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Doktor Sex

14. Februar 2018 07:52; Akt: 14.02.2018 09:44 Print

«Darf er mir ein Auslands-Praktikum verbieten?»

Lisa könnte im Rahmen ihrer Ausbildung für vier Monate ins Ausland reisen. Ihr Freund findet das egoistisch und will, dass sie zu Hause bleibt.

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Wie weit gilt es die eigenen Bedürfnisse der Beziehung unterzuordnen? Szene aus «Revolutionary Road»/Bild: DreamWorks

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Frage von Laura (25) an Doktor Sex: Ich reise sehr gern und habe nun die Möglichkeit, für meine Ausbildung vier Monate gratis im Ausland zu leben. Mein Verlobter ist aber dagegen, dass wir so lange getrennt sind. Unterwegs zu sein entspricht aber so sehr meinem Wesen und macht mich so glücklich. Er aber findet, dass dies für ihn unerträglich wäre und ich aufhören sollte, mein Bedürfnis derart über unsere Beziehung zu stellen.

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Er erwartet deshalb, dass ich in der Schweiz bleibe und hier irgendwo einen Praktikumsplatz suche. Mich würde das todunglücklich machen. Weil ich ihn aber so liebe, bin ich nun total in Not. Ich habe kein Geld, um sonst zu reisen. Ihn deshalb zu verlieren, geht nicht. Und selber zu kurz kommen will ich auch nicht. Er findet seine Forderung normal. Darf er das von mir verlangen?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Laura

Interessant finde ich die Formulierung deines Verlobten: Er fordert dich auf, deine Bedürfnisse der Beziehung unterzuordnen, unterschlägt dabei aber, dass dies nur zu seinem Vorteil ist. Somit tut er letztlich also genau das nicht, was er von dir verlangt – und stellt einfach egoistisch seine eigenen Interessen in den Vordergrund.

Dass er, genauso wie du auch, seine Wünsche anmelden und in der Auseinandersetzung vertreten darf, ist selbstverständlich. Es scheint mir jedoch, dass es hier weder darum geht, die eigenen Anliegen sichtbar zu machen, noch diese angemessen zu vertreten, sondern um einen Machtkampf. Und dafür setzt dein Freund meiner Meinung nach unsaubere Mittel ein.

Da er dich liebt – und davon gehe ich aus, denn sonst wärt ihr ja wohl nicht verlobt –, darf ich annehmen, dass er sich dir gegenüber nicht aus Böswilligkeit so verhält, sondern sich vermutlich einfach sehr hilflos fühlt. Diese Überforderung wird ja auch sichtbar in seiner Aussage, dass eine derart lange Abwesenheit von dir für ihn unerträglich wäre.

Weil er mit seinen Möglichkeiten am Ende zu sein scheint und du offenbar differenzierter mit der ganzen Sache umgehen kannst, empfehle ich dir, deinen Partner zu einem offenen Gespräch einzuladen mit dem Ziel, noch einmal und in aller Ruhe die Ausgangslage zu erörtern sowie Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen.

Wichtig dürfte sein, dass dein Verlobter sich von dir wahr- und ernstgenommen fühlt. Gleichzeitig soll er aber ruhig auch merken, dass du dein Handeln nicht von seinen Ängsten – und darum scheint es mir letztlich zu gehen – bestimmen lässt. Sinnvollerweise orientiert ihr euch daher an der Frage, was er denn brauchen würde, um dich möglichst ohne Sorge ziehen lassen zu können.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieses Praktikum nicht der letzte Anlass sein wird, der zu einer temporären Trennung führt. Es liegt daher nahe, die aktuelle Situation zu nutzen, um gemeinsam herauszufinden, was euch beiden dabei wichtig ist. So müsst ihr später nicht jedes Mal die gleiche Diskussion führen. Ich wünsche euch alles Gute!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

(wer)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Es scheint mir, als sei ihr Verlobter von Verlustängsten geplagt. Deshalb beharrt er sehr egoistisch darauf, dass sie hier bleibt. Ich bin aber der Meinung, dass Verlustangst ein falsches Motiv für eine Beziehung und Liebe ist, und einfach hierzubleiben der bequeme Weg für beide wäre. Wenn ich sie wäre, würde ich dem Praktikum im Ausland den Vorzug geben und nach der Rückkehr schauen, was von der Liebe übrig bleibt. Ich glaube es macht sie nicht glücklich, hierzubleiben. – Hene70

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Perla am 14.02.2018 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    wage es, aber vermittle ihm Sicherheit

    Liebe Laura, mir scheint, er hat Angst dich zu verlieren! Also setz da an und gib ihm diese Sicherheit, dass du ihm treu sein wirst. Vier Monate sind doch so schnell vorüber. Plant gemeinsame verlängerte Wochenenden ein, ev. kann er dort bei dir die Ferien verbringen, skypt, telefoniert und schreibt einander. Sieh es doch mal so, wenn ihr das zusammen meistert, dann kann euch in Zukunft nicht so schnell etwas umhauen. Und wenn eure Beziehung daran zerbricht, naja.... dann macht es den Eindruck als hätte es nicht sein sollen. Alles Gute!

  • Brian am 14.02.2018 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Tu es!

    Er lässt dich nicht, weil es für IHN unerträglich wäre. Wenn das nicht Egoismus ist. Wenn ich ein starkes Bedürfnis danach hätte, so wie du es beschreibst, würde ich es machen. Im Leben bereut man vorallem die Dinge, die man nicht gemacht hat, nicht diejenigen, die man gemacht hat..

  • Mimi am 14.02.2018 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grosse Chance

    Bitte nimm diese Chance wahr. Vier Monate sind nicht lange, Du wirst beruflich wie auch privat davon profitieren. Und es sicher bereuen, sollte Eure Beziehung mal auseinandergehen. Dein Verlobter könnte Dich ja allenfalls mal besuchen kommen in der Mitte. Und 8 Wochen ohne Dich sollte er schon aushalten können...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ratgeberin am 14.02.2018 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man wirklich liebt...

    ... dann bringt man es doch nicht übers Herz, dem geliebten Menschen etwas zu verbieten, was ihm/ihr so am Herzen liegt und seinem/ihrem Wesen entspricht. Das würde auf Dauer nicht gut kommen. Ihr solltet eine Lösung finden, die die Reise ermöglicht und auch seine Ängste stillt, ein Mittelweg, ein Besuch, ein Versprechen, heute kann man täglich gratis videotelefonieren. Ich weiss noch sehr gut, als mein jetziger Mann mich gebeten hat, nach Zürich zu ziehen. War total dagegen aber mir war auch klar, dass alles ein Geben und Bekommen ist und man manchmal für den anderen zurück stecken muss.

  • Baba am 14.02.2018 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Beides kann das Ende sein

    Er kann die gar nix verbieten. Vielleicht hat er einfach Angst das du nicht mehr zu ihm zurück kommen wirst. Aber wenn du verzichtest wirst du ihm das immer übel nehmen was die Beziehung ruinieren wird. Gehst du besteht das selbe Risiko. Du musst für dich entscheiden mit welcher Möglichkeit du besser Leben könntest. Er kann dich doch auch mal besuchen im ausland....

  • Lisa B. am 14.02.2018 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Gehts noch?

    Vier Monate sind also echt keine lange Zeit und ganz ehrlich - wenn er dir schon vor der Heirat solche grundlegenden Dinge verbieten will, dann wird es nachher garantiert nicht besser. Gleich von Egoismus zu reden, finde ich etwas hart, natürlich hätte ich auch keine Freude daran, aber wohl auch aus Trauer darüber, dass mein Partner viele coole, neue Dinge entdeckt - ohne, dass ich mich mit ihm darüber freuen kann. Darum hat mein Freund bei seinem Auslandsemester genau seine Lieblingsdinge zusammengestellt und wir werden eine "Best Of" Tour nach Studiumsende machen.

  • Korega Tabs am 14.02.2018 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig...

    ist ja schon die Fragestellung im Titel "darf er das?". Ja, klar. Nur muss er damit rechnen, dass Dir schlicht egal ist. Kleiner Tip: Du hast Dich mit dem Falschen verlobt. Tu, was Du für richtig hältst. Nimm die Chance wahr und such Dir einen Mann, der keine kindlichen Besitzansprüche stellt. Denn eins kann ich Dir garantieren: Mit Deinem Verlobten wirst Du auf Dauer nicht glücklich werden. Du bist ein freier, eigenständiger Mensch und solltest Dir von einer Beziehung keinesfalls Deine Zukunft versauen lassen!

  • Klara am 14.02.2018 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reise wohin führst du mich? 

    Stell den Typen auf dem Balkon bis er sich abgekühlt hat. So unfair Druck auszuüben ist absolut unterste Schublade. Partnerschaft und/oder Ehe heisst Gleichberechtigung. Wenn Du sowas heiratest, dann ist Dein Lebensweg vorgezeichnet. Nur noch machen dürfen was ER für richtig hält. Auch wenn Du gerne reist, Reise nicht freiwillig in die Frauenrolle aus dem Mittelalter.

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Bruno Wermuth ist Sexualberater und Sexualpädagoge mit eigener Praxis in Bern. Als «Doktor Sex» beantwortet er drei Mal wöchentlich Fragen zur schönsten Nebensache der Welt und im «Sexblog» spricht er das aus, was andere nicht zu denken wagen. www.brunowermuth.ch


(Styling von Doktor Sex:Jessica Montonato)

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