.

  • Vero Dora am 26.01.2018 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Der eigene, innere Frieden zählt

    Es braucht nur drei Worte für den inneren Frieden: Nicht. Mein. Problem.

  • threesizzo am 26.01.2018 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der uneigennützige, noble retter

    ob er auch schon mal bei ihr war? sie vielleicht sogar auf diese weise kennengelernt hat? armer luc...

  • Ronnie am 26.01.2018 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Neurose - ja nein?

    Die Frau sehnt sich nach dem Exhibitionismus und nach dem "Gebraucht werden". Ist das jetzt normal oder Krankhaft? Die Frage darf man sich doch wohl schon mal stellen. Dr. Sex redet ja selbst von einer möglichen Neurose. Was ist, wenn es eine Neurose ist? Ist das "i.o." oder nicht?

    • Sehr alter Sack am 26.01.2018 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ronnie

      Auch eine Neurose darf man haben wenn einen das gefällt. Und es geht diesen Moral Apostel nichts an. Beide dürfen so leben wie es ihnen passt, und wenn es ihm nicht passt, darf er sie in Ruhe lassen. Sie ändern zu wollen ist auch eine Neurose. Ich kenne das von mir, als ich jung war war ich nicht besser.

    • Anni am 26.01.2018 11:33 Report Diesen Beitrag melden

      ist egal

      Wenn sie mit Ihrer vermeintlichen Neurose glücklich ist, muss sie nicht therapiert werden! Offensichtlich hat ja nur er ein Problem damit - nicht sie.

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Bruno Wermuth ist Sexualberater und Sexualpädagoge mit eigener Praxis in Bern. Als «Doktor Sex» beantwortet er drei Mal wöchentlich Fragen zur schönsten Nebensache der Welt und im «Sexblog» spricht er das aus, was andere nicht zu denken wagen. www.brunowermuth.ch


(Styling von Doktor Sex:Jessica Montonato)

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